Interview mit Ina von coupleontour

Heute treffen wir Ina von coupleontour. Zusammen mit Vanessa baute sie sich im letzten Jahr ein riesiges Publikum in den sozialen Medien auf.

Kurze Info vorab: coupleontour hat jetzt auch ein pipeline Konto. Du kannst Dir pipeline kostenlos im Apple App Store sowie in Google Play herunterladen und ihnen folgen, um keinen ihrer Beiträge auf pipeline zu verpassen.

Wir freuen uns auf das Gespräch und steigen direkt ins Interview ein.

Du kannst Dir dieses Interview ebenfalls anhören:

Vanessa und Ina: Mit eurem Kanal „coupleontour“ seid ihr in diesem Jahr auf den sozialen Kanälen durch die Decke gegangen. Auf Instagram habt ihr die 1 Millionen Follower Marke erreicht, auf TikTok sogar über 2 Millionen.  Wie geht ihr mit dieser riesigen, positiven Resonanz um?

Ich würde sagen, dass wir unglaublich dankbar sind. Wir haben zu Beginn niemals gedacht, dass wir jemals so eine Menge an Menschen dazu begeistern können unser Leben zu verfolgen oder uns zu verfolgen. Zumal das zu sehr schwer war über unsere Sexualität zu sprechen und es auch am Anfang so ein großes Geheimnis war. Deswegen war es für uns super super heftig zu erfahren, dass so viele Leute uns mögen.

© Lukas Zischke

Angefangen habt ihr mit einem Foto von euch als Paar. Was war ausschlaggebend für diesen Schritt?

Also als wir gemerkt haben, dass diese „Geheimnistuerei“ und dieses „alles nur in den vier Wänden“ belastend ist – du wilst mit deiner Familie sprechen, du willst mit deinen Freunden sprechen, aber weißt nicht so richtig wie – haben wir gesagt: Bevor wir es jedem einzelnen sagen müssen – man ist mit Leuten zur Schule gegangen, hat mit Leuten gearbeitet, die folgen einem dann auch auf Instagram und du bist irgendwo vernetzt, aber du hast jetzt nicht so einen Draht zu denen um zu sagen „Hey ich bin jetzt mit einer Frau zusammen“. Aber du hast das Bedürfnis es zu sagen. Ja und um diesen Schritt zu gehen, habenw ir einfach gesagt: Ja komm, wir machen jetzt einen Account und wer es sieht, weiß es direkt und dann ist gut. Dadurch entgeht man der Frage „muss ich es jedem einzelnen sagen“ und „muss ich es überhaupt sagen“ – wir haben es dann einfach gemacht.

Gab es am Anfang so etwas wie eine Vision für euren Kanal? Und hat sich die Vision über Jahre vielleicht verändert?

Wir wussten zu Beginn überhaupt nicht, wohin die Reise geht, hatten auch gar keine Vorstellung. Nach circa einer Woche haben wir dann gemerkt “ Wow es gibt wirklich viele Leute, denen es ähnlich geht oder die auch nicht so wirklich wissen, wohin mit sich, wie sie damit umgehen sollen, keine Ansprechpartner haben. Und dann haben wir gedacht „Ok wenn wir jetzt da sind, dann müssen wir auch da bleiben. Also das wäre eine Schande gewesen den Account zu deaktivieren, weil wir gemerkt haben irgendwie scheint man uns zu „brauchen“.

Was hebt euch als Influencer von anderen in der Branche ab?

Vielleicht ein Stück weit. Zumindest was wir oft zu hören bekommen, und was ich auch selber sagen würde ist, dass wir uns überhaupt nicht verstellen. Also ich will jetzt nicht sagen, dass jeder/jede andere InfluencerIn sich verstellt, aber wir zeigen uns genau so, wie wir sind. Also ich würde jetzt auch genau so meinen Livestream machen. Ich bin auch genau so. Und so ist das mit Vanessa genau das gleiche. Also wir verstellen uns zu keinem Zeitpunkt.

Demnächst wollt ihr exklusive Beiträge für Pipeline verfassen. Wir freuen uns schon sehr darauf. Was können wir von euch erwarten? Welche Themen wollt ihr ansprechen?

Also ich glaube es wird so eine Mischung aus „youtube-video“und ein bisschen aus dem, wozu man bei Instagram keine Zeit hat drüber zu schreiben. Zum Beispiel was das Outing betrifft, was die Sexualität betrifft, aber auch was so ein bisschen allgemeinere Themen angeht. Also klar auch wenn wir viele LGBTQ Themen ansprechen, sprechen wir auch mal ganz allgemeine Sachen an

Ihr richtet euch mit eurem Kanal auch an die LGBTQ+ community. Zum Beispiel macht ihr auf Missstände aufmerksam und setzt euch für die Gleichberechtigung ein. Stichwort Regenbogenwoche, wo ihr Berufe vorstellt. Was sind eure Ambitionen? 

Aufmerksam zu machen. Vor allem auf Missstände. Beispielsweise gibt es einen „gay-travel-index“. Es ist so dass nicht in jedem Land Homosexualität legal oder gewünscht ist. Für uns haben wir beschlossen, dass wir solche Länder dann meiden, aber man muss ja auch auf sowas aufmerksam machen. Das ist ja auch ein Stück weit mit Gefahren behaftet, wenn du irgendwo hinfährst und verboten bist, aber zum Beispiel schon verheiratet bist und es irgendwie verpasst hast. Oder dass man auf Mobbing im Beruf aufgrund der Sexualität aufmerksam macht. Das sollen die Regenbogenwochen: für Missstände sensibilisieren.

© Lukas Zischke

Welche Erfahrungen haben euch in den letzten Jahren am meisten gelehrt? Woraus habt ihr am meisten mitgenommen und wie habt ihr euch vielleicht weiterentwickelt?

Ein Stück weit haben wir gemerkt, dass es eine Menge Bedarf gibt. Und -vielleicht nicht bei jedem, dass kann man nicht so pauschal sagen- viel mehr Schein als Sein ist. Wichtig ist, dass man sich selber nicht verändert, dass das Ganze einen nicht verändert. Man sollte immer gucken, wo man herkommt. Egal welche Followerzahl es irgendwann geben wird, du bist dadurch kein besserer oder schlechterer Mensch. Du bleibst die gleiche Person, mit den Sachen, die dich ausmachen. Und das ist bei jedem so.

Welche Herausforderungen ergeben sich daraus? Wie geht ihr mit positiven als auch negativen Resonanzen um? Sowohl geschäftlich als auch privat? Wie könnt ihr am besten den Kopf frei bekommen?

Negative Sachen, was unsere Kanäle betrifft, muss ich ehrlich sagen, löschen wir, weil wir nicht wollen, dass Leute abgeschreckt werden, die unerfahren mit sowas sind. Hassnachrichten haben einen am Anfang vielleicht getroffen, aber mittlerweile steckt man das weg und wir löschen die. Ansonsten begegnen wir wirklich selten Situationen. Außer bei der Arbeit, da gab es mal einen Kollegen der meinte „Ja ich finde das ja ok mit Schwulen und Lesben, ABER…“ Also dann findest du es ja nicht OK, dann sag mir doch nicht du findest es OK. Aber sonst wenn wir einkaufen gehen, Händchen halten, habe ich noch nie erlebt, dass Leute auf einen zeigen oder beschimpfen. Für die positiven Resonanzen kann ich einfach nur sagen, dass wir unfassbar dankbar sind. Was für eine wahnsinnige Community wir hinter uns haben. Wenn irgendwie mal ein schlechtes Wort fällt-das hat sich über die Jahre echt verändert – wird sofort dagegen vorgegangen. Das ist auch was, was einem richtig viel gibt.

Hat eure Arbeit einen Einfluss auf eure Beziehung?

Ja, aber ich würde sagen einen positiven. Also wir haben früher schon – dadurch, dass es so ein großes Geheimnis war viel Zeit miteinander verbracht um nicht zu sagen die ganze Zeit. Viele Fragen sich immer „Wie könnt ihr das – die ganze Zeit zusammen sein und dann auch noch zusammen arbeiten“ Aber uns stört es nicht und, dass man sich mal an-zickt ist ganz normal. Es hat sich vielleicht geändert, dass wir jetzt auch zusammen arbeiten können.

© Lukas Zischke

Welche Meilensteine möchtet ihr mit „CoupleonTour“ noch erreichen? Und wann erwartet ihr diese?

Also zahlen-technisch: mal schauen was kommt. Da haben wir jetzt kein Ziel. Ansonsten, dass wir weiter aufmerksam machen können. Was ein großes Ziel von uns ist: Dass wir irgendwann mal an Schulen gehen können und hoffentlich darüber aufklären können. Weil was wir gemerkt haben ist, dass solche Themen kaum in Schulen behandelt werden und, dass es ja super easy ist sowas einzubinden. Sei es im Geschichtsunterricht, da könnte man ja locker mal was darüber erzählen oder sei es im Biologieunterricht. Je mehr die Leute sensibilisiert werden, desto leichter haben es auch andere Leute. Wenn du es einfach kennst, dann ist es für dich nicht so „Huh-hast du das gerade gesehen?“ Dann ist es in Ordnung. Das würden wir gerne machen, dass wir an Schulen gehen können. Wir schreiben auch noch unser Buch. Wünschen uns, dass das Buch auch vielen hilft sich selbst zu reflektieren -sei es die Sexualität oder einfach Selbstsicherheit zu gewinnen. Es gibt ja auch viele andere Sachen warum man sich unsicher fühlt. Das ist glaube ich was unsere „Zukunftsvision“ ist.

Was wünscht ihr euch, hätte man euch am Tag eures ersten gemeinsamen Internetauftritts mit auf den Weg gegeben? Welchen Tipp wollt ihr den LeserInnen noch mit auf den Weg geben?

Dass man – egal was alles ist – so unzufrieden mit sich selbst nicht sein muss. Es ist vollkommen in Ordnung, dass man an sich arbeiten möchte und es ist vollkommen in Ordnung, wenn man sich inspirieren lässt und so weiter und so fort. Aber so „doof“ wie man manchmal denkt zu sein ist man meistens gar nicht. Es geht in die Richtung, dass man sich gar nicht verstellen muss. Wenn ich uns rückblickend betrachte, hätte ich vielleicht Angst gehabt, dass sich alles verändert, aber das war gar nicht der Fall. Wenn mir das nochmal einer gesagt hätte „Egal was du machst, es wird dich niemals verändern“ – das wäre glaube ich cool gewesen.