Interview mit Marek Laader

Heute haben wir einen ganz besonderen Gast zu einem Interview in deinem pipeline Magazin eingeladen. Er zeigt vollen Einsatz, um Menschen, welche durch die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen in Not geraten sind, zu unterstützen.

Die Rede ist von Marek Laader, der durch seine selbstlose Hilfe während und nach der Überflutung vielen Menschen beim Wiederaufbau geholfen hat. Marek ist der Geschäftsführer der Firma Laader Garten- und Landschaftsbau, welche sich auf die Beratung, Planung und Umsetzung von Projekten im Bezug auf Außenanlagen spezialisiert hat.

In diesem Interview spricht er über seine Eindrücke vor Ort, die Not der Menschen und die Möglichkeit zu helfen.

Die vergangenen Wochen waren für viele Menschen die schlimmsten in Ihrem Leben. Das Hochwasser hat viele Orte in Nordrhein-Westfalen hart getroffen. Wie geht es Dir und Deiner Familie?

Mir und meiner Familie geht es gut. Kurz vor dem Hochwasser wurde meine Tochter geboren, deshalb habe ich von dem Hochwasser anfangs gar nichts mitbekommen. Als die Nachricht dann zu uns durchdrang, wussten wir, dass etwas unternommen werden muss, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. Daraufhin haben wir uns kurzfristig dazu entschieden, dorthin zu fahren und alles Mögliche zu tun, um den Menschen zu helfen. Das Ausmaß der Katastrophe ist in der Realität viel größer, als man es im Fernsehen und Radio nachvollziehen kann.

Als Geschäftsführer von Laader Garten- und Landschaftsbau hast Du sofort gehandelt und Maschinen zur Verfügung gestellt. Wie lief das Ganze ab und wann wusstest Du, dass Du helfen kannst?

Wir haben uns zuerst über eine Gruppe im Internet vernetzt und diese genutzt, um uns zu koordinieren. Wir sind noch am gleichen Wochenende dort hingefahren und haben geholfen, wo auch immer Hilfe nötig war. Am darauffolgenden Wochenende wiederholten wir die Aktion. Die Menschen vor Ort waren sehr dankbar über die ganze Hilfe. Für uns war das Helfen selbstverständlich und wir waren gerne bis tief in die Nacht dort, um Unterstützung zu leisten.

Mit wie vielen und vor allem mit welchen Maschinen konntest Du die Menschen unterstützen?

Wir sind mit einem LKW Tieflader, einem Sortiergreifer und einem Zehn-Tonnen-Bagger in das Katastrophengebiet gefahren. Vor allem der Sortiergreifer eignete sich sehr gut für die Arbeiten vor Ort, da er wie eine Hand in alle Richtungen greifen kann und seine Arbeit je nach Situation sowohl mit roher Gewalt als auch mit Feingefühl verrichten kann. Besonders in den Situationen, wo Menschen unterhalb der Trümmer vermutet wurden, konnten wir dadurch die Trümmer vorsichtig entfernen und die Einsatzkräfte unterstützen.

Du warst mit deinen Helfern in Iversheim. Wie war die Situation vor Ort als ihr angekommen seid?

Ich habe mit einem Anwohner aus Iversheim gesprochen. Er erzählte mir, wie plötzlich das Wasser ansteigt und die Panik ausbrach. Als wir dort ankamen, hatte sich die erste Panik bereits gelegt. Es wirkte viel eher hoffnungslos und grau. Da gab es auch eine Situation, wo eine Frau eine wunderschöne Sonnenblume in der Hand hatte und die erste sein wollte, die neue Blumen auf das Grab ihres Vaters legt. Dieser Moment brannte sich mir als ein Zeichen von Hoffnung und Zuversicht ein. 

Vor welchen Problemen habt ihr gestanden und wie konntet diese lösen? Welche Probleme gibt es aktuell noch?

Grade anfangs hatten wir einige Probleme. Anfangs war das vorherrschende Chaos ein großes Problem, da die Übersicht über die Situation nur schwer zu erlangen war. Zudem ist uns ein Schlauch geplatzt, welcher aber durch die Zusammenarbeit aller Helfer schnell ersetzt werden konnte. Ebenfalls wurde uns Diesel für die Maschinen zur Verfügung gestellt. All das half uns, das bestmögliche aus der Situation zu machen. Natürlich gab es auch viele Dinge, die reibungslos funktionierten. Die Nahrungsmittelversorgung zum Beispiel spielte nach kurzer Zeit keine Rolle mehr, da mehr als genug Spenden zusammenkamen. Auch Geldspenden und sonstige Gaben für die betroffenen der Flut waren sehr großzügig. 

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verschaffte sich einen Überblick über die Situation in Iversheim. Du hattest sogar die Gelegenheit, kurz mit ihr zu sprechen. Wie war die Situation für Dich?

Der Trubel war natürlich vorhanden. Trotzdem war es schön, Frau Merkel persönlich kennenzulernen. Ich habe die Situation genutzt, um den Förderbedarf für die Anwohner und Helfer anzusprechen. Von Ihrer Seite gab es Unterstützung. Leider wurden der die größten und schönsten Maschinen ausgesucht, die am nächsten Tag schon wieder verschwunden waren. Auch die Zusammenarbeit fiel teils nicht optimal aus, was ich persönlich sehr schade finde.

Es sind nun einige Wochen seit der Flut vergangen. Es ist immer wieder die Rede von finanzieller Unterstützung durch die Regierung, doch wie sieht es für den Otto-Normalverbraucher aus, der noch helfen möchten. Was wird noch benötigt und wie kann geholfen werden?

An dieser Stelle möchte ich in erster Linie die Anwohner loben, die trotz ihres eigenen Schadens permanent vor Ort waren und anderen geholfen habe. Selbst wir Helfer wurden von den Anwohnern mit zubereiteten Lebensmitteln und Getränken versorgt. Das war eine wirklich tolle Situation, da die Hilfe vollkommen selbstlos angeboten wurde. Auch heute werden noch immer Helfer gesucht, die vor Ort die Feuerwehr und andere Hilfskräfte koordiniert unterstützen. 

Gibt es eine Stelle, an die sich Helfer wenden können?

Definitiv, die gibt es. Am besten können sich Helfer an die Gruppen im Internet sowie auf Facebook und Co. wenden. Dort kann dann abgestimmt werden, wer an welchen Orten wie helfen kann. Scheut euch auf jedenfalls nicht, denn Hilfe ist wichtig. Es gibt immer noch viele Orte, die Hilfe brauchen. 

Wir möchten uns zum Schluss noch einmal herzlichst bei Marek Laader für seine vermittelten Eindrücke, Erfahrungen und besonders für seine Hilfe vor Ort bedanken!