Interview mit einem Gründer: Max von uptea

Wann hast Du für Dich die Entscheidung getroffen, dass der richtige Zeitpunkt ist, Dein Unternehmen zu gründen? Und was hat Deine Entscheidung bestätigt?

Mit einer möglichen Selbstständigkeit beschäftigt, habe ich mich das erste Mal während meines MBA-Studiums, bei dem auch die Idee von uptea entstanden ist. Gemeinsam mit einem Freund habe ich dann am Startup-Accelerator der LMU teilgenommen und die Idee somit weiter vorangetrieben. All das lief stets berufsbegleitend, sodass man immer nur in kleinen Schritten vorwärtskam. Zudem waren wir uns leider sehr oft uneinig und hatten unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie gewisse Dinge angegangen werden sollen. Die vielen Diskussionen haben uns oft sehr viel Zeit gekostet und den Fortschritt gehemmt. Mitte des letzten Jahres habe ich dann beschlossen, uptea allein endlich in die Tat umzusetzen.

Seit ich im September vergangenen Jahres die Firma gegründet habe geht es mit großen Schritten voran. Hier hatte Corona ausnahmsweise etwas Gutes und die Zeit der Lockdowns konnte genutzt werden, um intensiv an der Umsetzung des Projekts zu arbeiten. Alleine fällt es mir deutlich leichter, Entscheidungen zu fällen, weshalb ich schneller merkbare Fortschritte erzielen konnte, ohne mich in zeitraubenden Diskussionen zu verlieren. In wenigen Wochen habe ich mich mit Partnern und Lieferanten auf Konditionen geeignet, die Produktionskette aufgebaut sowie eine Startnext-Kampagne vorbereitet und gelauncht. Ein weiterer großer Motivator war auch die eigentliche GmbH offiziell angemeldet zu haben. Sobald eigenes Kapital in der Idee steckt wird es ernst und man setzt alles daran, das Projekt nun best- und schnellstmöglich umzusetzen.

Welche Vision verfolgst Du mit uptea?

Während meines berufsbegleitenden Studiums musste ich auch am Wochenende regelmäßig früh raus, bzw. nach einer langen Arbeitswoche auch abends noch fit sein, um den Vorlesungen aufmerksam und konzentriert folgen zu können. Da war ab und an ein echter Wachmacher gefordert. Der Kaffee in der Uni hat leider nie geschmeckt und nach 2-3 Tassen fängt auch mein Magen an zu grummeln. Energydrinks kommen auf Grund der unzähligen künstlichen Inhaltsstoffe und des vielen Zuckers auch nicht in Frage. Tee ist deutlich gesünder, hat aber leider verhältnismäßig wenig Koffein, welches jedoch länger wirkt.

Bei uptea kombinieren wir die Vorteile dieser beiden Welten: Wir veredeln geschmackvolle Tees mit einer extra Dosis natürlichem Koffein. Das macht besser wach als Kaffee und ist zudem gesünder und besser verträglich. Unsere Produkte werden ausschließlich mit natürlichen Zutaten hergestellt. Nachhaltigkeit spielt bei uns vom Anbau der Tees bis zur Verpackung in biologisch abbaubaren Pyramidenbeuteln eine große Rolle. Somit bieten wir eine echte, gesunde und nachhaltige Alternative zu Kaffee und Energydrinks.

Foto von Bianca Gonçalves via Pexels

Dein Slogan lautet „besser wach“. Was hebt Dich und Deine Produkte von der Konkurrenz ab?

Das besondere an uptea ist die spezielle Wirkung des Koffeins. In Kaffee liegt Koffein ungebunden vor und es wird schnell vom menschlichen Körper absorbiert. Die rapide Koffeinaufnahme führt aber bei einigen Leuten auch zu Unwohlsein und Herzrasen. So schnell wie der wachmachende Effekt eingetreten ist, geht er auch wieder vorbei und hinterlässt den Konsumenten genauso müde wie zuvor. Im Teeblatt ist Koffein an eine seltene Aminosäure (L-Theanin) gebunden. Diese Verbindung sorgt zum einen für eine etwas langsamere, aber besser verträgliche Koffeinaufnahme im Körper und zum anderen dafür, dass die wachhaltende Wirkung im menschlichen Körper spürbar länger anhält. Zusätzlich ist man durch diese Kombination nicht hibbelig und aufgedreht wach, wie nach manchem zuckrigen Energydrink, sondern sehr fokussiert und konzentriert – eben einfach „besser wach“.

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Einen „Wachmacher“ auf den Markt zu bringen erfordert, Alternativen die Stirn zu bieten. Doch Erfolg hängt nicht immer nur am Produkt. Wie glaubst du schaffst du es die Menschen von einer „Kaffeekultur“ hin zu einer „TeeKultur“ zu bewegen?

Kaffee ist für viele der beliebteste Wachmacher, da brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Er ist und bleibt am Morgen für viele Leute unverzichtbar, aber aus meiner Sicht nicht unfehlbar. Gegen eine gute Tasse Kaffee als Genussmittel ist nach wie vor auch nichts einzuwenden.

Oft hingegen wird Kaffee aber in minderer Qualität konsumiert und ist mehr das Mittel zum Zweck, um wach zu werden. Es ist dann eben geradekein Genussmittel mehr – und das soll nicht sein.

Geschmacklich ist Kaffee auf Röstaromen beschränkt und schmeckt vielen Leuten erst durch Zugabe von Zucker oder Milch. Tee hingegen bietet eine fast unendliche geschmackliche Vielfalt und gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit. Den Trend hin zu einer weit verbreiteten Tee-Kultur möchten wir gerne mitprägen. Durch die spezielle Wirkung unserer Tees bieten wir eine gesunde und geschmackvolle Alternative zu Kaffee – eine genüssliche Alternative. Ich kann nur jedem empfehlen, es selbst auszuprobieren und sich von uptea überzeugen zu lassen.

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Max, du gründest dein Startup nebenberuflich. Wie gelingt es Dir diese Aufgaben miteinander zu vereinbaren?

Egal wie unangenehm und anstrengend die Corona Situation ist, so hat sie wie Eingangs erwähnt, doch auch einige wenige positive Aspekte für mich. Schon Einstein sagte: „In the midst of every crisis, lies great opportunity“. Ob er das auf eine Pandemie bezogen hat wage ich zwar zu bezweifeln, aber das Zitat passt. Da ich, wie du sagst, noch Vollzeit angestellt bin, nutze ich meine Feierabende und Wochenenden für uptea. Kontaktverbote, Ausgangsbeschränkungen sowie Laden- und Restaurantschließungen machen es mir leichter, mich neben meinem eigentlichen Job um uptea zu kümmern. Ein weiterer Vorteil ist, dass es mir unfassbar viel Freude und Spaß bereitet, mir selbst etwas aufzubauen und ich das ganze weniger als Pflicht, sondern als Vergnügen ansehe. Idealerweise werde ich auch an einigen Stellen von Familien und Freunden unterstützt, sodass nicht alle Last allein auf mir liegt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die vielen fleißigen Helfer!

Welche Erfahrungen haben Dich im Gründungsprozess am meisten gelehrt? Woraus hast Du am meisten mitgenommen?

Es gibt diesen kitschigen Spruch „machen ist wie wollen, nur krasser“ – aber der trifft es eigentlich ziemlich genau auf den Punkt. Man kann unfassbar lange an einer Idee herumbasteln und alles wieder und wieder Überdenken, Überlegen und Abändern, ohne jeglichen Fortschritt zu machen. An gewissen Punkten muss man sich einfach ein Herz fassen und zur Tat schreiten. Nur so kann man wirklich vorankommen. Klar kann es passieren, dass man hinterher feststellt, dass man es auch anders oder besser hätte machen können, aber das gehört zum Lernprozess dazu. Nur wer nichts tut, kann auch nichts falsch machen. Interessant war für mich, dass man sich doch auch recht gut in Themen einarbeiten kann, von denen man anfangs wenig bis keine Ahnung hatte. Es gibt online so viel hilfreiches Material für junge Gründer, dass man zu fast jeder Thematik etwas findet. Hilfreich ist aber auch ein gutes Netzwerk an Kontakten die einem beratend zur Seite stehen und auch mal motivieren, wenn es nicht so läuft wie geplant.

Foto von Max via Instagram

Du hast am LMU EC Accelerator Programm teilgenommen. Welche Erfahrungen hast Du mit Förderprogrammen machen können?

Das LMU EC kann ich Jedem der eine Geschäftsidee oder ein Startup hat, wärmstens empfehlen. Auch hier nochmal ein großes Dankeschön an Andy Goldstein und die vielen Unterstützer und Partner. Das Programm bietet ein sehr umfassendes Angebot mit vielen spannenden Inhalten, zahlreiche Sessions und Coachings zu unterschiedlichsten Themen mit Experten aus den jeweiligen Bereichen, super Networking mit anderen Gründern, Alumni, Investoren und Partnern, tolle Events wie den Cashwalk oder das Co-Founder Match und einfach eine spitzen Community und coole Coworking Spaces. Ein weiteres Highlight ist, dass die Teilnahme komplett kostenfrei ist. Zu anderen Programmen habe ich leider keine Vergleichsmöglichkeit, bin aber sehr zufrieden und dankbar Teil des LMU ECs gewesen zu sein, weil ich dort sehr viel Entscheidendes gelernt und zahlreiche wichtige Kontakte geknüpft habe, auf welche ich nach wie vor gerne zurückgreife.

Foto von Max via Instagram

Es gibt immer positive und erfolgreiche Phasen – aber natürlich auch große Herausforderungen. Wie gehst Du mit diesen um?

Wir hatten während der Produktentwicklung einige größere Rückschläge. Man hat beispielsweise mit großen Firmen über mehrere Wochen im Labor an einem Verfahren getüftelt, um die Tees mit natürlichem Koffein zu veredeln, um dann letztendlich leider festzustellen, dass das Verfahren in großen Mengen überhaupt nicht funktioniert und man wieder von vorne Anfangen kann. Die Komplexität hat einiges an Nerven gekostet und zog sich teilweise über einen langen Zeitraum, sodass der Gedanke alles hinzuschmeißen schon öfter aufkam. Wichtig war hier nicht den Kopf in den Sand zu stecken und nach den ersten Misserfolgen aufzugeben – das war entscheidend. Natürlich ist man mal gefrustet und enttäuscht, das kommt auch immer wieder vor – bei mir persönlich hält das jedoch glücklicherweise nicht sonderlich lange an. Eine Runde laufen oder Radfahren an der frischen Luft hilft oft den Kopf frei zu bekommen und mit neuer Motivation an das Problem ranzugehen. Glücklicherweise habe ich nun auch einen kompetenten Partner mit an Bord, der sich um Produktentwicklung und Produktion kümmert, sodass ich zumindest in diesem Gebiet in Zukunft mit deutlich weniger überraschenden Rückschlägen rechnen kann.

Welche Meilensteine möchtest Du im kommenden Jahr mit uptea erreichen?

Über die letzten Monate habe ich immer wieder Zeitpläne aufgestellt, was ich bis wann erledigt haben möchte – habe diese aber jedes Mal aufs Neue aufgrund von unplanbaren Ereignissen komplett über den Haufen geworfen. Das lag zum einen an der komplizierten Verfahrensentwicklung, aber auch an Corona, was sich entscheidend auf Lieferzeiten und Verfügbarkeiten einiger Ressourcen ausgewirkt hat. Wir haben es geschafft jetzt mit einem funktionierenden Verfahren, sowie einer geplanten Produktion und verfügbaren Rohstoffen dazustehen. Das kommende Jahr ist für uns also deutlich planbarer und verlässlicher, denn die entscheidenden Bausteine sind nun endlich gesetzt.

Der erste große Meilenstein für Ende Januar ist der hoffentlich erfolgreiche Abschluss unserer Crowdfunding Kampagne. Auf www.startnext.com/uptea können Interessenten das Projekt unterstützen und bekommen als Dankeschön coole Goodies sowie die einzigartige Möglichkeit als Erstes in den Genuss von uptea zu kommen und unser Portfolio nach ihren Vorlieben weiter mit zu gestalten. Wir freuen uns hier natürlich über jegliches Interesse und Unterstützung!

Weitere Schritte sind dann im Anschluss an die Kampagne der Launch des Online Shops und der Start des Direktvertriebs der Produkte in LEH und Drogerien. Je nachdem wie sich die aktuelle Lage hinsichtlich der Corona-Pandemie entwickelt, würde ich mich freuen, zur zweiten Jahreshälfte dieses Jahres auch Gastronomien und Hotels mit uptea einen gesunden Wachmacher anbieten zu können. Wir starten mit zwei Sorten und möchten dann unser Portfolio natürlich sukzessive um weitere Geschmacksrichtungen und Teesorten erweitern. Für die Zukunft haben wir auch schon weitere spannende Ideen im Hinterkopf, der Fokus liegt aber aktuell auf der Startnext Kampagne und der damit verbundenen Vermarktung unserer ersten beiden Sorten.

Foto von fotografierende via Pexels

Was wünscht Du Dir, hätte man Dir vor der Gründung Deines Unternehmens gesagt? Und was willst Du an Die Leser noch als Tipp mitgeben?

Vielleicht war ich bei der Recherche an einigen Stellen nicht aufmerksam genug, aber man wird im Rahmen der Gesellschaftsgründung doch immer wieder von Kosten überrascht, die man vorher so nicht auf dem Schirm hatte. Dazu gehören beispielsweise ein verpflichtender IHK Beitrag oder das Freischalten von Schnittstellen zwischen Firmenkonto und Buchhaltungssoftware. Zwar wird man oft gewarnt, dass man die kalkulierten Kosten für ein Startup am besten verdoppelt und es am Ende trotzdem meist nicht reicht, aber um welche „versteckten Kosten“ es sich dabei handelt war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar.

Auch, dass ein Startup viel Zeit und Eigenmotivation erfordert wusste ich von Beginn, möchte ich aber hier noch einmal unterstreichen. Das wichtigste Learning für mich war aber definitiv, dass man irgendwann auch mal loslegen muss und nicht ewig nur plant und überlegt. Ich möchte jeden Einzelnen ermutigen, der eine Geschäftsidee hat und genug Eigenmotivation für ein Startup mitbringt, den Schritt zu wagen. Selbst wenn das Unternehmen am Ende vielleicht nicht erfolgreich wird, ist es eine super spannende Zeit und man lernt ungemein viel – diese Erfahrungen allein sind es wert.