Luzides Träumen: die Fähigkeit, seine Träume zu kontrollieren

Dass der Schlaf ein Muss ist, um im Alltag funktionieren zu können und mental gesund zu bleiben, ist für jeden eine Selbstverständlichkeit. Zudem gibt der Körper eindeutige Zeichen, die in Form von Müdigkeitssymptomen auftreten, wenn er zur Ruhe kommen muss. 

Bekannterweise bringt das Schlafen bei einigen Leuten das Träumen mit sich. Doch nur wenige können sich nach dem Aufwachen noch an sie erinnern. Was jedoch vielen Menschen weniger ein Begriff ist: sogar Leute, die eher nicht so ausgeprägte Träume erleben oder solche, die sich überhaupt nicht an das Geträumte erinnern können, sind in der Lage dazu, das Steuern ihrer Träume zu erlernen – das luzide Träumen.

Luzide Träume – was ist das genau?

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Diese besagten luziden Träume werden auch “Klarträume” genannt. Dabei verschmelzt der Wachzustand mit der Traumphase. Dies bedeutet, dass man sich während des Traumerlebnisses dessen bewusst ist, dass sich alles, was gerade passiert, einzig und allein in seinem Kopf abspielt und man eigentlich gerade gemütlich in seinem Bett schläft. Im Regelfall wird man sich nach dem Aufwachen an diesen Traum erinnern können.

Schuld daran ist der Neokortex – der Bereich des Großhirns, der uns unter anderem das kritikfähige Denken ermöglicht. Normalerweise schaltet er sich im Schlaf ab, wodurch viele Träume beim Träumen im Nachhinein als “normal” empfunden werden – egal wie bizarr oder sonderlich sie zu dem Zeitpunkt erscheinen. Bei Klarträumen ist der Neokortex jedoch noch aktiv, wodurch uns kleinste Abnormalitäten auffallen und uns somit bewusst wird, dass all dies nur ein Traum ist. Somit folgt, dass man nicht selten dazu in der Lage ist, Geschehnisse und Szenarien des Traumes aktiv durch seine Vorstellungskraft zu beeinflussen.

Klares Träumen selbst erlernen

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Es gibt einige Methoden – wovon einige von ihnen verschriftlicht wurden, beispielsweise im Buch „Deine Träume – Schlüssel zur Selbsterkenntnis“ von Ann Faraday – die zum Erlernen des “klaren Träumens” bestens geeignet sind. Im folgenden werden zwei von ihnen kurz erklärt:

1. Das Führen eines Traumtagebuches

Ein Traumtagebuch zu führen, wurde seitdem 20. Jahrhundert zu einem Massentrend. Das Notizbuch wird in seinem Schlafzimmer so positioniert, dass es vor dem Schlafengehen und nach dem Aufwachen direkt griffbereit ist. Da man sich die nächsten 30 Sekunden nach dem Aufwachen noch an die meisten Dinge aus seinen Träumen erinnern kann, sollte das Tagebuch schnell und jederzeit zugänglich sein. 

In Stichpunkten wird alles festgehalten, an was sich erinnert werden kann. Am darauffolgenden Abend sollten sich diese Notizen vor dem Einschlafen noch einmal durchgelesen werden. So wird das Gehirn nach und nach auf die Verarbeitung der Träume vorbereitet. 

Anfangs werden die Erinnerungen noch sehr lückenhaft sein, doch dieses Training ermöglicht es, das Gedächtnis auszuprägen und immer mehr Details zu behalten.

2. Realitäts-Checks

Um sich bewusst zu werden, dass das gerade Erlebte ein Traum ist, helfen sogenannte “Reality Checks” dabei, dies überprüfen zu können. Hierzu gibt es zwei beliebte Methoden:

  1. Nase zuhalten

Wenn man sich beim Träumen unsicher ist, ob dies tatsächlich nur ein Traum ist, kann man dies prüfen, indem man die Nase zuhält. In einem Traum wird es überraschender Weise weiterhin möglich sein, zu atmen. Wird diese Methode im Alltag angewendet, schafft man sich somit nach einiger Zeit eine “Routine der Traumüberprüfung”. Dadurch wird einem automatisch auch im Traum öfters einfallen, zu versuchen, durch eine zugehaltene Nase zu atmen.

2. Realität „infrage stellen“

Stellt man sich im Wachzustand regelmäßig selbst die Frage, ob der erlebte Moment nur ein Traum oder tatsächlich real ist, wird dies auch beim Träumen häufiger der Fall sein. Stellst du dir die Frage dann, kannst du Dinge tun (unter anderem die Methode aus Punkt 1), die diese Frage dann beantworten. Ein Schild an beispielsweise die Zimmertür zu hängen, worauf die Fragestellung „Bin ich wach oder träume ich?“ regelmäßig zu sehen ist, trägt dazu bei, dass man sich diese Frage automatisch häufiger stellt.

Auswirkungen auf den Alltag

Forscher der „School of Psychology“ der University of Adelaide in der gleichnamigen australischen Küstenstadt konnten nachweisen, dass sich das luzide Träumen positiv auf das Schlafverhalten auswirkt. Bei der „International Lucid Dream Induction„-Studie wurde bei Testpersonen, die die Methoden zum Erlernen des klaren Träumens anwendeten, festgestellt, dass sie am Morgen danach ausgeschlafener und fitter waren. Durch das Klarträumen sind die Schlafphasen weitaus effektiver, was eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit am nächsten Tag zur Folge hat.

Auch für das Vorbereiten auf eine stressbringende Situation sind luzide Träumen hervorragend geeignet. Eine Rede vor einer Menschenmenge in einem Traum zu halten, wäre zum Beispiel eine gute Möglichkeit, sich mit der Situation und die dadurch entsehende Nervosität vertraut zu machen.

Sogar Albträume kann man mithilfe von Klarträumen in beispielsweise etwas unterhaltsames umwandeln. Mehr dazu kann im Beitrag über Albträume nachgelesen werden.

Was man in Klarträumen nicht tun sollte

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Da es möglich sein wird, seine Träume zu beeinflussen und dadurch zu verschönern, kann es eben so in die entgegengesetzte Richtung gehen. Im folgenden werden zwei Dinge erklärt, die man beim luziden Träumen lieber nicht tun sollte:

1. Sich wünschen, einen schlimmen Albtraum zu haben

Da das Gehirn sowohl bewusst, aber auch unterbewusst bestens weiß, was seine größten persönlichen Sorgen und Ängste beinhalten, sollten diese nicht herausgefordert werden. In Extremfällen kann es passieren, dass die Kontrolle über den Traum durch das einschüchternde Erlebte verloren geht. Somit kann es passieren, dass man in diesem “schlimmsten Albtraum” für eine Weile gefangen bleibt. 

2. Zu lange in einen Spiegel schauen

Es wird diesem Phänomen zugesagt, dass es nicht selten vorkommt, eine absurde oder verstörende Gestalt seiner eigenen Selbst zu begegnen. Dies wirkt meist sehr erschreckend und beängstigend auf den Träumenden. Einige Leute gehen davon aus, dass man sich selbst im Spiegel bildlich so darstellt, wie man unterbewusst negativ über sich selbst denkt.


Luzides Träumen ermöglicht es einem, die Dinge aus seinen tiefsten Vorstellungen zu tun, die in der realen Welt physikalisch gar nicht möglich sind. Sei es das Fliegen ohne irgendeine Form von Hilfsmitteln oder das Benutzen selbst erdachter Superkräfte. Mit etwas Training ist es theoretisch jedem Einzelnen möglich, Klarträume bewusst hervorzurufen. Der Aufwand hierfür ist zudem erstaunlich gering, wodurch es mit Sicherheit wenigstens ein Versuch wert ist, dies auszuprobieren!