Bilanzielle Behandlung von immateriellen Vermögensgegenständen

Jede Person, die sich im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn mit dem Thema Rechnungswesen beschäftigt, weiß, dass jedes Ereignis, in dem Geld oder materielle Güter in Form eines Geldwertes verschoben wird, bilanziell zu erfassen ist. Dies geschieht in der Regel in Form eines Buchungssatzes. Ebenso müssen auch immaterielle Vermögensgegenstände entsprechend verbucht werden. Unter Umständen kann es hier zu einigen Komplikationen kommen.

In diesem Beitrag erfährst Du, was bei immateriellen Vermögensgegenständen zu beachten ist und wie diese korrekt verbucht werden.

Was sind typische immaterielle Vermögensgegenstände?

Im Bilanz- und Steuerrecht sind Erzeugnisse, die physisch nicht existieren, als immaterielle Vermögensgegenstände definiert. Meist sind diese im Anlagevermögen aufzufinden, da sie länger im Unternehmen verweilen. Typische Beispiele sind Patente, Geschäfts- und Firmenwerte sowie Lizenzen. Ebenso zählt insbesondere auch Software zu den immateriellen Vermögensgegenständen.

Bilanzielle Aktivierung

Gucken wir uns nun zuerst die rechtlichen Gegebenheiten aus bilanzieller Sicht an. Um zu verstehen, welche Vermögensgegenstände aktivierbar, also bilanziell zu berücksichtigen sind, teilt man diese in zwei Gruppen ein. In Gruppe eins gelangen sämtliche selbst erschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände. Die andere wiederum beinhaltet alle von dritten erworbenen Lizenzen, Rechte oder Ähnliches. Die bilanzielle Behandlung von solchen Gütern wird im Handelsgesetzbuch geregelt. Grundsätzlich gilt für alle selbst erschaffenen immateriellen Wirtschaftsgüter ein Aktivierungsverbot. Dementsprechend sind beispielsweise selbst erschaffene Softwarepatente von Microsoft nicht in dessen Bilanz zu berücksichtigen.

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Für von Dritten erworbene immaterielle Vermögensgegenstände gilt indes ein Aktivierungswahlrecht. Dies bedeutet, dass sich ein Unternehmen aussuchen kann, ob diese Art von Wirtschaftsgütern bilanziell zu berücksichtigen sind oder nicht. Wichtig: Entscheidet sich ein Unternehmen für die Aktivierung, so gilt dies für alle selbst erschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände. Zu bilanzieren ist also nach dem Motto „alles oder nichts“.

Des Weiteren gibt es immaterielle Vermögensgegenstände, die zwingend aktiviert werden müssen. Dazu zählen sämtliche selbstständig verkehrsfähigen Vermögensgegenstände, die von Dritten erworben wurden. Da diese Güter einen eigenen Cashflow generieren, führt kein Weg an der Aktivierung vorbei.

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Bewertung von immateriellen Vermögensgegenständen

Nehmen wir an, es besteht ein immaterieller Vermögensgegenstand, welcher nun in die Bilanz einzuführen ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt stellt sich die Frage nach dem Wert dieses Gutes. Mithilfe des Handelsgesetzbuchs lässt sich diese eindeutig beantworten. Es gilt in Deutschland das sogenannte „strenge Niederstwertprinzip“. Dieses besagt, dass Vermögensgegenstände höchstens mit ihren Anschaffungs- oder Herstellkosten anzusetzen sind.

Nehmen wir an, unser immaterielles Wirtschaftsgut hat Anschaffungskosten in Höhe von 10.000 Euro verursacht. Bei der bilanziellen Einführung darf der Wert dieses Gutes den Betrag von 10.000 Euro nicht überschreiten. Zudem kommt eine jährliche Abschreibung in Abzug. Solange der immaterielle Vermögensgegenstand keine spezifische Nutzungsdauer hat und auch nicht in der Afa-Liste wiederzufinden ist, schreibt das Unternehmen dieses immaterielle Gut über 10 Jahre linear ab. Bei geringwertigen Wirtschaftsgütern darf dieses bei Bedarf im Anschaffungsjahr komplett abgeschrieben werden. Durch das strenge Niederstwertprinzip sind immaterielle Vermögensgegenstände nicht selten mit einem wesentlich geringeren Wert berücksichtigt, als es in Wirklichkeit Wert ist. Um beim Beispiel zu bleiben, erwirtschaftet das Wirtschaftsgut einen Verkaufserlös von 50.000 Euro, obwohl es nur mit Anschaffungskosten in Höhe von 10.000 Euro bilanziell berücksichtigt ist.

Fazit

Bei der Behandlung von immateriellen Vermögensgegenständen stoßen Buchhalter regelmäßig auf Hindernisse. Meistens lassen sich diese allerdings mit einschlägigem Know-how schnell überwinden. Sollte man dennoch unsicher über die richtige Aktivierung dieser Güter sein, helfen Steuerberater bei der Lösung solcher Probleme. Sie sind Experten in ihrem Gebiet und können individuell empfehlen, ob die Nutzung des Bilanzierungswahlrechts Sinn macht und übernehmen die Aktivierung bei Bedarf sogar für das Unternehmen.