Händigkeit: Über Rechts- und Linkshänder

Die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung nutzt bevorzugt die rechte Hand. Gerade einmal rund zehn Prozent davon lassen sich zu den Linkshändern zählen. Wir haben uns gefragt, was die Ursachen dafür sein könnten.

Wie entsteht die Händigkeit?

Bisher nahm man an, dass sich die Ursache der Entwicklung der Rechts- oder Linkshändigkeit (wissenschaftlich: Sinistralität) im Gehirn befindet. Jedoch deuten neueste Erkenntnisse darauf hin, dass diese wohl eher im Rückenmark beginnen könnte.

Ab der 13. Schwangerschaftswoche lässt sich beobachten, dass heranwachsende Babys bevorzugt den rechten beziehungsweise den linken Daumen in den Mund nehmen. Offenbar ist die Asymmetrie der Genaktivität im Rückenmark der Grund dafür: Denn in den Rückemarkssegmenten der ungeborenen Kinder, die die Bewegungen der Arme und Beine steuern, zeigen sich deutliche Unterschiede – so sind die Bereiche der bevorzugten Hand anhand der Ausprägungen zu erkennen.

Der motorische Cortex im Gehirn steuert die Arm- und Handbewegungen, indem er ein entsprechendes Signal an das Rückenmark sendet, das dieses in eine Bewegung umsetzt. Die Verbindung zwischen Rückenmark und motorischer Großhirnrinde besteht jedoch nicht von Anfang an. Und da bereits vorher schon Hinweise auf eine Rechts- oder Linkshändigkeit sichtbar sind, geht man davon aus, dass die Ursache der Rechts-/Links-Präferenz eher dem Rückenmark, als dem Gehirn zuzuschreiben ist.

Auch die Gene spielen eine Rolle

Bildquelle: Foto von National Cancer Institute via unsplash

Die Linkshändigkeit wird zu rund 25 Prozent vererbt. In Familien kommen Linkshänder nämlich sehr häufig vermehrt vor. Dabei spielen vier Genorte eine Rolle, die bei Linkshändern verändert sind. Diese beeinflusssen die Struktur des Gehirns, die Bildung bestimmter Hirnzellen und deren Stützstrukturen.

Dadurch haben Linkshänder einige körperliche Vor- aber auch Nachteile. Einer der Vorteile ist, dass die Sprachregion der rechten und linken Gehirnhälfte bei ihnen besser miteinander kommunizieren als bei Rechtshändern, wodurch Linkshänder verbale Aufgaben besser bewältigen könnten.

Jedoch sind die betroffenen vier Genorte mit einigen neurologischen Krankheiten verknüpft, zum Beispiel mit der Schizophrenie. Deshalb besitzen Linkshänder ein leicht erhöhtes Risiko, daran zu erkranken. Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, ist hingegen etwas geringer als bei Rechtshändern.

Vier lästige Probleme im Alltag eines Linkshänders

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1. Eine Kamera bedienen:

Der Auslöser befindet sich bei den meisten Kameras auf der rechten Seite. Die Bedienknöpfe dieser befinden sich dann ebenfalls rechts neben dem Monitor.

2. Eine öffentliche Toilette benutzen: 

Auf öffentlichen Toiletten oder WC’s in beispielsweise Restaurants befinden sich die Klopapierrolle sowie die Klobürste meist auf der rechten Seite der Toilette.

3. Das Schreiben in Notizblöcken:

Viele dieser Notizbücher haben eine Spiralbindung auf der linken Seite. Dadurch müsste die linke Hand beim Schreiben darauf abgelegt werden, wodurch das Schreiben erschwert wird. Wird mit einem Füller geschrieben, führt es zusätzlich des öfteren dazu, dass das eben Geschriebene verwischt.

4. Das Benutzen von Gegenständen, die nicht für Linkshänder gemacht sind:

Einige herkömmliche Dinge, wie zum Beispiel ein standardmäßiger Dosenöffner, sind für die Bedienung mit der rechten Hand ausgelegt. Gleichermaßen sind die meisten Scheren für Rechtshänder konzipiert.


Auch wenn Linkshänder heutzutage immer noch mit alltäglichen Hürden zu kämpfen haben, bringt die Linkshändigkeit auch einige Vorteile mit sich: Bei Linkshändern dominiert zum Beispiel die rechte Gehirnhälfte, welche Kreativität, Emotionalität und Vorstellungsvermögen beherbergt. Deshalb nehmen sie ihre Umwelt meist emotional intensiver wahr.