Interview mit den Investmentbabos

Hallo, liebe pipeline Leser. Willkommen zu dem Interview mit den Investmentbabos. Die beiden Herren Michael Duarte und Endrit Cela sind vor allem bekannt für ihren Podcast, der auf Deezer, Apple Music, Spotify, podcast.com sowie auf ihrer eigenen Internetseite Investmentbabos.com verfügbar ist. Und nun zum Interview.

Du kannst Dir dieses Interview ebenfalls anhören:

Hallo Michael und hallo Endrit,

Zuallererst und sehr interessant für unsere Leser ist euer Werdegang. Wer seid ihr beiden und was macht ihr?

Michael 

Mein Name ist Michael Duarte, ich bin ein kölscher Portugiese und ich habe den Investmentbabo mehr oder minder erfunden. Eigentlich habe ich den klassischen Werdegang hingelegt: ich habe an der Uni Köln Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Investments studiert und habe nach meinem Studium irgendwann Finanzberater ausgebildet. Schwerpunktmäßig im Bereich „Investment“ habe ich dieses ganze Thema von der Pike auf aufgenommen und als ich in der Ausbildungsphase war, hat es mich immer geärgert, dass in der Finanzbranche vieles incentiviert wird, aber nicht das Wissen an sich. Es gibt immer irgendwelche Preise und tolle Ausschreibungen für Dinge, aber es gibt ganz selten Projekte, die wirklich nur ums Wissen gehen – einfach, dass Leute wirklich wertgeschätzt werden, die einfach fit sind.

So kam es, dass ich in Meetings – oft, dass wenn sich beispielsweise irgendwelche Berater ein bisschen mit mir angelegt haben – auf einer fachlichen Ebene gerne gesagt habe: „Legt euch nicht mit dem Babo an!“. So kam ich auf die Idee, dass wir etwas tun müssen, woraus wir wirklich so ein Spiel/Quiz/Incentive machen, sodass sich die Leute fachlich weiterbilden. Und damals habe ich dann tatsächlich die Firma „Rouvier“ angesprochen. Das ist mein jetziger Arbeitgeber – sie heißt jetzt zwar „Clartan”, aber das ist die genannte Firma. Ich habe meinen heutigen Chef angesprochen und gesagt: „Ich habe da so eine Idee: ich möchte deutschlandweit ein Quiz machen, bei dem ich allen online dieselben Fragen stelle und dann möchte ich die zehn fittesten Berater nach Paris zu euch in die Firma einladen, wo das Finale gespielt wird.“

Der Gewinner wird dann der Investmentbabo 2016, 17, 18 und so weiter. So ist die Idee „Investmentbabo“ geboren. Dass wir daraus tatsächlich so ein Quiz gemacht haben, kam extrem gut an. Ich habe im ersten Jahr mit über 1.000 Menschen gespielt und das Schöne daran ist: so ticken die Menschen. Das ist dieses spielerische Element. Man will besser sein als die anderen. Und auf diese Weise kann man den Durchschnittswert pro Büro oder einen Durchschnittswert pro Company errechnen, und alle wollen wissen: Ist mein Büro fitter als das andere Büro? Und so ist das Ganze eigentlich geboren. Es kam auch dazu, dass ich zu Rouvier gewechselt bin, wo ich wiederum Endrit kennengelernt habe. Unsere Firmen haben eigentlich nichts miteinander zu tun, außer dass wir relativ viel auf ähnlichen Events unterwegs sind. Eigentlich sind wir sogar Konkurrenten, wenn man so sagen möchte, denn ich bin Sales Direktor und Endrit ist Relationship Manager. Die Firmen sind aber befreundet und deshalb habe ich Endrit gefragt: „Hör mal, ich mache dieses Investmentbabo-Quiz-Ding, wollt ihr da nicht einfach mitmachen?“ So kam es dazu, dass wir miteinander gearbeitet haben. Der Investmentbabo war also erstmal nur ein Quiz. Dann kam Endrit dazu und ich glaube dann passt das, dass Endrit nun seinen Werdegang darstellt, weil er im Gegensatz zu mir ein Quereinsteiger ist, kann man sagen.

Endrit

Ja das ist ein gutes Stichwort: Quereinsteiger. Und dazu komme ich auch gleich. Ich bin albanischer, amerikanischer Deutscher sozusagen. Ich bin in Albanien geboren, in Amerika aufgewachsen und lebe jetzt seit 13 Jahren in Deutschland, also auch mit der Sprache funktioniert das ziemlich gut. Das Thema „Investment“ hat bei mir relativ früh angefangen, nämlich im Alter von 16 Jahren. Das ist jetzt nichts Spektakuläres, aber ich bin damals mit 16 Jahren mit meinem Vater zur Bank gegangen und habe in dem Alter meinen ersten PC mit meinem eigenen Geld gekauft und somit das Windows System für mich entdeckt und war davon begeistert. Dazu hat man so ein bisschen von Aktien gehört und ich hatte die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und habe die tollen Produkte benutzt, aber auch die Aktie gekauft. Das hat leider nicht so funktioniert, denn zwei Jahre später bin ich mit einem Verlust in der Finanzkrise ausgestiegen. Ich kenne das ganze Thema „Psychologie der Börse“ ziemlich gut, denn auch in meiner Kindheit in Albanien hat man schon sowas wie einen ponzi scheme erlebt. Zum Thema Quereinsteiger: Ich habe Politikwissenschaften in Deutschland studiert und später kam das Thema „Investment“ dazu. Es hat mit einem Praktikum vor acht Jahren angefangen.

Aktuell arbeite ich seit vier Jahren für die Share Holder Value Management AG – Michael hat es auch gesagt – wir sind befreundete Mitbewerber und haben Produkte, die nicht in Konkurrenz zueinanderstehen, aber wir sind Value Investoren. Bei Clartan eher im französischen Bereich, wir selbst agieren mehr im allgemeinen europäischen und im deutschen Bereich. Die Idee mit dem Investmentbabo hat auch vor meiner Zeit angefangen. Und jetzt, seit einem Jahr, haben wir die Idee mit dem Podcast und am 14. Februar, also am Valentinstag, werden wir unser Einjähriges feiern, an diesem Tag haben wir den ersten Podcast aufgenommen. Das funktioniert ganz gut, wir vermitteln Finanzwissen, womit auch zum Beispiel Finanzberater etwas anfangen können, aber auch die Privatanleger. Ich glaube, wir haben da mittlerweile ein breites Publikum und das funktioniert ganz gut und wir sind froh, dass es dazu gekommen ist, dass wir so eine große Reichweite haben. Wir haben noch viel vor und freuen uns natürlich auf die Zusammenarbeit mit euch mit pipeline. 

Bildquelle: Foto von Investmentbabos.com

Euer Werdegang klingt sehr interessant. Was uns dazu ebenfalls interessiert: Hattet ihr beiden denn auf eurem Weg in der Entwicklung eures Podcasts irgendwelche Rückschläge, die ihr verkraften musstet oder gab es Hürden, die ihr überwinden musstet?

Endrit 

Klar. Wir haben am 14 Februar damit angefangen, in Berlin auf einer gemeinsamen Veranstaltung den ersten Podcast im Hotelzimmer aufzunehmen. Damals gab es ja auch noch physische Veranstaltungen, wir konnten uns trotzdem treffen und machten einen Podcast und redeten einfach miteinander. Die größte Herausforderung anfangs war es, mit den technischen Sachen zurechtzukommen. Wir haben uns mit entsprechenden Mischpulten und Mikrofonen ausgestattet und das ist ein Prozess gewesen, ein bisschen Learning by Doing. Denn wir sind keine Profi-Podcaster, aber wir haben etwas zu erzählen und das ist das, was zählt. Man hat etwas zu erzählen und zu berichten, und wir haben eine gewisse Dynamik zwischen uns beiden. Unser Podcast ist eine Unterhaltung zu bestimmten Themen, es ist nicht gescriptet und deshalb weichen wir auch gerne mal ab. Aber am Ende des Tages kommen wir wieder auf den Punkt und ich denke das kommt ziemlich gut an.

Gut, dass ihr die Dynamik zwischen euch beiden ansprecht, denn wir wollen ja auch in Zukunft auf pipeline Content von euch hochladen. Habt ihr für unsere Leser ein paar Tipps in der Corona Krise? 

Michael 

Tipp eins: Immer die Ruhe bewahren. Wenn man aus Überzeugung kauft und weiß, was man hat, gibt es auch keinen Grund zur Panik. Wir kommunizieren mit unserer Community viel über Instagram und ich habe mitten in der Krise gesagt: „Liebe Leute, ihr müsst euch das so vorstellen: wenn ihr eine Pizzeria habt, die hervorragend läuft und ihr sie dann für drei Monate schließen müsst, tut dies zwar weh, aber eure Pizzeria verliert danach ja nicht die Hälfte an Wert. Also entspannt euch, denn das beruhigt sich auch wieder.“ Und so ist es dann tatsächlich auch gekommen: die Märkte haben sich wieder beruhigt. Natürlich, wenn ich total spekulativ unterwegs bin und irgendwelche monsterheißen Tipps hatte, dann kann so etwas in die Hose gehen. Aber wenn ich auf die Zeit achte (ich sollte Gelder sowieso nur in Aktien investieren, die mindestens zehn Jahre liegen können), ich mich breit aufstelle und ein bisschen logisch an die Sache herangehe, kann eigentlich nichts schief gehen. Und das ist bei dieser Krise so gewesen, bei der Krise davor auch und das wird auch bei der nächsten Krise so sein. Wenn man sich nach ein paar Grundregeln richtet, wird man zumindest keinen groben Fehler machen. Es wird immer wieder passieren, dass man sich sagt: „Hätte ich doch lieber einen Monat später investiert oder vorher…“ Aber das tut alles nicht weh. Es wäre eine andere Sache, wenn ich so, wie im Januar letzten Jahres, einen Fall wie bei Wirecard hätte. Das muss aber jeder selbst entscheiden, denn das ist Spekulation. Dazu haben wir eine Folge namens „Spekulieren vs. Investieren„, in der wir darauf eingehen, was der Unterschied ist und wir wollen die Leute dazu animieren zu investieren und nicht zu spekulieren. Und dann tut so eine Krise auch nicht so weh, das ist unser Ziel. Deshalb ärgert uns dieses Gamestop-Ding. So spannend es auch ist, ärgert es uns, denn da werden so viele Leute weggedrückt. Dazu gibt es jetzt auch den Begriff „Gamification„. Sie denken, dass das Ganze ein Spiel ist. Investment ist: Ich beteilige mich an der Realwirtschaft, die seit 300 Jahren wächst, die auch die nächsten 100 Jahre wachsen wird und es gibt eigentlich auch gar keine Alternative, weil wir keine Zinsen bekommen.

Endrit 

Da kann ich nur hinzufügen, dass aus jeder Krise neue Chancen entstehen. Wir sind, wie gesagt, Value Investoren und ich spreche hier für beide Häuser: Value Investoren bedeutet, dass wir schon auf den Preis, den wir für eine Aktie zahlen, achten und es ist auch kein Geheimnis. Es ist ein offenes Geheimnis, dass wir aus solchen Krisen – wenn die Kurse massiv fallen – auch antizyklisch handeln, weil wir Liquiditätsreserven haben, wo wir sagen: „Jetzt lohnt es sich zuzuschlagen, um Positionen auszubauen“ und das haben wir getan. Seitdem haben sich unsere Produkte wunderbar entwickelt, und auch unsere Fonds haben sich vollständig erholt. Um es auf den Punkt zu bringen: antizyklisch handeln, nicht immer unbedingt dem Trend folgen. Im März haben wir die tiefsten Kurse gesehen, da haben manche Investoren zugeschlagen. Ich habe zum Beispiel bei Microsoft bei 132 Euro zugeschlagen und habe es nicht bereut, obwohl es der absolute Tiefkurs war. Es lohnt sich und ich kann es nicht oft genug sagen, antizyklisch zu denken. 

Das ist ein guter Punkt, den ihr genannt habt, dass ihr mehr Leute dazu bewegen wollt, zu investieren. Jetzt ist für unsere Leser natürlich interessant, wann man mit dem Investieren anfangen sollte. Habt ihr dazu einen Tipp?

Michael 

So früh wie möglich. Ich glaube, in der ersten oder zweiten Folge haben wir ein bisschen herum fantasiert und erklärt, warum, wieso und weshalb und da habe ich mich hinreißen lassen – und ich habe relativ viel Feedback dazu bekommen, zu sagen: Wäre ich ein Politiker, würde ich das Kindergeld um 100 Euro erhöhen, würde aber diese 100 Euro ab der Geburt in einen weltweiten ETF investieren. Die Leute hätten nicht die Möglichkeit vor dem 18. Lebensjahr auf das Geld zuzugreifen. Erst bei Volljährigkeit könnte es ausgeschüttet werden. Dann hätten wir mehrere Effekte: die jungen Leute würden erkennen, dass es Sinn macht, sie hätten vor allem einige Krisen miterlebt, hätten aber nach zehn Jahren gesehen, dass die Krisen langfristig gar nicht so weh tun. Denn historisch gesehen sind wir nach zwölf Jahren in Aktien immer im Plus gewesen, wenn wir gut aufgestellt waren. So haben wir eine Durchschnittsrendite von acht Prozent erwirtschaftet. Es ist die eine Sache, darüber zu reden und die andere Sache, dies zu spüren. Deshalb wäre das mein Vorschlag an die Politik. Übrigens, rein steuertechnisch würde da so viel bei herum kommen, dass es sich sicherlich sogar lohnen würde. Mir geht es eher um die Erfahrung, aber letztendlich ist die Aussage: So früh wie möglich anfangen. Hätten zum Beispiel meine Eltern ab meiner Geburt jeden Monat 30 oder 50 Euro in den DAX investiert, und ich hätte das durchgezogen, dann müsste ich nicht viel mehr machen. Bei über 67 Jahre bis zum Renteneintritt einen 50 Euro Sparplan, da kann sich jeder selbst ausrechnen, was dabei herumkommen würde. Dann hätten wir – wie Albert Einstein gesagt hat – das Wunder des Zinseszinseffektes live vor Augen und das unterschätzen wir immer wieder. Zu meiner Beratungszeit habe ich immer wieder gehört: „Ein Prozent mehr oder weniger auf 30 Jahre ist ja egal“. Und das ist genau das Törichte und Tödliche, denn ein Prozent auf 30 Jahre ist eine riesige Summe, wir spüren es nur nicht und deshalb sehen wir es alle nicht so dramatisch. Genau deshalb ist es so wichtig, eine vernünftige Rendite zu erzielen. Wir feilschen tatsächlich um die Kosten, wir wollen fünf Prozent Rabatt hier und zehn Prozent da. Aber 40 oder 50 Jahre ein Prozent ist uns egal. Und da haben wir den Hebel: Es ist wichtig, dass wir das heraustragen und deshalb wiederholen wir das immer wieder, daher so früh wie möglich anfangen. Die meist gestellte Frage, die ich in meinem Leben gestellt bekommen habe: „Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zu investieren?“ Und ich antworte immer mit „Ja, jetzt ist ein guter Zeitpunkt zu investieren.“ Weil Zeit wichtiger als Zeitpunkt ist. Je mehr Zeit, desto besser. 

Endrit 

Eine Faustregel vom Zinseszinseffekt ist die 72er Regel: Wenn die Wertanlage mit acht Prozent wächst, hat sich nach neun Jahren dein Vermögen verdoppelt. Das ist eine ganz einfache Rechnung: Man nimmt immer die 72 geteilt durch die Rendite, also in dem Fall 72 geteilt durch acht, was neun ergibt. Also es ist eine wunderbare Sache, am Aktienmarkt unterwegs zu sein. Man könnte mit einem Sparplan anfangen. Auch wenn man sagt, dass die Aktienmärkte zu teuer sind, kann man trotzdem mit einem Sparplan anfangen. Und auch wenn wir mal einen Rücksetzer haben sollten, kriegen wir die gleichen Anteile, aber für weniger Geld und das ist eine wunderbare Sache. Und das mit dem Albert Einstein ist das achte Weltwunder! So sagen wir das in der Finanzbranche mit dem Zinseszinseffekt, und der ist gewaltig. Und das setze ich zum Beispiel schon um: Für meinen Neffen, der jetzt sechs wird und schon letztes Jahr zu seinem fünften Geburtstag einen Sparplan von mir geschenkt bekommen hat. Anfangs mit einer Summe von 500 Euro und jeden Monat kommen 50 Euro dazu. Er hat natürlich die Wahl, sich das Geld mit 18 auszahlen zu lassen. Ich hoffe aber, er lässt es bis zu seiner Rente liegen und geht dann locker in die Rente mit ein bis zwei Millionen Euro, und das wäre gar nicht so verkehrt. 

Das ist natürlich eine sehr gute Erklärung für unsere Leser, gerade aber im Corona-Crash haben sehr viele Unternehmen einen derben Rückschlag erlitten. Wie habt ihr beiden den Corona-Crash denn überstanden? 

Michael 

Erst einmal war Homeoffice angesagt. Wir sind eigentlich viel unterwegs und ich war erstaunt, wie schnell sich die Welt an die digitalen Medien gewöhnt hat. Ich hatte im März und April knapp 100 Online-Meetings, mehr als in meinem gesamten Leben bis dato. Man muss dazu sagen, ich hatte sogar einige Erfahrungen in Sachen Online-Meetings. Ich habe mal eine Fachausbildung komplett online gemacht, also gehörte ich sogar zu denen, die das schon einmal gemacht haben. Aber das ist wiederum das Positive. Nachhaltig hat sich die Welt geändert. Ich war schon immer ein Fan davon, habe aber immer von der Gegenpartei gehört, die Leute würden keine Online-Meetings wollen. Auf einmal gab es keine Alternative, die Nachfragen, die wir hatten, waren extrem und wir hatten auch mit unserem Podcast ein gutes Timing getroffen. Wir haben mit dem Podcast angefangen und auf einmal waren alle im Lockdown und haben sich für dieses Thema interessiert und hatten sie Zeit, sich so etwas reinzuziehen. Daher hatten wir ein gutes Timing und ich persönlich kam ganz gut durch diese Situation. Die Kinder haben sich daran gewöhnt, wenn der Papa oben redet und sie ein bisschen ruhiger sein müssen. Für sie ist das jetzt ganz cool, dass ich ein Meeting mache und dann mit der Familie mittagesse. Das ist neu und ich finde das auch nicht negativ. Und ich glaube, die Welt wird irgendwann wieder normaler, aber dass wir in Zukunft flexibler arbeiten werden, wird ein Stück beibehalten. Mehr Homeoffice, mehr Meetings, die mal stattfinden. Man wird sich eher fragen: „Muss ich jetzt wirklich nach Wien oder Paris fliegen, um für 40 Minuten etwas zu erzählen? Das kann man doch auch digital machen.“ Da hätten die einladenden Firmen vor drei Jahren noch komisch geguckt. Ich glaube, jetzt ist es Standard und durchaus positiv und ich denke, so kann man auch aus dieser Krise etwas Positives ziehen. 

Endrit 

Ich kann auch nur sagen, zum einen mein persönliches Leben: Wir sind im Vertrieb unterwegs. Es gibt viele Messen, denn wir sind gerne vor Ort, wir haben den engen Kontakt mit dem Kunden und plötzlich ist man so weit entfernt. Die meisten haben wahrscheinlich gedacht, dass das keine Zukunft hat, denn irgendwann ist bestimmt Schluss mit Corona. Die meisten haben so etwas wie Zoom oder Microsoft Teams nicht wahrgenommen und für viele war der Kundenkontakt plötzlich abgebrochen. Aber für Michael und mich war das anders. Ich hatte an einem Tag plötzlich fünf Vorträge und ich war in NRW unterwegs. Dann hatte ich einen in München, einen in Berlin und Hamburg und das alles an einem Tag. Eigentlich hat uns das schon geholfen, es war ein klarer Vorteil und vom Timing hatten wir mit dem Podcast ein bisschen Glück. Aber auch was mein Depot angeht, mein persönliches Leben, war ich antizyklisch unterwegs und warte auf solche Gelegenheiten. Da habe ich auch voll zugeschlagen und mein persönliches Depot, also mein Portfolio, lag letztes Jahr deutlich vorne und dieses Jahr auch. Klar im persönlichen Leben, der Abbruch, man war plötzlich nur noch online unterwegs. Und auch was das Thema Finanzen angeht, für uns als Investoren, war das eine nette Möglichkeit und eine tolle Chance. 

Unsere nächste Frage, die wir sehr gerne stellen, ist, habt ihr Lieblingsaktien oder Lieblingsunternehmen? 

Michael 

Ja, Endrit hat die auch im Podcast schon genannt. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich einen Disclaimer in unseren Podcast gepackt habe. Ich habe keine Lieblingsaktien, aber Lieblingsbranchen und -strategien, auch das habe ich schon einmal erzählt. Ich habe eine Diplomarbeit über Emissionszertifikate und Wetterderivate geschrieben. Man kann theoretisch an der Börse darauf wetten, ob es regnet oder nicht. Das hört sich an wie eine Hardcore-Spielerei, kann auch so genutzt werden, aber hat einen ernsten Hintergrund. Wenn man zum Beispiel ein Kernkraftwerk betreibt, ist es wichtig, ob es warm oder kalt ist im Winter. Und im Sommer müssen die gekühlt werden. Das erhöht unter anderem die Kosten. In diesem Rahmen bin ich über das Thema Trinkwasser gestolpert. Daher ist Wasser schon seit 17, 18, 19 Jahren für mich ein Thema, mit dem ich mich sehr gerne beschäftige. Und da geht es nicht á la Nestlé darum, Wasser zu bunkern und zu sagen: wer zahlt am meisten dafür. Sondern es gehen zum Beispiel 50% des Trinkwassers beim Transport verloren. Und das ist wirklich ein heißes Thema auf der Welt. Es gibt Autoren, die sagen, dass es irgendwann einen Weltkrieg aufgrund von Trinkwasser geben wird. Wir in Europa wertschätzen das gar nicht. Wir gehen ins Badezimmer und trinken Wasser aus dem Hahn, das ist in vielen Regionen der Welt nicht möglich. Die halten uns auch für verrückt, wenn die hören, dass wir Fäkalien in Trinkwasser runterspülen und das haben wir hier in Europa noch nicht realisiert. Ich habe mir damals vor 16 oder 17 Jahren gedacht: „Das ist ein interessantes Investment-Thema“ und habe in die Branche investiert. Und ich würde sagen, das ist meine Lieblingsbranche. Ist natürlich sehr volatil, aber da ich schon damals wusste: „da gehst du sowieso nie wieder dran“, ist es mir egal, dass das schwankt und die Rendite ist top. Es ist auch ethisch sehr nachhaltig, weil es hauptsächlich Firmen sind, die sich mit dem Thema Monitoring beschäftigen, also wie sauber das Wasser ist. Das sind auch Firmen, die sich mit dem Thema Transport beschäftigen, zum Beispiel „Wie bekomme ich Wasser von A nach B“. Und das ist komplizierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Außerdem ist das ein Thema, welches in Zukunft sehr viel Geld verschlingen wird, weil zum Beispiel das New Yorker Wassersystem immer noch komplett aus Holz ist. Daher ist es nicht sehr effizient, aber das interessiert niemanden. Denn man gewinnt keine Wahl, wenn man sagt: „ich werde hier das Wassernetz erneuern“. In New York interessiert das aktuell nur Juden, weil das Wasser nicht Koscher ist, weil darin Fische schwimmen. Es ist total interessant, was man sich alles anlesen kann. 2005 hatten noch gar nicht so viele Menschen das Thema Wasser auf dem Schirm. Aber das sind Themen, die mich total flashen und interessieren, auch wie nachhaltig das ganze Thema ist. Aber prinzipiell ist das Thema Trinkwasser, Energie, Müll und Nachhaltigkeit ein Trend für die Zukunft. Das ist die Branche, die ich total sexy und spannend finde, der Endrit hat aber ganz klar eine Lieblingsaktie. 

Endrit 

Ja und das ist historisch bedingt, das ist die Aktie von Microsoft. Aber darüber hinaus interessieren mich auch andere Branchen. Die IT-Sicherheitsbranche finde ich unglaublich spannend. Wo wir auch mit unseren Produkten ziemlich stark vertreten sind – ich nenne mal eine Aktie, die in letzter Zeit besonders gut gelaufen ist und sich im Tief der Corona Krise vervierfacht hat – die Secunet aus Essen. Wir haben sie seit 10, 12 Jahren im Portfolio. Das ist ein deutscher Champion und die beschäftigen sich mit dem IT-Sicherheitssegment. Aber weltweit gibt es viele Unternehmen, die das machen, da es ein zunehmend wichtiges Thema ist. Natürlich fand ich das Thema Wasser auch immer sehr spannend und dass es auch nicht als Commodity gehandelt wird im Sinne von, dass es eine Börse dafür gibt. Ich glaube es bewegt sich alles in diese Richtung, das finde ich super spannend. Was ich auch sehr interessant finde, was damit zu tun hat, dass ich gerne auf den sozialen Netzwerken unterwegs bin, sind die ganzen neuen Plattformen, die aktuell entstehen. Facebook habe ich damals leider verpasst, die Aktie war dann für mich immer zu teuer. In der Corona Krise habe ich sie wieder verpasst, aber auch das ganze Segment interessiert mich. Man sieht, dass ich diese Produkte nutze und so entsteht dann auch meine Überzeugung. Und ich verstehe diese Aktien dann und das ist für mich dann keine Spekulation. Am Ende des Tages ist es eine kalkulierte Investition in Unternehmen oder Bereiche, die ich selber auch verstehe und auch täglich nutze.

Bildquelle: Foto von Investmentbabos.com

Das ist wirklich sehr cool. Ihr habt uns natürlich unzählige Vorteile von Aktien genannt. Welche Nachteile bringen denn Aktien mit sich? 

Michael 

Die Nachteile sind meiner Meinung nach ganz klar, dass man sich mit dem Thema beschäftigen und eine Verantwortung tragen muss. Der klassische Nachteil ist immer das totale Verlustrisiko. Das ist für mich, wenn ihr die Regeln befolgt, kein echtes Risiko. Rein juristisch ist das definitiv ein Risiko. Aber ich sage mal, eine Firma wie Procter & Gamble ist, glaube ich, 175 Jahre alt. Denen gehören 200 Marken, unter anderem Pampers, Gillette, alle möglichen Damen Artikel oder Meister Proper. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass die morgen pleite gehen. Aber so eine Firma macht gerade einmal 0,5 Prozent des Depots aus, wenn man breit aufstellt. Das heißt, wenn sie morgen pleite gehen würden, würden mir 0,5% meiner Gelder fehlen. Normalerweise gibt es gar nicht so viele Player, die diesen Markt so beherrschen, müsste dann so eine Firma wie Johnson & Johnson genau dieses Geld verdienen, dann dürfte mir nichts passieren. Typisch Deutsch ist natürlich zu fragen, was passiert, wenn die morgen auch pleite gehen. Natürlich könnte Johnson & Johnson pleite gehen, aber dann garantiere ich, dass das Thema Geld für uns sowieso nicht mehr relevant ist. Denn das wäre gleichbedeutend mit: Wir putzen uns nicht mehr die Zähne, wir waschen uns nicht mehr, wir haben keine Deos mehr. Dann ist auch kein Geld mehr auf der Bank. Denn was gerne vergessen wird, ist: Wenn ich alle diese Dinge nicht mehr brauche, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich Kreditkarten brauche. Das heißt, dass die Finanzinstitute in diesem Mad Max Szenario das Erste sind, was pleite geht. Deswegen ist dieses Thema Totalverlust, wenn man sich breit aufstellt, ein relativ geringes Problem. Das Risiko ist eher, dass man sich mit dem Thema beschäftigen muss und eine gewisse Verantwortung trägt. Nestlé steht immer wieder im Raum, möchte ich das oder möchte ich das nicht, will ich in Waffen investieren oder nicht. Wenn ich das nicht möchte, muss ich dementsprechend aufgestellt sein. Das ist alles möglich. Aber man muss sich mit dem Thema beschäftigen. Es geht nicht, dass man das komplett abgibt. Auch wenn man einen tollen Berater hat, muss ich dem ja trotzdem sagen, wie er investieren soll. Auch da gibt es eine extreme Reichweite. In den USA gibt es ViceFond, das ist ein Fond, der nur in die Tabakindustrie, Pornos, Waffen und Alkohol investiert. Das ist extrem gut gelaufen und es gibt Leute, die das interessiert und mehr haben möchten. Es gibt aber auch das Gegenstück dazu. Der AveMariaFond versucht das Gegenteil davon zu machen. Auch das ist extrem gut gelaufen. Das heißt, es gibt für jeden Investor das passende Vehicle, aber der Investor muss sich erst im Klaren sein, was er haben möchte ich und wir haben ganz klar einen Trend Richtung Grün, was wir alle positiv empfinden und ganz klar auch einen Trend in Richtung Verantwortung. Auch Fond Gesellschaften werden immer stärker an die Kandare genommen, das sie auf den Mitgliederversammlungen Druck machen, in die richtige Richtung. Das nehmen wir auch ernst und die Share Holder Value genauso und sind auch dort vertreten und drücken in Richtung Nachhaltigkeit und Grün, ansonsten würden wir uns von diesen Titeln verabschieden und das ist eine super Entwicklung der letzten 10 Jahre. Das war vor 20 Jahren noch anders. Aber das A und O ist: der Endkunde muss aktiv diese Entscheidung treffen und ich würde sagen, das ist der Nachteil. Aber ansonsten gibt es keine Nachteile. Die Rendite ist wie gesagt, wenn man sich breit aufstellt, langfristig unumstritten die höchste am Markt, es wird da nichts geben, was da ran kommen kann. 

Endrit 

Der einzige Nachteil meiner Meinung nach ist, dass es viel mit der Psyche der Menschen zu tun hat. Aktien sind volatil und sie sind auch deswegen volatil, weil jeder eine Meinung zu dem Preis einer Aktie hat. Es gibt bestimmte Marktphasen, zu denen es Ausverkaufssituationen gibt, aber es gibt auch Phasen, wo alle bullig sind und damit meine ich euphorisch. Dementsprechend herrscht Angebot und Nachfrage bei Aktien sehr stark und aus diesem Grund sind Aktien auch kurzfristig volatil. Langfristig gibt es einen klaren Trend nach oben, es gibt eine schöne Rendite zu erwirtschaften und was ich empfehlen kann, ist nicht so oft auf dein Depot zu gucken. Denn wenn ich sowieso in 10 Jahresschritten denke oder in die Altersvorsorge investiere, dann interessiert es mich im Grunde genommen. Es sei denn, ich möchte nachkaufen. Das ist aber nicht der Fall, denn wir leben in einer Gesellschaft, die sehr schnelllebig ist und jeder hat die Möglichkeit, über verschiedene Apps per Livekurse zu sehen, was der DAX aktuell macht und das macht einen nervös. Es ist ja klar, wenn man sieht, das meine Aktie gerade um 3% gefallen ist. Man liest auch die Nachrichten dazu und dann wird man leider verrückt und das wäre der einzige Nachteil kurzfristig. Klar gibt es Volatilität, aber wie ich schon gesagt habe, für Value Investoren kann das durchaus ein Vorteil sein. 

Michael 

Also der einzige Nachteil wäre dann die eigene Psyche und ich bin der festen Überzeugung, das hat damit zu tun, dass wir es im Grunde nicht verstanden haben. Wir werden geleitet von zwei Emotionen: Gier und Angst. Momentan sind wir in der Gier Phase, dann neigen die Menschen sowieso nicht dazu, viele Fragen zu stellen. Denn es geht um das wollen und da ist die Berater Gilde so oldschoolmäßig ausgebildet, dass sie denkt: „wenn der Kunde nicht viele Fragen stellt, unterschreib gefälligst“. Dann erklär ihm nicht viel, du kannst den nur noch verwirren. Wenn der Kunde mit Abschluss droht, dann mach das und das ist falsch. Viele Leute kaufen dann ohne genau zu wissen, worum es geht. Dann tun sich die Berater auch keinen Gefallen, indem sie möglichst komplex irgendetwas erklären, denn das suggeriert Kompetenz. Das wird wirklich so antrainiert. Wir versuchen in unserem Podcast bewusst einfaches Deutsch zu sprechen, nicht weil wir die Begriffe nicht kennen, sondern weil ich der festen Überzeugung bin, dass diese Begriffe nutzlos sind. Man kann alles auch in verständlichem Deutsch erklären und es ist mir wichtig, dass mein Gegenüber zumindest für 10 Sekunden verstanden hat, dass es Sinn macht. Danach darf er es direkt wieder vergessen, denn beim nächsten Crash weiß er nur noch, das macht schon Sinn, ich hab es nur vergessen, lass mich das noch einmal recherchieren. Aber wenn ich diesen Klick nie hatte, werde ich beim nächsten Crash verkaufen. Dann kommt die Panik und die überwiegt, denn wir sind keine Roboter. Ich war 2008 voll investiert, glücklich war ich natürlich nicht, wenn ich in mein Depot geschaut habe. Aber ich habe nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, das aufzulösen, weil ich sowieso wusste, es geht auch wieder bergauf. Bei der Corona Krise war es genau dasselbe Thema. Wir sind eigentlich glücklich, denn wir haben wieder eine Investmentchance. Es gibt Menschen, die so ticken. Ich denke ärgerlich, die Menschen haben Panik, wir sind wieder einen Schritt weiter weg von der Überzeugung und wir müssen wieder neue Überzeugungsarbeit leisten. Alle, die es einmal verstanden haben, die gehen nicht raus. 

Wir haben vorhin schon einmal das Thema GameStop aufgegriffen. Wie steht ihr zu der aktuellen Situation um GameStop und wie könnt ihr euch erklären, dass es zu so einem Drama kommen konnte? 

Michael

Tatsächlich haben wir gerade einen Podcast dazu gemacht. Der wird gerade veröffentlicht. Endrit, willst du starten?

Endrit

Ich weiß, dass Michael viel tiefer darauf eingehen kann, da er sogar eine Arbeit über das Thema Derivaten geschrieben hat. Man hat diesen Begriff Short Squeeze sehr oft gehört. Es ist so, dass sich eine Internet-Community über die Plattform Reddit zusammengetan hat. Das muss man von Anfang an erklären, weil das Ganze auf der einen Seite relativ absurd ist. Auf der anderen Seite ist es eine schöne Sache, weil wir sehen, dass Aktivismus funktioniert und dass sich auch kleine Anleger wehren können. Aber es ist ein weitaus größeres Thema als nur Hedgefonds versus Privatanleger. Und das ist für viele eine romantische Geschichte, aber am Ende des Tages ist es fast wie eine Tragödie, die im Netz ausgelöst wurde, bei der viele sagen, diese Hedgefonds shorten gerade GameStop, passt mal auf, ihr kennt doch GameStop. Das war eine emotionale Geschichte, wir alle sollten diese Aktie kaufen, damit sich die Hedgefonds wieder neu decken müssen. Denn wenn der Aktienkurs steigt und die Hedgefonds short sind und sogar Aktien geliehen haben, dass müssen sie entweder verkaufen oder müssen frisches Geld holen. Und das war die Problematik. Und wir sehen, dass innerhalb dieser einen Woche der Aktienkurs von GameStop um 3000 Prozent gestiegen ist. Das ist krank, weil das mit Investieren nichts zu tun hatte, genauso wenig wie mit Unternehmensnachrichten im Sinne von neuen Ideen oder Geschäftsmodellen von GameStop. Es hatte damit nichts zu tun, sondern es war eine Rache Aktion aus der Internet-Community und viele haben diese Aktie deshalb gekauft, weil es ihnen erzählt wurde. Das war also vergleichbar mit einem Kettenbrief: Sobald du es gelesen hast, musst du es weiterschicken. Das ist in etwa die einfache Version. Michael, du kannst gerne etwas tiefer darauf eingehen, was da passiert ist.

Michael

Diese Faszination, wir hauen den Hedgefonds jetzt eine rein, verstehe ich total. Und mit denen habe ich auch kein Mitleid. Da muss man immer vorsichtig sein, wie das ankommt, wenn man sich etwas kritisch dazu äußert. Ein Leerverkauf, für die Community, die sich damit nicht auskennt, ist in etwa so, Endrit fährt einen Audi A3 und ist jetzt zwei Monate im Urlaub. Ich leihe mir sein Auto und gebe ihm dafür 100 Euro als Gebühr. Jetzt verkaufe ich sein Auto, weil ich weiß, dass in drei Wochen ein neuer A3 rauskommt und sein A3 dann weniger wert ist. Ich bekomme jetzt 20.000 Euro für das Auto und spekuliere darauf, dass ich den Wagen in einem Monat für 10.000 Euro zurückkaufen kann. Dann habe ich 10.000 Euro Gewinn gemacht. Endrit tut das nicht weh, denn wenn er aus seinem Urlaub wiederkommt, möchte er seinen Wagen und er wollte ihn sowieso nicht verkaufen. Man könnte also wie folgt argumentieren, ihm ist es völlig egal und ich habe ihm daher nicht geschadet. Und das ist an der Börse Gang und Gebe. Mit dem Auto geht das nicht, da er sofort erkennen würde, dass es nicht sein Auto ist. Und auch juristisch darf ich sein Auto nicht verkaufen. Aber an der Börse geht das. Man neigt dazu, zu sagen, dass das eine ganz verrückte Spekulation und unethisch ist. Aber die Shortverkäufer waren auch diejenigen, die Wirecard letztendlich dingfest gemacht haben. Sie haben schon 2015 gesagt, dass Wirecard Betrüger sind, und wir gehen short, weil die Firma niemals für viel wert sein darf. Und Shorthändler sind ein wenig wie Aasgeier. Das klingt krass, aber die Funktion ist mit einem Aasgeier zu vergleichen, der dafür sorgt, dass die Unternehmen, die nicht mehr richtig funktionieren, vom Markt verschwinden. Aber natürlich gibt es auch Shorthändler, die übertreiben und auch Firmen angreifen, die eigentlich gut dastehen. Daher ist das schon ein Thema für sich. Was mir an der ganzen neuen Situation nicht gefällt, ist, dass das so romantisch dargestellt wird. Aber letztendlich werden sehr viele Endinvestoren sehr viel Geld verlieren. Und das ist das, was bei solchen Geschichten immer passiert. Denn wir haben hier eigentlich eine Marktmanipulation. Ein paar Leute haben gesagt „Kauft diese Aktie.“ Das einzig Neue ist: Marktmanipulation funktioniert normalerweise so, dass ich sage „Kauft diese Aktie, das ist eine super Firma, die irgendwann mal viel mehr wert sein wird.“ Jetzt wissen alle, die Firma ist nicht mehr wert. Alle wissen, dass das total übertrieben ist und wir eigentlich nur den Hedgefonds zwischen die Beine treten wollen. Dieses romantische Bild ist zwar cool, aber was klar ist: Eine Aktie nach oben zu pushen, ist einfach, wenn sie nichts wert ist. Umso teurer eine Aktie wird, desto mehr Kapital braucht du, damit sie weiter steigt. Und wenn so eine Aktie 3000 Prozent macht und dann Milliarden wert ist, ist das eine so unfassbar große Blase, dass du auch immer weiter Unmengen an Geld brauchst, damit sie weiter steigt. Das ist wirklich kritisch, denn wenn die ganze Welt sieht, dass die Aktie durch die Decke geht, weil das alle pushen, dann fließt logischerweise auch immer wieder Geld rein. Ich habe in unserem Podcast gesagt, dass hier eigentlich zwei Kinderspiele kombiniert werden: Die Reise nach Jerusalem und der Boden ist Lava. Denn die Reise nach Jerusalem ist genau dieses Spiel. Der, der als letzter die Aktie hält, hat auf Deutsch gesagt die Arschkarte gezogen. Aber anstatt dass du keinen Sitz hast, bist du auf der Lava. Denn du verbrennst dir die Füße ratzfatz und genau das sehen wir gerade. Die Aktie ist zu über 80 Prozent eingebrochen und es wird so dargestellt, als hätten nur die Hedgefonds ein Problem. Ein Problem haben auch alle Endinvestoren, die noch drin sind. Und das sind sehr viele. Ein YouTuber hat selbst gesagt, dass er 50 Millionen Dollar mit Derivaten auf diesem Trait verdient hat. Angeblich hat er die Aktie noch. Aber wenn er 50 Millionen verdient hat, ist es auch egal, was die Aktien machen. Das ist das, was ich kritisch sehe. Letztendlich ist das ein Betrugsspiel, wie schon tausende Male gesehen, nur auf einem komplett neuen Level. Für die Hedgefonds ist das schmerzhaft, aber Tausende oder Millionen von Privatinvestoren, die in den letzten zwei Wochen hinzugekommen sind, denen tut das richtig weh. Und deshalb gab es auch diese Zeitungsartikel mit Aussagen wie „2008 haben meine Eltern ihr ganzes Geld verloren, deshalb mach ich das.“ Letztendlich ist die Aussage: „Liebe Leute, haltet die Aktie. Haltet die Aktie, dann bleibt der Kurs da, wo er ist.“ Doch es reicht nicht, die Aktie zu halten. Es muss immer frisches, neues Geld rein, weil die Aktie ja schon extrem viel wert ist. Das heißt, auch wenn wir sie alle halten und kein Neuer kauft, dann steigt der Kurs nicht weiter. Und dann reicht es, dass die normalen Investoren rausgehen, dann fällt sie massiv. Denn alle wissen, dass dieser Kurs extrem teuer ist. Und sobald der Kurs runtergeht, gibt es eine Art Lawine und dann kommen die letzten Investoren da gar nicht mehr raus. Und das finde ich wirklich kritisch und das wird gar nicht thematisiert. Ist einfach nur gut gegen böse, die Kleinen gegen die Großen. Hier haben leider sehr viele Menschen sicherlich auch hohe Summen an Geld verloren. Denn die Gier wird wieder angeschlagen und das ist ein echtes Thema und das haben wir im Podcast ausführlich thematisiert. Ich bin mit der ganzen Geschichte nicht glücklich. Ich bin nicht glücklich, wie die Hedgefonds sich verhalten haben, wie die Regulatorik sich verhalten hat und auch, wie die Broker sich verhalten haben. So richtig schön geht keiner aus der Nummer raus. Außer ein paar Investoren, die ein wirklich super Geschäft gemacht haben und das legal, weil sie nicht gelogen haben. Das ist das Verrückte. Wenn Endrit und ich im Podcast sagen „Kauft die Aktie xy, denn die steigt durch die Decke und wir sind davon überzeugt“, dann kommen wir dafür ins Gefängnis. Wenn wir aber sagen „Wir verdienen als Podcaster kein Geld, lasst uns mal eine Aktie hochtreiben, denn wir wollen Millionär werden und wir sind da investiert“, dann wäre das anscheinend in Ordnung. Wenn die Community dann die Aktie kauft und sie um 5000 Prozent steigt, dann haben wir nicht gelogen und dann ist das ok. Bei uns wäre das wahrscheinlich noch mal eine Sondersituation, weil wir für Aktien Gesellschaften arbeiten, aber prinzipiell ist das wohl der Grund, warum die Forenbetreiber nicht wirklich was zu fürchten haben.

Bildquelle: Foto von Investmentbabos.com

Danke für diese sehr ausführliche und konkrete Aussage, auch über die Leerverkäufe. Für uns und unsere Leser ist das sehr interessant, einen professionellen Einblick zu bekommen. Und damit kommen wir auch schon zu unserer letzten Frage: Wie seht ihr die Zukunft, was steht bei euch in der Zukunft an und was erhofft ihr euch von der Zukunft? 

Michael

Ich hoffe, wir bleiben gesund, das ist Punkt Nummer eins. Wir haben für den Podcast einige Pläne und ich persönlich finde es überragend, wie es läuft. Weil man kann nicht oft genug erwähnen, dass wir beruflich keinen Bezug haben und dass es das in der Branche nicht gibt, dass sich zwei Mitarbeiter von zwei verschiedenen Gesellschaften zusammentun und das auch von den Firmen, in denen wir arbeiten, komplett unterstützt wird. Kurzfristig planen wir natürlich, dass unser Video nuanciert wird. Wir haben einen Investmentbabos-Song, den die Community gemacht hat, da sind wir richtig stolz drauf. Das ist auch viel cooler, als sich das liest. Ich kann mir vorstellen, wenn das jemand liest oder hört, dass er denkt „ach du Schande, wie die Sparkasse mit einem Rap Song“. Nein, da hat die Community zwei Jungs, wirklich ein cooles Lied auf die Beine gestellt. Wir haben jetzt ein Video auch über die Community zur Verfügung gestellt bekommen oder die haben einen großen Beitrag dazu geleistet. Und mittelfristig planen wir, ein Buch zu schreiben zu dem Thema Geldanlage/Investment und hoffen natürlich, dass alles so weiterläuft. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Aktien langfristig steigen, dementsprechend sind da unsere Arbeitsplätze auch gesichert. Und mit dem Podcast wollen wir so viele Menschen wie möglich erreichen. pipeline finden wir genau deshalb so interessant, weil wir gerade das Feedback bekommen haben, dass es bei uns selten Ja/Nein-Antworten gibt, weil die Welt nicht schwarz-weiß ist. Und genau deshalb habt ihr bei uns offene Türen eingetreten, weil genau das die Schnittstelle zwischen uns und pipeline ist. Genau das Thema Hedgefonds zum Beispiel, bei dem die ganze Medienlandschaft nach drei Zeilen weiß, ob er pro oder gegen Hedgefonds ist. Aber teilweise werden Vorwürfe gemacht, die unfair sind oder schlichtweg nicht stimmen. Teilweise werden auch Sachen gar nicht angesprochen und da sehe ich uns, dass wir wirklich versuchen, so objektiv wie möglich Licht ins Dunkle zu bringen und deshalb freuen wir uns auch auf die Zusammenarbeit mit pipeline. 

Endrit

Michael hat eigentlich schon alles gesagt. Ich kann noch hinzufügen, wir wollen die Aktienkultur deutlich vorantreiben, denn der Anteil an Aktionären in Deutschland ist immer noch viel zu gering. Ich kann das mit den USA gut vergleichen, da ich dort selbst gelebt habe. Fast die Hälfte der Amerikaner ist in irgendeiner Art und Weise in Aktienfonds investiert. In Deutschland sind es ungefähr jeder Siebte. Da gibt es noch viel Platz nach oben und ich kann mir durchaus vorstellen, dass mit den Projekten, die wir gemeinsam starten werden, auch mit dem Buch oder hoffentlich werden wir auch 20 Staffeln von Investmentbabos haben, dass wir auch einiges bewegen können. Wir wollen eigentlich eine positive Bewegung starten. Eine positive Bewegung bedeutet, die Menschen zu animieren, Aktien und Investitionen zu verstehen, denn das hat auch viele Parallelen mit dem Privatleben. Wenn man lernt, mit Geduld zu investieren, dann hat man auch einiges für das persönliche Leben gelernt. Höchstwahrscheinlich geht auch meine Geschichte in 10 bis 15 Jahren mehr in Richtung Politik, denn das bietet sich an, dass man mit der Erfahrung aus der Finanzbranche der Politik etwas Unterstützung geben kann, sodass wir in verschiedenen Bereichen, sei es das Thema Nachhaltigkeit oder Finanzwissen, um einiges aufgeklärter sind. Wir haben also noch viel vor, wir sind eine dynamische Gruppe und wir freuen uns natürlich auch über alle möglichen Zusammenarbeiten, auch mit pipeline, dass wir uns gegenseitig unterstützen können. Wir sind sehr gespannt auf Feedback, Fragen und wir sind überall erreichbar, besonders gut erreichbar auf Instagram und ich könnte noch viel mehr sagen, aber die Zeit erlaubt und das nicht mehr und irgendwann müssen wir auch jetzt langsam in den Feierabend gehen.

Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema. Es ist sehr wichtig, dass in Deutschland die Aktienkultur ein wenig angetrieben wird. Ich im Namen von pipeline, bedanke mich natürlich sehr für dieses sehr interessante Interview und hoffe natürlich auch auf eine super Zusammenarbeit in der Zukunft. Ich bedanke mich herzlich bei euch beiden.