Interview mit Dirk Große Schlarmann

Pipeline:

Guten Tag, liebe pipeline-Community und herzlich willkommen Dirk Große Schlarmann. Unser heutiger Gast ist Sky-Journalist und wird uns sicherlich viele spannende Dinge zu seiner selbst und dem Fußball erzählen. Vielen Dank, dass Sie dabei sind! Heute sieht es etwas anders aus als sonst. Sie stehen auf der anderen Seite und sind Befragter statt Fragender. Erzählen Sie uns doch zuerst ein paar Dinge zu Ihrer Person. Stellen Sie sich gerne vor!

Das Interview könnt Ihr euch in voller Länge auch hier im Podcast anhören!

Dirk Große Schlarmann:

Glück auf aus Gelsenkirchen! Hier arbeite ich nicht nur am meisten, hier lebe ich auch! Ich bin hier geboren, aufgewachsen und habe mein Journalismus-Studium an der Fachhochschule absolviert. Parallel dazu habe ich bei einigen Radiosendern wie Radio Essen, Bochum oder Escher Lippe gearbeitet und Reportagen für den Fußball in ganz NRW gemacht. Ich habe nebenbei viele Praktika absolviert, da ich mir noch nicht ganz sicher bezüglich meiner beruflichen Zukunft war. Darunter gehörten zum Beispiel Praktika beim ZDF, der Bild oder Sat 1. Vor zehn Jahren kam dann das Angebot von Sky. Sky baute gerade den neuen Sender Sky Sport News auf und suchte nach neuen Fernsehgesichtern. 

Ich wollte überhaupt nicht aus Gelsenkirchen fort und da mir Sky dies garantieren konnte, habe ich die spannende Aufgabe wahrgenommen. Zu meiner Person:

Ich bin 41 Jahre alt, habe zwei Kinder, bin verheiratet und habe einen Hund. Wer meinen Social-Media-Kanälen folgt, kennt meinen Hund bestimmt schon.

Pipeline:

Wie kam es zu dem Job bei Sky? Haben Sie sich dort beworben oder ist es auf anderen Wegen dazu gekommen?

Dirk Große Schlarmann:

Ich hatte einfach Schwein. Man wird häufig gefragt: Wie kommt man an einen Job bei Sky? Es gibt sehr viele Leute, die es machen wollen und nur wenige freie Stellen. Die Grundvoraussetzung war mein fertiges Journalismus-Studium, die Ausbildung beim Radio und die vielen Praktika. Dies war sehr wichtig, um interessant zu werden. Es gibt immer Seiteneinsteiger, aber ich bin keiner. Es wurden neue Leute fürs Fernsehen gesucht und der erste Sportsender, der 24 Stunden läuft, sollte neue Gesichter bekommen. Man hat versucht, Leute aus der Fußballbranche anzuwerben, welche es zuvor noch nicht im TV zu sehen gab. 

Über eine Produktionsfirma in Dortmund ist der Chef dann an meine Nummer gekommen und so nahm alles seinen Lauf.

Pipeline:

Würden Sie sagen, Sie sind in Ihrem Traumjob angelangt, oder gibt es vielleicht noch andere Pläne für die Zukunft?

Dirk Große Schlarmann:

Mein Traumjob war tatsächlich Feuerwehrmann. Ich habe meinen Zivildienst als Rettungssanitäter absolviert. Ich wäre da geblieben, wenn es nicht bestimmte Voraussetzungen, wie den Abschluss eines handwerklichen Berufs, gegeben hätte.

Es wurde auch beschlossen, dass hauptsächlich Leute aus der Zeche übernommen werden, da es dort zu der Zeit viele Kürzungen von Arbeitsstellen gab. 

Mein Chef hätte mich gerne behalten, aber so bin ich dann über Umwege beim Radio gelandet. Als ich beim Radio war, durfte ich noch alles mit der Vereinsbrille bewerten. Dies wurde dann zur Berichterstattung über Schalke. Eigentlich wollte ich nicht weg vom Radio. Alles war perfekt, bis auf das frühe Aufstehen. Ich habe mir irgendwann gedacht: Will ich immer um 03:30 Uhr aufstehen? Es sollte mehr werden. Beim Fernsehen hatte ich die Möglichkeit, viel zu sehen.

Wenn du dann beim Boxkampf von Klitschko bist, beim Eishockey, wo es um die Meisterschaft geht oder beim Manchester Derby, um Interviews mit den Stars zu geben… dann kommst du nach Hause und denkst: Boa, das war ein geiler Tag. Klar gibt’s auch schlechte Erfahrungen, wie zum Beispiel bei Minustemperaturen Bericht erstatten. Alles was ich schon erleben durfte war aber so überragend! Ich würde sagen, das geht stark Richtung Traumjob.

Pipeline:

Wir machen den Übergang zur Bundesliga. Wie stehen Sie zu Ihrem Herzens-Verein Schalke 04 und wie sehen Sie die Chancen des direkten Wiederaufstiegs?

Dirk Große Schlarmann:

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Allen voran ist Schalke mein Herzens-Verein. Ich wurde als kleiner Junge von meinem Bruder mitgenommen und habe eine Dauerkarte. Allerdings habe ich mich durch die Arbeit emotional vom Verein entfernt. Ich leide aktuell auch mit, aber nicht so wie früher. Darüber hinaus freue ich mich extrem für die anderen Vereine aus dem Ruhrpott wie Bochum, RWE oder Duisburg. 

Allen voran bin ich aber Schalker.

Ob Schalke den direkten Wiederaufstieg schafft? Keine Ahnung. Das wissen die Schalker selber auch noch nicht. Es hat seine Gründe, warum die Zielsetzungen so vorsichtig formuliert werden. Es hängt von mehreren Komponenten ab.

Komponente 1: Welche Spieler können verkauft werden? Damit man weiß, wie viel Geld man zur Verfügung hat.

Komponente 2: Wann bekommt man die Spieler verkauft? Die zweite Liga fängt sehr früh an und der Transfermarkt wird da noch kalt sein. Die Europameisterschaft ist da gerade erst vorbei. Es ist ja meistens wie ein Dominoeffekt. Wenn die ersten großen Transfers getätigt wurden, kommt alles Ende Juli, Anfang August ins rollen. Da ist Schalke aber schon fertig mit der Vorbereitung und in der Saison. Dann parken Spieler einen Parkplatz zu, wo drei Spieler parken könnten.

Auch klar ist, dass Schalke einen ganz anderen Fußball spielen muss. Man braucht Spieler, die zweite Liga können. Egal wo Schalke spielen muss, dort gibt es Zirkus. Jeder hat Bock gegen Schalke zu spielen. Da brauchst du erfahrene und gute Spieler. Dafür fehlt Schalke aktuell das Geld. 

Pipeline:

Sprechen wir über die anderen möglichen Absteiger. Wer steigt mit in die zweite Liga ab?

Dirk Große Schlarmann:

Stand jetzt würde ich sagen, dass Hertha absteigt. Cybertraining, Quarantäne und viele Dinge belasten die Hertha.

Man merkt ja gerade, dass Köln und Mainz Punkte gegen Mannschaften holen, wo es keiner vorher gedacht hätte.  In der Relegation kann ich mir weder bei Kiel noch beim HSV vorstellen, dass Sie eine Mannschaft wie Köln in zwei Spielen schlagen würden. Da wird sich wohl der Erstligist durchsetzen.

Pipeline:

Machen wir den Wechsel zur EM. Wie sehen Sie die Chancen der deutschen Nationalmannschaft bei der diesjährigen Europameisterschaft?

Dirk Große Schlarmann:

Ich bin tatsächlich kein Löw-Fan. Ich finde seinen Fußball nicht sehr attraktiv und die Nominierungen nicht immer nachvollziehbar. 

Für die Nationalmannschaft wäre es meines Erachtens besser gewesen, vor dem Turnier einen Cut zu machen. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft mit Geschlossenheit alles plattwalzen wird. Dafür sind die Leute zu sehr mit sich beschäftigt, als das große Ganze zu sehen. Aktuell finde ich die Mannschaft einfach nicht sexy. Ich kann mir ein langes Turnier für Deutschland schwer vorstellen.

Pipeline:

Wer holt denn den Titel?

Dirk Große Schlarmann:

Ich glaube, dass die Spanier in den letzten Jahren eine relativ starke Runde gespielt haben. Wobei es abzuwarten bleibt, wie es mit Faktoren wie Zuschauen aussieht. 

Pipeline:

Ist Hansi Flick der richtige Mann für den DFB und wird Hansi Flick der neue Nationaltrainer?

Dirk Große Schlarmann:

Alles andere würde mich wundern. Ich habe nur das gehört, was Spieler über ihn sagen. Diese sind vollkommen überzeugt von ihm. Wenn du dann so punktest als Trainer, hat das einen Grund. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn Hansi Flick auch schon früher übernimmt. 

Pipeline:

Wir spielen jetzt Nationaltrainer. Wie würden Sie bei der EM aufstellen?

Dirk Große Schlarmann:

Da überrascht du mich mit der Frage. Im Endeffekt gibts für mich im Tor keinen Besseren als Manuel Neuer. Er ist und bleibt der beste Torwart der Welt. Ansonsten… keine Ahnung. Ich finde es schwierig, eine Mannschaft um Gündogan und Kroos aufzubauen. Die beiden sind unbestritten absolute Weltklasse. Vielleicht brauchen wir aber eine Veränderung. Die beiden machen das Spiel langsam und ich sehe die Problematik ohne Ball.

In deren Vereinen spielen Sie One-Touch-Fußball, aber bei der Nationalmannschaft musst du dich in jeden Zweikampf voll reinwerfen.

Ich finde auch die Diskussion um Thomas Müller total daneben. Du brauchst halt auch diese absoluten Leader. Müller könnte dem Spiel gut tun. Er macht Tore und Assists, ist kein Egoist vorm Tor. 


Das war das Interview mit Dirk Große Schlarmann. Wir hoffen, Ihr hattet Spaß und fandet das Interview genauso interessant wie wir!