Macht Zocken klüger?

In diesem Beitrag erklären wir dir, ob das regelmäßige Spielen von Games dich klüger macht oder ob es doch nur ein Mythos ist. Forscher haben die kognitiven Fähigkeiten von Computerspielern mit Nicht-Spielern verglichen. Resultat: Zocken scheint klüger zu machen.

Laut einer neuen Studie von Forschern der Ruhr-Universität Bochum lernen Computerspieler schneller als die, die keine Computerspiele spielen. Demnach schnitten die Computerspieler im Vergleich mit den Nicht-Spielern bei den Tests der Studie signifikant besser ab und zeigten währenddessen eine höhere Aktivität in einem lernrelevanten Hirnbereich, dem Hippocampus.

Der Hippocampus (Plural Hippocampi) ist ein Teil des Gehirns, genauer: des erstmals bei Reptilien auftretenden Archicortex. Er befindet sich am inneren Rand des Temporallappens und ist eine zentrale Schaltstation des limbischen Systems.

Unsere Studie zeigt, dass Videospieler besser darin sind, Situationen schnell zu erfassen, neues Wissen zu generieren und Wissen zu kategorisieren und das vor allem in Situationen mit hoher Unsicherheit“, sagt Forscherin Sabrina Schenk.

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Das Spielen trainiert lernrelevante Hirnregionen

Für die Studie ließ sie zusammen mit den Neuropsychologen Prof. Dr. Boris Suchan und Robert Lech 17 Freiwillige, die laut eigenen Angaben mehr als 15 Stunden pro Woche actionbasierte Spiele auf dem Computer oder an der Spielekonsole spielen, gegen ebenso viele Nicht-Spieler antreten.

Beide Gruppen absolvierten den so genannten Wettervorhersagetest – ein etablierter Test, der das Lernen von Wahrscheinlichkeiten erfasst. Gleichzeitig zeichneten die Forscher die Hirnaktivität der Teilnehmer mit der Magnet-Resonanz-Tomografie auf.

Wir glauben, dass Videospiele bestimmte Gehirnregionen wie den Hippocampus trainieren“, sagt Schenk. Und das sei nicht nur für junge Menschen interessant: „Im Alter führen Veränderungen im Hippocampus dazu, dass die Gedächtnisleistung nachlässt. Vielleicht könnte man das in Zukunft mit Videospielen therapieren.

So lässt sich vermuten, dass ein richtiges Maß and Videospielen gegen Alzheimer helfen könnte und den Vorgang des Hirnabbaus verlangsamt.

Freifahrtschein für stundenlanges Zocken?

Weit gefehlt, denn die richtige Mischung ist entscheidend. Die Studie bezieht sich auf Probanden, die im Schnitt 15 Stunden oder mehr in der Woche spielen. So können zwei bis drei Stunden am Tag fördernd sein. Das Ausmaß von konstanter Belastung durch Games wurde in dieser Studie mit Hinsicht auf dem positiven Effekt auf den Hippocampus nicht getestet.

Wir vermuten aber, dass ein permanentes Zocken nicht förderlich sein wird und die gelegentliche Belastung der ausschlaggebende Punkt in diesem Test ist.

Ein wichtiger anderer Punkt: Diejenigen, die beim Spielen große Freude und Spaß empfinden, erzielen noch bessere Resultate. Dort wurden noch größere Veränderungen im Gehirn festgestellt.

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Welche Games eignen sich gut?

Diese Frage kann man so pauschal nicht beantworten, denn es gibt mehrere Faktoren die fördernd sind. Zu einem eignen sich Spiele mit besonders strategischen Elementen gut, da sie dem Spieler meist viel abverlangen, um an den Sieg zu kommen. So kann ein beliebtes Strategiespiel wie zum Beispiel League of Legends nicht in einem Tag erlernt werden.

Spiele, die viel mit räumlichem Denken zu tun haben, wirken sich ebenfalls sehr positiv auf den Hippocampus aus – ebenso wie Spiele, die viele Informationen brauchen, um darin gut zu sein.

Das Computerprojekt Köln, der Spieleratgeber NRW und der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels bietet zum Beispiel Eltern eine kleine Orientierungshilfe. Er vergibt jedes Jahr das Gütesiegel „pädagogisch wertvoll“ an Spiele, die beispielsweise logisches Denken, Kreativität oder die spielerische Erlernung moralisch sinnvoller Werte fördern. Und natürlich wird bei der Bewertung auch darauf geachtet, dass Spaß und Spannung nicht zu kurz kommen.

Wie man sieht, kann zocken im richtigen Maß und mit den richtigen Spielen den Spieler durchaus klüger machen. Also scheue dich nicht, ab und an mal eine Runde mit deinen Freunden oder alleine zu spielen, um dein Gehirn fit zu halten – denn nicht nur der Körper, sondern auch dein Gehirn braucht hin und wieder mal etwas Training um fit zu bleiben.