Der Gestaltungstrick der Lufthansa im Bezug auf die stillen Reserven

Die Welt befindet sich im Wandel. Zumindest was die Denkweise während der Coronapandemie angeht. Gezwungenermaßen mussten wir uns an die neue Situation anpassen und nach Alternativen für bislang selbstverständliche Unternehmungen suchen. Vielleicht sogar am stärksten scheint es in Bezug auf die Einschränkungen die Fluggesellschaften zu treffen, da Hotels sowohl für Privat- als auch für Geschäftsreisende geschlossen wurden. Das Resultat war ein Umsatzeinbruch bei der Lufthansa von sage und schreibe 63 Prozent im Geschäftsjahr 2020.

Daraus resultierte ein Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro, was für das Unternehmen drastische Folgen hat. Das Eigenkapital der Lufthansa sank auf 3,5 Prozent der Bilanzsumme. Im Vorjahr lag die Eigenkapitalquote noch bei knapp 24 Prozent und es kommt noch schlimmer. Laut den in Deutschland geltenden Gesetzen besteht die Pflicht zur Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung, sobald eine Gesellschaft mehr als die Hälfte ihres Stammkapitals innerhalb von einem Geschäftsjahr verloren hat.

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Der Grundgedanke

Um eben dies zu vermeiden, griff die Lufthansa im vergangenen Jahr zu einem Bilanztrick. Die Gesellschaft deckte durch eine geschickte Umverteilung des Anlagevermögens stille Reserven in Höhe von knapp 6,5 Milliarden Euro auf und rettete sich somit vor der Gesellschafterversammlung, welche in solch einer Situation drastische Konsequenzen für den Konzern mit sich bringt.

Stille Reserven

Für die meisten ist der Begriff „stille Reserven“ bestimmt ein Fremdwort. Im Grunde genommen gilt bei der Bilanzierung von Vermögensgegenständen das Vorsichtsprinzip. Dies beinhaltet unter anderem das Verbot der Bilanzierung von Wertsteigerungen. Kauft eine Gesellschaft beispielsweise vor 10 Jahren ein Grundstück für einen Preis von 100.000 €, welches heute das doppelte des Kaufpreises wert ist, so darf die Wertsteigerung nicht in der Bilanz des Unternehmens berücksichtigt werden. Auf diese Weise kann sich innerhalb von einigen Jahren eine beträchtliche Summe an stillen Reserven ansammeln. Bei der Lufthansa summierten sich diese auf knapp 6,5 Milliarden Euro.

Die Aufdeckung

Jetzt stellt sich die Frage, wie ein Konzern eben diese stillen Reserven aufdecken kann. Dazu griff die Lufthansa zu einer Gestaltungsmethode, in welcher eine andere Tochtergesellschaft die mit stillen Reserven belasteten Vermögensgegenstände übernimmt und sie in Zuge der Übernahme zu dem aktuellen Wert in der Bilanz ansetzt. Auf diese Weise ist es der Lufthansa gelungen, ein Teil ihres Anlagevermögens in eine Schweizer Tochterfirma zu verschieben und so mit einer Bilanzsumme von damals 10 Millionen Euro stille Reserven in Höhe von 6,5 Milliarden Euro aufzudecken.

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Langfristige Betrachtung

Auch wenn die Lufthansa ihre Bilanz durch den Trick aufbessern konnte, hilft er dem Konzern langfristig nur bedingt. Nun gilt es, die Schieflage des Konzerns schnellstmöglich in den Griff zu bekommen, denn ansonsten wird er sich im kommenden Jahr vor den gleichen Problemen wie im aktuellen Geschäftsjahr wiederfinden und keine übrigen stillen Reserven zum Aufdecken mehr haben.

Fazit

Selbst in einer scheinbar ausweglosen Situation kann ein Unternehmen durch eine geschickte Gestaltung im Geschäftsjahr noch einiges retten. In diesem Fall hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young für die „Rettung“ der Lufthansa eine passende Lösung gefunden. Falls Du nach einer Optimierung deines Unternehmens suchst, ist der Weg zum Steuerberater der richtige Schritt.