Ein exklusives Interview mit Udo Bönstrup

Willkommen zu dem Interview mit Udo Bönstrup. Hendrik Nitsch ist der Erfinder dieser Kunstfigur und hat diese durch eine spontane Aktion ins Leben gerufen. Wir waren sehr an seiner Geschichte interessiert und haben dazu ein paar Fragen gestellt.

Hier könnt ihr euch das Interview anhören!

Das Interview:

Herzlich willkommen Udo, zu unserem kleinen Interview.

Udo:
Ich heiße euch ja herzlich willkommen.

Danke auf jeden Fall, dass du dir die Zeit genommen hast heute für das Interview.

Udo:
Ein bisschen später, aber…

Ja, ein bisschen.

Udo:
Mein Gott, ein bisschen Schwund ist immer da.

Wir haben ein paar Fragen vorbereitet und die würden wir dir jetzt einfach mal stellen, in einem ganz lockeren und offenen Gespräch. Zum Thema Udo: Udo ist ja eine Kunstfigur. Wo hat sie denn den Ursprung? Also wie kamst du auf die Idee?

Udo:
Die Idee ist entstanden, als ich das letzte Mal so richtig gesoffen habe. Da hat ein Kumpel mich heimlich unterm Küchentisch gefilmt und das Video einfach bei Facebook hochgeladen. Es ging dann viral und alle fanden diese Rentnerrolle ganz witzig. Aber ich hatte ja kein Kostüm zu der Zeit, also brauchte ich einen Namen, den man irgendwie mit einem Rentner in Verbindung bringt. Und das war dann eben „Udo„. Also, ich habe ursprünglich mit der Rolle „Udo“ immer als alter, westfälischer Rentner gesprochen.

Spannend. Hat es lange gedauert, die Rolle noch weiterzuentwickeln oder hast du von Anfang an gesagt: „Okay, das ist sie jetzt und bleibt für immer so.“?

Udo:
Ich habe sie nie weiterentwickelt. Ich bin irgendwann angefangen, nicht mehr so dämlich zu sprechen, weil es eben viele Leute nicht mehr verstanden haben. Es kam ein neues Publikum dazu. Die müssen sich erst einmal orientieren. „Warum spricht er jetzt so komisch?“ Deswegen bin ich dann irgendwann angefangen zu sprechen, so wie ich es jetzt auch tue.

Aber das ist ja dann eine Entwicklung.

Udo:
Ja.

Gibt’s eine bestimmte Intention, warum du diese Figur entwickelt hast oder ins Leben gerufen hast?

Udo:
Nein, eine Intention gibt’s dafür nicht. Du kannst mit so einer Rolle viel spielen. Du kannst satirisch viel verarbeiten, was du sonst vielleicht als Privatperson nicht könntest oder auch nicht sagen könntest. Zum Beispiel, dass ich Louisa Dellert scheiße finde. Als Kunstfigur kann ich das sagen.

Dann können wir das ja drin lassen. War es denn von Anfang an auch dein Ziel? Oder hast du damit gerechnet, so erfolgreich zu werden mit Udo?

Udo:
Was kommt, kannst du ja nie voraussehen und ich bin ja eigentlich nur ein relativ kleines Licht, wenn man das über den Zeitraum mit anderen Leuten vergleicht. Wie lange mache ich das jetzt? Seit fast sieben Jahren. Ja, sieben Jahre jetzt. Dann bin ich da noch relativ klein im Vergleich zu anderen, und ja. Das, was ich so mit der Zeit aufgebaut habe, ist jetzt da. Hätte ich „Titten und Arsch“ und würde mich im Bikini präsentieren, würde die Nummer schon wieder ganz anders aussehen, Lukas.

Dazu sage ich jetzt lieber nichts.

Udo:
Besser ist es.

Bildquelle: Foto von Udo Bönstrup via Instagram

Was meinst du, schätzen deine Follower an Udo denn am meisten?

Udo:
Die ehrliche und direkte Art.

Hast du Vorbilder oder Leute, die dich inspirieren oder vielleicht auch mit hochgezogen haben?

Udo:
Früher ganz extrem Oliver Pocher. Mittlerweile ist es Dieter Nuhr, aber auch viele andere Comedians, die offen und ehrlich ihre Meinung satirisch preisgeben.

Dieter Nuhr steht ja immer so ein bisschen in letzter Zeit in der Kritik.

Udo:
Zu Recht auch, weil Dieter Nuhr Themen anspricht, die bei irgendwem immer einen wunden Punkt treffen. Leute finden das immer nur so lange witzig, bis sie selbst betroffen sind. Sei es Veganer oder sei es eine Feministin oder was weiß ich. Irgendwer fühlt sich immer diskriminiert durch einen Comedian. Und dann gibt’s auch immer Kritik.

Findest du, Instagram bietet eine wertvolle Plattform für Comedians?

Udo:
Teilweise, weil du eine extrem große Reichweite hast, die du da erreichst, wenn du nicht eingeschränkt bist. Andererseits teilst du dir Instagram auch mit „Hobby-Prostituierten“, und ja. Instagram ist ja eigentlich „only Fans„, nur noch eine Stufe darunter. Also ich weiß nicht. Manchmal tauche ich einfach zwischen zwei so großen Titten auf und denke mir dann: „Gehört das jetzt hier hin oder gibt’s vielleicht noch eine Alternative?
Aber es gibt aktuell keine Alternative. Deswegen bleibt man eben bei Instagram. Und Instagram löscht und sperrt sehr, sehr viel. Gerade bei mir. Die haben mich extrem auf dem Kieker. Manchmal auch einfach unangebracht und manchmal auch rechtswidrig. Aber damit muss man einfach leben.

Das stimmt, das kann man ja auch oft in deiner Story sehen. Da postest du ja dann auch oft Beiträge, die dann wahrscheinlich nicht dahin gehören sollten, aber die trotzdem nicht gesperrt werden.

Udo:
Das stimmt.

Entwickelst du Konzepte für deine Inhalte, die du auf den sozialen Medien veröffentlichst oder ist das fast alles spontan?

Udo:
Nee, das habe ich auch noch nie. Es ist immer spontan. Konzepte habe ich noch nie entwickelt. So Ideen wie „Julia Pimmelfrickel“ fallen mir dann situationsbedingt ein. Wenn ich gerade Stress mit Louisa Dellert habe, dann wird daraus mal eine Rolle und zwar „Julia Pimmelfrickel„. Ich habe mich dann von Louisa Dellert inspirieren lassen.

Okay, cool. Wie hat sich deine Karriere denn sowohl im Umgang mit den sozialen Medien als auch persönlich entwickelt? Vielleicht von den Anfängen bis jetzt?

Udo:
Früher war ich da und habe den Leuten eine Freundschaftsanfrage bei Facebook geschickt, die ich auf irgendwelchen Partys getroffen habe. Heute ist es reines Business geworden, also soziale Medien. Ich merke ja, wie oft ich am Handy hänge und was da so passiert. Im sozialen Umfeld hat sich auch viel getan.
Den Freundeskreis, den ich damals hatte, habe ich gar nicht mehr. Mittlerweile sind es wirklich nur noch Freunde, die auch selber in der Öffentlichkeit stehen. Das ergibt sich irgendwie mit der Zeit. Man lebt sich auseinander, man hat unterschiedliche Weltansichten, man hat unterschiedliche Ziele. Deswegen trennen sich da oft irgendwelche Wege.

Bildquelle: Foto von Udo Bönstrup via Instagram

Stört dich das? Oder trifft dich das?

Udo:
Anfangs hat mich das sehr getroffen, weil ich dann immer wieder gesehen habe: „Okay, da ist jetzt irgendwer, dem nicht gefällt, was ich mache. Oder vielleicht ist sogar irgendwer dabei, dem es nicht passt, dass ich jetzt auf dem Weg nach oben bin. Und er steht immer noch da.“ Und das trifft bei vielen einen wunden Punkt. Das ist auch heute noch so, wenn ich irgendetwas sage.
Da kann ich ein Beispiel zuletzt nennen, wo ich über die Umweltpolitik gesprochen habe. Da sind viele nicht meiner Meinung. Auch aus meinem privaten Umfeld, das neue Schlussmachen ist ja einfach „Unfollown“ und einfach ein Entfolgen, dann ist das Thema durch.

Du machst ja oft auch Witze über andere Influencer. Weil du ja eigentlich auch ein Influencer bist: Was würdest du sagen unterscheidet dich denn von den anderen Influencern?

Udo:
Dass ich mich nicht in eine hautenge Oceans-Apart-Leggins drücke, mir kein Pomélo in die Haare schmiere und auch kein Banana-Beauty und auch keine Tiefkühlkost zum Aufwärmen, um in den Tag zu starten. Das gibt’s bei mir nicht. Influencer verkaufen, ich unterhalte. So, Punkt.

Hast du vielleicht ein paar Tipps für junge Menschen, die auch mehr in Richtung „Comedy“ machen wollen, vielleicht auch in Kombination mit dem Thema Social-Media?

Udo:
Also wer Influencer werden möchte oder Influencerin, der zieht sich einfach aus. Ihr fangt langsam an, einfach mal mit einem leichten, schönen Bild im Top. Das bringt euch so 200 bis 300 Follower, aber dann müsst ihr auch ein bisschen mehr Haut zeigen. Und vielleicht geht’s dann direkt straight in die Karriere des Influencers. Für Comedy-Leute habe ich leider keine Tipps, weil ihr einfach eine Lücke finden müsst, die ihr zu füllen habt. Und das was es schon gibt, kommt meistens nicht gut an. Also findet irgendetwas, das es noch nicht gibt. Passt das so?

Das klingt doch sehr gut. Du wurdest ja schon wirklich über die sozialen Medien bekannt. Gäbe es noch einen anderen Weg, den du dir hättest vorstellen können, so in Richtung Stand-up-Comedy?

Udo:
Das klassische Fernsehen oder Stand-up-Comedy, klar. Aber ich bin bei Social-Media gelandet und ich glaube, da kommt man auch nicht mehr so schnell weg. Die Statistiken zeigen ja auch, dass alle Leute, die du irgendwie aus dem Internet ins Fernsehen holst, meistens nicht funktionieren. Bis auf Knossi aktuell. Deswegen denke ich, das Internet bleibt erst einmal.

Hast du denn trotzdem schon irgendwelche Erfahrungen in diese Richtung sammeln können?

Udo:
Na ja, beschissene Erfahrungen. Deswegen habe ich die Frage so ein bisschen umgangen.

Dann hake ich trotzdem gerne noch einmal nach. Möchtest du die Geschichte erzählen?

Udo:
Ich hatte damals ein Management. Wenn man gerade jung ist und wenn man gerade erfolgreich ist, dann meint man, man bräuchte unbedingt ein Management, was aber absoluter Schwachsinn ist. Ich habe bis heute kein Management und dieses Management hat mich natürlich auf Comedy-Tour gezwungen.
Und dafür brauchte ich auch ein Stand-up-Programm, was ein Comedy-Autor geschrieben hat. Das habe ich mir zwei Mal durchgelesen, wusste ungefähr worum es geht und dann haben die mich auf die komische Nacht in Oldenburg geschickt.

Du musst dir vorstellen, da kam der ganze Rosenhof zusammen. Alle naheliegenden Altenheime. Die wollten mal ein bisschen rauskommen und unterhalten werden. Und da musst du dir vorstellen, dann kommt da so ein junger Vollhorst wie ich rein, der spricht wie ein Rentner und sich jeder fragt: „Was ist das für ein Tickmann?
Und dann sitzen sie da und essen und dann kommen in meinem Programm Wörter hervor wie (…) oder (…) oder was weiß ich. Und das kam dann nicht so gut an in dem Moment. Und das war mein erster und mein letzter Auftritt. Seitdem habe ich es nie mehr probiert und mich auch nicht mehr getraut.

Weißt du, ob es irgendwelche Videoaufnahmen davon gibt?

Udo:
Weiß ich nicht. Will ich auch gar nicht wissen. Da müsste man Arun fragen, der hat bestimmt noch welche.

Müsste man sich mal anschauen. Gut, dann vielleicht noch ein paar Worte zu deiner Zukunftsplanung. Gibt es da irgendwelche coolen, spannenden Projekte, die da bald anstehen?

Udo:
Als Influencer wird es höchste Zeit, da noch ein Kind zu bekommen. Einfach reinhalten und wegschießen. Und das Kind vermarkten.

Also gibt’s irgendwelche Projekte, die da anstehen?

Udo:
Ja, aber das kann ich dir unter vier Augen mal erzählen.

Auch wieder etwas in Richtung „Promi Big Brother“?

Udo:
Nee.

Okay, cool. Dann bedanke ich mich recht herzlich für deine Zeit.

Udo:
Wir müssen noch kurz auf meine Securitys warten, dass ich auch gleich sicher rauskomme.

Das kriegen wir hin.

Super!


Dies war das Interview mit Hendrik Nitsch, bekannt als Udo Bönstrup. Die Redaktion von Pipeline bedankt sich herzlich für das Interview mit Udo Bönstrup! Sein spontaner Aufstieg in den sozialen Medien und sein ungewöhnlicher Werdegang machen ihn und seine Geschichte zu einem wirklich interessanten Thema!