Die Pflicht zur Wirtschaftsprüfung

In der Welt des Rechnungswesens gibt es für nahezu jeden Vorfall eine eigene Regelung für dessen Umgang. Die Zielsetzung, alle Unternehmen gleich zu behandeln, ist gewiss keine einfache Aufgabe. Aus diesem Grund gibt es Wirtschaftsprüfer, welche sich vergewissern, ob die geltenden Gesetze auch wirklich eingehalten werden.

Das Grundprinzip

Im Grunde genommen besteht das Aufgabenfeld eines Wirtschaftsprüfers darin, die ordnungsgemäße Buchführung zu begutachten und eventuelle Fehler auszubessern. Da eine Vollprüfung, also eine Einsicht und die Prüfung jeder einzelnen Buchung wie bei der Unterschlagungsprüfung in der Realität nicht möglich ist, erfolgt die Einsicht in die Buchungen stichprobenartig. Meist werden durch eine Risikoeinschätzung der einzelnen Posten der Bilanz Schwerpunkte gelegt.

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Die Prüfungspflicht

Die Prüfungspflicht besteht nicht für jedes Unternehmen in Deutschland. Für die kleineren Gesellschaften stellt der Vorgang einer Wirtschaftsprüfung einen viel zu großen Aufwand dar. Dies hat auch die Regierung eingesehen und ein Gesetz auf den Weg gebracht, welches die Unternehmen in verschiedene Größenkategorien unterteilt. So sind kleine Unternehmen in den folgenden Gesichtspunkten definiert:

Bilanzsumme bis 6.000.000,00 €

Umsatzerlöse p.a. bis 12.000.000,00 €

Im Jahresdurchschnitt unter 50 Mitarbeiter.

Wenn ein Unternehmen zwei dieser drei Kriterien erfüllt, fällt es in die Kategorie der kleinen Kapitalgesellschaften. Die Folge ist, dass die Pflicht zur Prüfung des Jahresabschlusses wegfällt. Übersteigt ein Unternehmen zwei dieser drei Kriterien, so ist es verpflichtet, seinen Abschluss inklusive des Anhangs, des Lageplans und anderer Dokumente einer Prüfung zu unterziehen.

Die Prüfungstechniken der Schwerpunkte

Die Prüfung nimmt je nach Unternehmen unterschiedliche Formen an, da alle Unternehmen anders aufgebaut sind. Dabei gilt es, verschiedenste Prüfungstechniken zu kombinieren. Die oben genannte Schwerpunktsetzung spielt dabei eine große Rolle.

Die analytische Prüfung

Ohne diese Prüfungstechnik kommt kein Wirtschaftsprüfer aus. Die analytische Prüfung ist der Grundstein einer guten Prüfung. Im ersten Schritt prüft die Kanzlei, ob die Zahlen und Salden der einzelnen Konten im Gesamtzusammenhang überhaupt Sinn ergeben. Dies kann veranschaulicht werden an dem Beispiel der Umsatzerlöse. Steigen diese an, so ist zu erwarten, dass sich der Materialaufwand im gleichen Maße erhöht. Geschieht dies nicht, ist zu prüfen, worin die Abweichungen der beiden Posten resultieren. Die meisten Positionen sind mit dieser Technik prüfungsfähig.

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Die Belegprüfung

Die beliebteste Form, Forderungen und Verbindlichkeiten zu plausibilisieren, ist die Belegprüfung. Dabei werden die Lieferanten und Kunden des Mandanten angeschrieben und gebeten, den Kontensaldo des geprüften Unternehmens zum Abschlussstichtag zu bestätigen. Dabei wird ersichtlich, ob sämtliche Forderungen und Verbindlichkeiten wirklich existieren oder ob Luftbuchungen genutzt werden, um den Umsatz künstlich in die Höhe zu treiben. Meist handelt es sich bei Differenzen nicht um absichtlich herbeigeführte Verfälschungen, sondern viel eher um zeitliche Buchungsunterschiede, da ein Unternehmen zum Beispiel eine Forderung schon eingestellt hat, das andere Unternehmen diese aber noch nicht als Verbindlichkeit erfasst hat.

Die Cut-off Prüfung

Bei dieser Prüfungsform sind Geschäftsvorfälle rund um den Abschlussstichtag auf die tatsächliche Realisation zu prüfen. Das heißt im Klartext, dass geschaut wird, ob eine Forderung im Dezember auch im Folgejahr bezahlt wurde oder ob eine Verbindlichkeit beglichen wurde.

Die Abweichungsanalyse

Hierbei sind einzelne Bilanzkonten zu begutachten. Meist geschieht diese Art der Prüfung im Bereich der sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträge. Konten, welche stark vom Vorjahreswert abweichen, sind besonders auffällig. Eine Einsicht in die einzelnen Posten des Kontos hilft in diesem Fall, um festzustellen, ob alle Geschäftsvorfälle ordnungsgemäß verbucht wurden.

Die Steuerberechnungen prüfen

Meist geschieht die Berechnung der Steuer falsch. Durch eine Nachrechnung der Steuerberechnung werden Fehler aufgedeckt, welche im folgenden zu berichtigen sind. Eine falsche Berechnung der zu erwartenden Steuer kann im schlimmsten Fall zu einer Fehleinschätzung der zu erwartenden Aufwendungen führen.

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Der Abschluss der Prüfung

Sind alle Ungereimtheiten beseitigt und die Prüfung des Unternehmens beendet, folgt das Urteil der Prüfung. In diesem gibt der Wirtschaftsprüfer seine Bestätigung, dass der Jahresabschluss frei von wesentlichen Mängeln ist. Dieses sogenannte Testat ist sehr wichtig, um gegenüber den Banken und Gläubigern eine seriöse und bestandsfähige Tätigkeit nachzuweisen.