Latente Steuern – Der Unterschied zwischen Handels- und Steuerbilanz

Im schulischen Rechnungswesen werden die wenigsten mit ihnen in Kontakt kommen. Entscheidet man sich dazu, an eine Hochschule oder Universität zu gehen, führt bei betriebswirtschaftlichen Studiengängen kein Weg an ihnen vorbei. Spätestens im Berufsleben eines Buchhalters oder seiner Assistenzen wird ein jeder mit eben diesen konfrontiert. Die Rede ist von latenten Steuern. In diesem Beitrag erfährst du die Grundlagen über latenten Steuern.

Definition

Wer sich jetzt denkt, dass latente Steuern, wie es der Name schon sagt, eine Steuer sind, der irrt sich – zumindest vom Grundgedanken her. Latente Steuern sind, wie beispielsweise die Einkommensteuer, keine richtigen Steuern, welche mit einem Steuersatz vom zu versteuernden Einkommen ermittelt sind.

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Im Rechnungswesen gibt es zwei Arten von Bilanzen. In der Handelsbilanz sind sämtliche Geschäftsvorfälle innerhalb eines Veranlagungsjahres nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches erfasst. Mithilfe dieser lässt sich ein fiktiver Steueraufwand ermitteln. Auf der anderen Seite steht die Steuerbilanz, welche die gleichen Geschäftsvorfälle aufweist, diese allerdings nach den Regeln der Steuergesetzbücher verbucht. Durch die unterschiedlichen Bewertungsmethoden entsteht ein Unterschiedsbetrag zwischen Handels- und Steuerbilanz. Eben dieser kann sich zur latenten Steuer entwickeln. Sie existieren, da die Handelsbilanz stets versucht, alle Geschäftsvorfälle so realistisch wie möglich wiederzugeben.

Aktive oder passive latente Steuern

Es gibt zwei Arten von latenten Steuern. Die aktive latente Steuer entsteht, wenn durch unterschiedliche Bewertungsansätze im Veranlagungsjahr eine höhere Steuer als nach den vorgeschriebenen Bewertungsansätzen entsteht. Sie sind somit vereinfacht ausgedrückt, auf der Aktivseite als Vermögensgegenstand für das Folgejahr ausgewiesen. Sie senken somit im Folgejahr die Steuerlast fiktiv, da die Steuern, welche eigentlich im nächsten Jahr zu bezahlen sind, schon in diesem Jahr abzuführen ist.

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Aktive latente Steuern müssen gebildet werden, wenn das Handelsbilanzergebnis vor Steuern größer ist als der steuerliche Gewinn der Steuerbilanz. Wenn das Handelsbilanzergebnis kleiner ist als das der Steuerbilanz, so besteht ein Wahlrecht zur Bildung von latenten Steuern. Die Pflicht dafür entfällt somit bei Letzterem.

Andersrum werden Steuern, welche aufgrund von verschiedenen Bewertungsansätzen im aktuellen Veranlagungsjahr zu wenig abgeführt wurden, als Verbindlichkeit in Form von passiven latenten Steuern verbucht. Sie bilden genau den Betrag ab, welcher durch die andere Bewertung zu wenig versteuert ist und erhöht somit fiktiv die Steuern für das nächste Veranlagungsjahr.

Entstehen durch die unterschiedlichen Wertansätze eine Steuerbelastung, welche in den nächsten Geschäftsjahren abzubauen ist, so besteht die Pflicht zur Bildung einer passiven latenten Steuer.

Fazit

Latente Steuern dienen also im Allgemeinen dazu, zu viel oder zu wenig bezahlte Steuern aufgrund von unterschiedlichen Wertansätzen in der jeweiligen Bilanz widerzuspiegeln. Mithilfe dieses Postens werden stets alle steuerlichen Vermögensgegenstände oder Verbindlichkeiten aufgeführt. Dies dient vor allem dem Überblick, da zu niedrig angesetzte Posten in den Folgejahren sehr große Auswirkungen auf die Steuern in den nächsten Jahren haben. Nun ist das Thema latente Steuern kein Fremdwort mehr. Wenn Du mehr über dieses Thema und insbesondere über die Berechnung von latenten Steuern wissen möchtest, erfährst du dies in den nächsten Beiträgen.