Halloween: Das Fest des Grusels und der Streiche

Es ist das Fest der ruhelosen Geister und wandelnden Dämonen in der Nacht vor Allerheiligen: Halloween. Seit mehr als 100 Jahren wird dieser Tag in Amerika und mittlerweile auch auf der ganzen Welt gefeiert. 

Doch wieso werden grimmig lachende Gesichter in Kürbisse geschnitzt? Wodurch entstammt das Brauchtum der gruseligen Kostüme eigentlich? Über diese und weitere Dinge klären wir euch in diesem Beitrag auf!

Die Legende des Jack O’Lantern

Bildquelle: Foto von Eleni Petrounakou via unsplash

Der ausgehöhlte Kürbis, auch bekannt als “Jack O’Lantern”, fand seinen Ursprung (nicht wie viele glauben) in Amerika, sondern tatsächlich in Europa – genauer gesagt in Irland. Laut der Legende des Jack O’Lantern lebte der geizige und trunksüchtige Hufschmied Jack Oldfield, der auch auf den Namen “Stingy Jack” (geiziger Jack) hörte, vor langer Zeit an einem stillen, finsteren Ort in Irland. 

Wie fast jeden Abend betrank sich Stingy Jack auch am Abend des 31. Oktobers vor Allerheiligen in seinem Stammgasthaus mit Bier, als urplötzlich der Teufel persönlich über die Schwelle trat, um Jack mit sich in die Unterwelt zu nehmen. Dies war ihm jedoch nicht geheuer und so entschied er sich kurzerhand, den Teufel zu überlisten. Mit aufgesetzt trauernder Mimik bat Jack den Teufel um einen allerletzten Gefallen, bevor er diesen ins Totenreich begleiten würde: Sein Wunsch war es, ein letztes Bier spendiert zu bekommen.

Dummerweise hatte der Teufel kein Geld zur Hand, kam jedoch auf die Idee, sich selbst in eine Münze zu verwandeln, womit Jack bezahlen könne. Der gewitzte Jack reagierte jedoch blitzschnell und steckte die Münze in seinen Geldbeutel, worin sich ebenfalls ein Kruzifix befand. Der Teufel wurde zornig, denn er war gefangen. In seiner Not machte er Jack den Vorschlag, ihn weitere Jahre an Lebenszeit zu schenken, wenn er ihn wieder freilassen würde. Und so wurden sie sich einig. 

Jahre vergingen und allmählich wurde es Zeit, Jacks Schuld einzuholen. So begab sich der Teufel pünktlich an einem Abend vor Allerheiligen erneut auf die Suche nach Jack. Diesen fand er vor einem Apfelbaum stehend bereit für seine Reise ins Totenreich. Doch noch bevor sie abtreten konnten, hatte Jack wieder mal eine letzte Bitte: Diesmal sollte es eine Henkersmahlzeit sein, die letzte Mahlzeit vor seinem Tod. Er zeigte auf einen Apfel von dem Baum, an dem er auf den Teufel wartete. Nichtsahnend und ungeduldig kletterte der Teufel auf den Baum, um den Apfel für Jack zu pflücken. Doch der Apfel wurde nicht einfach willkürlich gewählt. Jack hatte jetzt genug Zeit, ein Kreuz in die Rinde des Apfelbaumes zu ritzen, um den Teufel ein weiteres Mal festzunageln. Erneut mit Zorn erfüllt und voller Verzweiflung versprach er Jack, seine Seele nun für alle Ewigkeit in Frieden zu lassen und niemals wieder nach ihr zu verlangen.

Jack siegte. Doch wie es das Schicksal wollte, war sein Triumph nur von kurzer Dauer. Denn kurze Zeit später verstarb der trunkene Stingy Jack. Doch damit war seine Pechsträhne noch längst nicht beendet. Im Gegenteil: Dies war der Zeitpunkt, in dem das Unheil anfing, seinen Lauf zu nehmen. Da Jack in seinem Leben nicht gerade ein artiger Mann war, wurde ihm der Zutritt zum Paradies an den Himmelstoren verweigert. Seine Seele solle Platz in der Hölle finden. Und so begab sich Jack auf den Weg zur Hölle. 

An den Pforten der Unterwelt traf er auf den Teufel, der ihn verwirrt anblickte. Jack habe in der Hölle nichts verloren, weil er ihm zu seinen Lebzeiten ein Versprechen gab, welches er nicht gewillt ist, zu brechen. Jack aber könne auch nicht dortbleiben und so verbannte der Teufel ihn auf ewig in die einsame, finstere und kalte Dunkelheit. Mitleid empfindend gab er Jack ein glühendes Stück Kohle, das niemals erlöschen solle, mit auf seinen Weg durch die Dunkelheit. Um diese halten zu können, höhlte Jack eine Steckrübe aus und schnitzte sie ein, um die Kohle darin transportieren zu können, damit sie den dunklen Weg durch die Finsternis erhellt. Seitdem wandelt Jacks verdammte, ruhelose Seele mit der Laterne durch die finstere Nacht vor Allerheiligen. Halloween war geboren und die Kürbislaterne, wie man sie heute kennt, diente fortan dem Schutz vor bösen Geistern in der Nacht vor Allerheiligen, dem 31. Oktober.

Finstere Kürbisgesichter und gruselige Kostüme

Bildquelle: Foto von Salvador Altamirano via unsplash
Wieso wird der Kürbis genutzt?

Heutzutage ist der Kürbis mit dem grimmigen Lächeln das Markenzeichen des Fests der Geister und Dämonen. Die irische Legende berichtet zwar von einer ausgehöhlten Steckrübe, doch dass der Kürbis mit der Zeit immer mehr bevorzugt wurde, hat folgenden Grund: In der Zeit zwischen 1845 bis 1852 sorgte die große Hungersnot in Irland dafür, dass sich Millionen Iren gezwungen sahen, nach Nordamerika auszuwandern, um neues Land bewohnen zu können. Diese behielten ihre Bräuche bezüglich Halloween und lebten diese in der neuen Heimat weiter aus. Da Steckrüben dort eine Rarität waren, wurden stattdessen nun Kürbisse verwendet, um die Laternen zu basteln. 

Warum sind die Verkleidungen so gruselig?

Die Ursprünge von Halloween reichen Tausende von Jahren in die Vergangenheit zurück, als die Kelten am 31. Oktober das Fest “Samhain” feierten. Diese Zelebration diente der Ehrung des gleichnamigen Sonnengottes Samhain, womit der Dank für eine ertragreiche Ernte ausgedrückt wurde. Gleichzeitig stellte dieser Tag das Ende des Sommers und somit das Ende des Jahres für die Kelten dar. Die Verabschiedung des Sommers und die zeitgleiche Willkommenheißung des Winters wurden mit riesigen Feuern angestimmt. 

Außerdem gedachten sie mit dem Fest “Samhain” die Seelen der Verstorbenen, da die Kelten daran glaubten, dass das Jahr bis zum nächsten Sommer von nun an der Herrschaft vom keltischen Totengott Cromm Cruach unterlag. So hieß es, dass in dieser Nacht die Geister der Verstorbenen, die ihren Frieden nicht fanden, zurück auf die Erde in ihre Häuser zurückkehren. Damit die Menschen von ihnen nicht tyrannisiert werden, legten sie gruselige Verkleidungen an, um von den Geistern nicht erkannt und in Ruhe gelassen zu werden.

Das Christentum führte den christlichen Feiertag Allerheiligen im siebten Jahrhundert ein. Anfangs noch im Mai gefeiert, verlegte Papst Gregor III diesen Feiertag auf den ersten November, da das keltische Fest Samhain zu dieser Zeit immer noch weit verbreitet war. So sollten die eigentlichen Bräuche des Samhains durch den Tag der Allerheiligen ersetzt werden. Die damaligen Christen sollten somit nur noch die Heiligen ehren, durften sich unter Beachtung dieser Forderung aber weiterhin verkleiden. 

Der Feiertag Allerheiligen wurde im mittelalterlichen, englischsprachigen “All Hollows’ Day” und der Abend davor “All Hallows’ Eve” genannt. Schlussendlich entwickelte sich daraus der Begriff “Halloween”. 

Halloween in anderen Ländern

Bildquelle: Foto von Nick Fewings via unsplash

Grundsätzlich dient das Fest “Halloween” allein einem einzigen Zweck: die Ehrung der Vorfahren und verstorbenen Liebsten. Doch trotzdem wird das Gruselfest in vielen Ländern ganz unterschiedlich gefeiert.

Halloween in den USA

Die Amerikaner zählen das Halloweenfest inzwischen zu ihrer Landeskultur. Schon einige Wochen vor dem 31. Oktober lässt sich beobachten, wie die Häuser in den USA nach und nach mit orange-schwarzfarbener Halloween-Dekoration geschmückt werden. Wichtig ist es vor allem, dass genügend Süßigkeiten für die umherziehenden, verkleideten Kinder vorhanden sind, um diese an sie zu verteilen. 

Die Kinder ziehen meistens innerhalb ihres Nachbarschaftsviertels von Haustür zu Haustür, um den Anwohnern die Bedingung “Trick or Treat” zu stellen. “Trick” bedeutet dabei so viel wie “Streich”, “Treat” hingegen bedeutet “Süßigkeit” oder “Belohnung”. Diese Bedingung ist vergleichbar mit dem deutschen Spruch “Süßes oder Saures”. Kommt man der Bedingung in den USA jedoch nicht nach, passiert es nicht selten, dass das Haus mit Klopapier eingewickelt oder mit Eiern beworfen wird. 

Halloween in Irland

In Irland wird sich weitgehend an die traditionellen Bräuche des Halloweenfests gehalten. Dort werden die Verstorbenen mit Lagerfeuern und traditionellem Essen geehrt. Das Kürbisschnitzen wird in Irland ebenfalls an Halloween praktiziert.

Halloween in Mexiko

In Mexiko wird am ersten und zweiten November der “Dia de los Muertos” (Tag der Toten) gefeiert. Hierzu stellen traditionelle mexikanische Familien einen Altar mit Essen in ihrem Haus auf, um die Geister zu besänftigen. Das übliche Halloween-Gericht dort ist das “Pan de Muerto” – “das Brot der Toten”. Die Kinder in Mexiko gehen ebenfalls auf Süßigkeitenjagd und schreien laut “Queremos Halloween!”, was “Wir wollen Halloween!” bedeutet.

Halloween in China

In China wird das “Hungry Ghost Festival” sogar einen ganzen Monat lang gefeiert. Um ihre Verstorbenen zu ehren und ihnen den Zugang zum Himmel zu ermöglichen, werden Köstlichkeiten viele andere Lebensmittel vor den Fotos der Verstorbenen gestellt. In Hongkong spielt sich das Ganze jedoch etwas anders ab: Um die Verstorbenen dort zu ehren, werden Fotos von Essen, Geld und Wertgegenstände verbrannt.

Halloween in Nepal

Halloween wird dort stark mit Kühen in Verbindung gebracht. Das ist der Grund, warum dort an Halloween das “Festival of the Cow” gefeiert wird. Den Angehörigen, die in diesem Jahr verstorben sind, wird durch das Führen einer Kuh durch Kathmandu, die Hauptstadt Nepals, großen Respekt gezollt. Die Einwohner glauben, dass die Kuh den Verstorbenen bei der Reise in den Himmel helfen wird. Gefeiert wird dieses Straßenfest acht Tage lang.

Bildquelle: Foto von Bee Felten-Leidel via unsplash


Halloween ist nach wie vor ein sehr beliebter Festtag und wird in den verschiedensten Ländern der Welt gefeiert. Auch wenn die Intention hinter dieser Feierlichkeit die gleiche ist, wird sie trotzdem überall anders praktiziert. Nichtsdestotrotz ist der Spaßfaktor in den meisten Ländern im Vordergrund, um eine gute Zeit zu erleben!