Ein exklusives Interview mit Fata Hasanovic

Willkommen zu dem Interview mit Fata Hasanovic. Wir durften ihr einige Fragen zu Themen, wie die Karriere als Influencer in den sozialen Medien oder die Modelbranche bei Germany’s Next Topmodel stellen. Dies sind ihre Antworten. Viel Spaß!

„2016 warst du Kandidatin bei Germany‘s Next Topmodel und bist sogar bis ins Finale gekommen. Seitdem bist du besonders auch als Influencerin durchgestartet und hast mittlerweile eine enorme Reichweite auf Instagram, YouTube und TikTok. Erzähl uns doch einmal deinen Werdegang. War es schon immer dein Traum Model und Influencerin zu werden?“ 

Fata:
Als ich damals bei GNTM mitgemacht habe, kam das Influencer-Business so langsam ins rollen. Man hat sich damals vor fünf Jahren angemeldet weil man wirklich nur modeln wollte und das habe ich danach auch noch weiterhin gemacht. Ich habe jedoch schnell gemerkt, dass man oft nur noch wegen seiner Reichweite gebucht wird und so ist man da irgendwie reingerutscht. Die Branche hat sich verändert. Man wird mehr und mehr wegen der Kombination aus Model sein und Influencer/in sein gebucht. 

„Bereits 2014 hast du dich bei Germany‘s Next Topmodel beworben. Damals bist du in die Top 20 gekommen, konntest aber mit deinem bosnischen Pass nicht in die USA einreisen. Stand für dich damals schon fest, dass du dich noch ein zweites Mal bewerben möchtest? Wie haben dich beide Staffeln persönlich und beruflich geprägt?“ 

Fata:
Das erste mal rauszufliegen wegen dem Visum war echt ein Schlag ins Gesicht. Damals überraschte mich sogar Heidi Klum persönlich zuhause, um mir die frohe Botschaft mitzuteilen. Ich muss sagen, ich habe so bitterlich geweint und dachte wirklich, das war’s. Als ich dann anderthalb Jahre später meinen deutschen Pass hatte, habe ich mich wieder beworben.

Bildquelle: Foto von Fata Hasanovic via Instagram

Dann kam eine Absage per Mail. Dann wiederum kam Heidi persönlich nach Berlin, Frankfurt und München. Also bin ich auch da wieder hin und dann hat es endlich geklappt. Die erste Staffel hat mir natürlich nichts gebracht, ich war leider kaum zu sehen. Den dritten Platz zu bekommen 2016 war ein Riesensprungbrett für mich in die Medienbranche. 

„Mittlerweile bist du vor allem auch als Influencerin bekannt. Wie kam es dazu und was gefällt dir persönlich am besten am Leben in der Öffentlichkeit?“ 

Fata:
Für mich ist es gar nicht wichtig „berühmt“ zu sein, sondern eher vor der Kamera stehen zu dürfen. Ich habe Spaß als Influencerin, kann selbst entscheiden was ich gerne machen will und bin eben nicht nur jemand der eine Aufgabe erfüllen muss als Model. Ich kann mich frei ausleben, meine Comedy-Videos machen, Kreativ sein, eigene Ideen einfließen lassen. 

„Als Influencerin lässt du deine Follower an kleinsten Details deines Alltags teilhaben. Wie reagieren Mitmenschen aus deinem Umfeld, besonders Personen, die selbst weniger Bezug zu sozialen Medien haben, auf das ständige Online- und Erreichbarsein? Wie lässt sich das Privatleben in einigen Situationen vom Beruf trennen?“ 

Fata:
Ich habe eine gute Mitte gefunden, die Zeit, die ich mit meinen engsten Leuten habe gut zu genießen ohne, dass die Kamera dabei sein muss. Für mein Umfeld ist es kein Problem. Wer nicht gefilmt werden will, der wird nicht gefilmt. Es gab nie ein Problem mit Freunden oder Familie. Für sie bin ich immer noch ich und kein Promi oder sonstiges. 

Bildquelle: Foto von Fata Hasanovic via Instagram

„Wie wichtig ist die eigene Präsenz auf sozialen Medien für Models? Kann man in dieser Branche heutzutage ohne soziale Medien überhaupt noch erfolgreich sein?“

Fata:
Ich glaube, es gibt dieses klassische Model nicht mehr. Diese Ikonen von früher, die man zufällig entdeckt hat. Vieles läuft heute über Social Media. Wer Reichweite mitbringt, der bringt natürlich dann auch ein Publikum mit und mögliche Käufer. Für den Kunden sind solche Personen dann natürlich auch im Marktwert teurer, weil sie mehr Kaufkraft besitzen. 

„Soziale Medien bringen aber sicher auch ihre Schattenseiten mit sich. Der Tod von Kasia Lenhardt hat vor Kurzem eine Debatte über Cybermobbing ausgelöst. Auch du hast dich dazu auf Instagram geäußert. Was glaubst du, welchen Einfluss haben soziale Medien auf Mobbing und wie kann oder sollte dagegen vorgegangen werden?“ 

Fata:
Ich habe mich nicht dazu geäußert, dass ihr Fall Cybermobbing geschuldet war. Ich denke, das ist wieder eine Schattenseite von Social Media. Wir dürfen nichts verbreiten oder mutmaßen von dem wir nichts wissen. Das ist eine heikle Angelegenheit, die ich nicht beurteilen kann. Nichtsdestotrotz ist – unabhängig von diesem unfassbar tragischem Fall – Cybermobbing ein großes Thema. Ich glaube, viele Eltern bringen ihren Kindern den Umgang mit sozialen Medien nicht bei oder sie sind selbst Täter und mobben auch – wie sollen wir es dann unseren Kindern beibringen? 

Ich würde mir wünschen, dass es in der Schule Möglichkeiten gäbe, dahingehend aufzuklären. Ich weiß, dass die Schule nicht alles gut machen kann, was Eltern versemmeln. Aber soziale Medien sind so allgegenwärtig, dass man sie aus dem Alltag nicht mehr wegdenken kann. Jedes Kind kam schon mal in Berührung damit und sollte wissen, was es darf und was nicht. 

„Auch wenn sich langsam ein Wandel abzeichnet, ist die Modelbranche und auch Germany‘s Next Topmodel immer noch dafür bekannt, besonders große und schlanke Mädchen zu fördern. Wie prägt einen diese Erfahrung und wie bist du damals mit dem Druck umgegangen? Wie sieht es heute bei dir aus?“ 

Fata:
Mittlerweile entwickelt sich das Ganze in eine gute Richtung. Natürlich könnte man sich fragen: „Warum jetzt und warum nicht schon viel früher und warum springt man jetzt auf den Diversity Zug auf?“ Klar wird es immer Kritiker geben, die sich nie zufrieden geben und immer wieder den Vorwurf aufbringen, man mache dies wegen der Klicks. Aber ich sehe die Sache als solche: Wir haben nun einfach mehr Diversity – und das ist der Schritt in die richtige Richtung. Besser spät als nie. 

„Auf Instagram, YouTube und TikTok gibst du deinen Followern tiefe Einblicke in dein Leben. Wie sieht für dich denn ein perfekter Tag aus?“

Fata: 
Für mich ist ein perfekter Tag, wenn Personen mit mir interagieren. Wenn sie schreiben und etwas lustig finden oder einfach happy sind mit meinem Content. Es ist schön, Menschen zu unterhalten oder ihnen Inspiration zu bieten. 

„Wie planst du die Inhalte für deine Social Media-Aktivitäten und wie entscheidest du, welche Einblicke du deinen Followern gibst?“

Fata:
Ich plane nicht wirklich viel. Wenn es sich gut anfühlt dann mache ich das. Ich rede so viel, da wird schon für jeden was dabei sein. Ich versuche einfach meinen Tag so gut es geht zusammenzufassen und zu zeigen. Planen tue ich die Farben, die Ausschnitte und die Shootings, Outfits usw. Dafür nehme ich mir dann natürlich Zeit und will, dass es einen schönen Gesamteindruck schafft. 

„Du hast auf deiner Instagramseite den #MusicMonday eingeführt. Dort postest du jeden Montag ein Foto, auf dem du wie eine bekannte Sängerin gestylt bist. Es waren zum Beispiel schon Adele, Shakira oder Billie Eilish dabei. Wie bist du auf diese Idee gekommen und welche Rolle spielt Musik in deinem Privatleben?“ 

Fata:
Ich wollte einen Wiedererkennungswert schaffen. Etwas, was man sich merkt und wo Menschen sagen: „Ah, das ist doch die eine, die immer montags so Looks nachschminkt!“ Kreativität und Fleiß zahlen sich aus auf Social Media. Ich schminke einfach sehr gerne und wollte etwas besonderes draus machen. Wirklich musikalisch bin ich leider nicht. Ich nehme Gesangsunterricht, bin aber keine Sängerin. Ich mache das einfach als Hobby und für mich. Instrumente spielen habe ich in der Kindheit aufgegeben. Ich hatte mir eine Gitarre gekauft, die irgendwann in der Ecke verstaubt ist. 

Bildquelle: Foto von Fata Hasanovic via Instagram

„Du beschäftigst dich vor allem auch mit den Themen Reisen, Beauty und Fashion. Reisen ist aktuell leider kaum möglich. Auf welche Reise freust du dich nach Corona und welche Reise hat dir bisher besonders gut gefallen und warum?“ 

Fata:
Ich habe das Glück, dass ich seit Januar 2020 in Dubai lebe. Hier fühlt sich jeder Tag an wie Urlaub. Ich wusste bei meiner Auswanderung nicht, was mich dann erwartet. Wir saßen dann erstmal wochenlang zuhause. Deswegen genieße ich es umso mehr mal in die Wüste zu fahren oder an den Strand. Sonne ist für mich einfach immer Urlaub – egal wo. 

„Wo siehst du dich in fünf Jahren? Auf welche Projekte von dir können wir uns freuen und was würdest du persönlich gerne noch erreichen?“

Fata:
Ich glaube, ich habe noch nie geteilt was ich vor habe. Die Erwartungshaltung ist dann einfach zu groß und der Druck wächst. Ich bin hinter der Kamera an einigen Dingen dran und arbeite viel. In fünf Jahren will ich eine Familie gegründet haben und meine eigene Brand haben. 

Zum Abschluss noch eine schnelle Fragerunde:

„Instagram oder TikTok?“ 

Fata:
Instagram.

„Sommer oder Winter?“ 

Fata:
Sommmmmmmmer!!!!

„Filme oder Serien?“ 

Fata:
Filme. 

„Drei Beauty-Tipps?“ 

Fata:
Wenn man etwas nicht kann, dann üben üben üben. Gute Produkte kaufen, gute Pinsel kaufen und Tutorials anschauen, da lernt man das meiste. Es steht einem so viel kostenloser Content zur Verfügung. So habe auch ich gelernt zu schminken. 

„Das Positivste an deinem Job?“ 

Fata:
Die Freiheit. 

„Das Negativste an deinem Job?“ 

Fata:
Die Missgunst. 

„Dein Lieblingsurlaubsziel?“ 

Fata:
Mexico – Tulum. 

„Drei Worte, die dich am besten beschreiben?“ 

Fata:
Lustig, emphatisch, empfindlich 

„Dein persönliches Karrierehighlight?“ 

Fata:
Die Reise nach New York mit Bobbi Brown war unfassbar schön. 

„Drei Tipps, um den Traum von der Model- oder Influencerkarriere zu verwirklichen?“ 

Fata:
Hartnäckig sein! 
Ich habe sieben Jahre fast kostenlos Shootings gemacht, konnte davon nicht leben, stand halbnackt in der Kälte, hatte teilweise stundenlang Hunger und und und. Es ist kein leichtes Business – nach sieben Jahren hatte ich dann endlich mein Riesensprungbrett und konnte von diesem Job leben. Erfolg fällt einem nicht in die Hände. Es ist harte Arbeit, Schweiß, Tränen, Breakdowns und ein Auf und Ab. 

Nicht aufgeben! 
Fehler machen und hinfallen passiert jedem. Ich glaube, viele geben schon bei dem kleinsten Gegenwind auf, weil es zu hart ist – egal in welcher Branche. Wer weiter kommen möchte, muss aus seiner Komfortzone raus. 

Weniger Meckern! 
Ich habe schon alle möglichen Jobs gemacht, teilweise nichts verdient, oder echt einen Lohn bekommen, von dem man sich nichts wirklich gönnen konnte. Für mich stand aber immer fest: Erst arbeiten, dann gönnen. Ich habe so diszipliniert mein Geld immer zur Seite gelegt und eben jahrelang auf schöne Dinge verzichtet, damit ich sie mir irgendwann dann erfüllen kann. Mein größter Tipp ist: Nicht über den Verhältnissen leben und nach links und rechts schauen. 

Ich sage das nicht, weil ich die „reiche Influencerin von nebenan“ bin, sondern weil ich Kind einer alleinerziehenden Zweifach-Mutter bin, die aus einem Krieg geflohen ist. Ich kann Bände davon sprechen, wie es ist, in der „Unterschicht“ zu leben. Ich habe mein Leben jedoch nie als wertlos angesehen oder chancenlos. Mein gesundes Mindset hat mich weitergebracht. Der Wille, mehr zu erreichen und nicht über meine Lage zu meckern. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen, deshalb habe ich mich auf mich konzentriert und nicht darauf, wie gut es anderen geht. 

Vielen Dank für deine Zeit.