Kulturelle Dimensionen nach Hofstede – wie die Wissenschaft versucht Kultur zu beschreiben

Sie ist schwer mit einem Begriff zu beschreiben. Musik, Essen, Religion, Bräuche – diese und viele andere Wörter sind Teil des großen Ganzen. Die Kultur des Menschen ist vielfältig und reich an Unterschieden. Der Niederländische Kulturwissenschaftler Hofstede war einer der ersten, die versucht haben Kultur messbar zu machen. Hierzu stellte er fünf Dimensionen heraus an denen dies gelingen sollte. Werfen wir einen Blick darauf, wie die Wissenschaft versuch kulturelle Unterschiede zu beschreiben und zu messen!

Macht-Distanz

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Die erste Dimension lässt sich gut am Beispiel des eigenen Arbeitsplatzes verdeutlichen. Macht-Distanz kann entweder groß oder klein sein. Hierbei bezieht man sich auf den Grad der Ungleichheit, welcher zwischen Menschen mit viel und wenig Macht besteht. Gleichzeitig geht es auch um den Grad der Akzeptanz solcher Machtverhältnisse. Beispielsweise kann der Chef/die Chefin entweder eine große Distanz zu seiner/ihren MitarbeiterInnen pflegen und strikte Hierarchien aufstellen, oder sich wenig darum scheren wie sehr er/sie sich von MitarbeiterInnen (was das Machtverhältnis angeht) scheren. Wenn die Chefin/der Chef zum Beispiel zur Mittagspause am selben Tisch wie alle anderen sitzt und sich über die gleichen Dinge austauscht besteht wenig Distanz.

Individualismus vs. Kollektivismus

Geht es mehr um das Individuum, oder steht die Gruppe im Vordergrund? Das ist die Frage, die in dieser Dimension gestellt wird. Menschliche Gemeinschaften legen verschieden viel Wert auf das Wohl des Einzelnen beziehungsweise das Wohl der Gesellschaft.

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Ein klassischer und viel verwendeter Vergleich der Wissenschaft ist der zwischen Asiatischen und Westlichen Kulturen. Letzteren wird eher der Individualismus zugeschrieben. Nehmen wir die USA welche bekanntlich großen Wert darauf legt, dass jeder/jede seines oder ihres eigenen Glückes Schmied sei. Zumindest ist dies das Motto und spiegelt sich zum Beispiel darin wieder, dass es meist keine bis wenige Staatliche Krankenkassen gibt. Deutschland wäre in Bezug darauf eher kollektivistisch eingestellt, denn das Wohl der Gemeinschaft wurde durch die Einführung zum Beispiel einer gesetzlichen Krankenkasse über das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen gestellt.

Männlichkeit vs. Weiblichkeit

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Die dritte Dimension beschäftigt sich mit der Frage, wie „typisch“ männlich beziehungsweise weiblich eine Kultur ist. Dabei stehen die Begriffe für eine Grundhaltung gegenüber dem Gemeinschaftsleben und den wünschenswerten Zielen. Besonders „Männliche“ Gesellschaften haben eine klare Definition von Geschlechterrollen: Männer müssen stark und leistungsorientiert sein, während von Frauen erwartet wird, bescheiden und sensibel aufzutreten. Ein relativ niedriger Männlichkeitsindex bedeutet, dass Geschlechterrollen nicht so klar voneinander getrennt sind. Wünschenswerte Ziele „weiblicher“ Gesellschaften sind beispielsweise Sorge um Mitmenschen oder allgemeine Achtung voreinander. Erfolgsstreben wird eher „männlichen“ Kulturen zugeschrieben.

Vermeiden von Unsicherheit

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Diese Dimension beschäftigt sich mit der Toleranz einer Kultur gegenüber Unsicherheiten. Daran angelehnt ist die Idee der Struktur .Kulturen die Unsicherheiten vermeiden wollen, legen strikte Strukturen fest und stellen vielleicht viele Gesetze und strenge regeln auf. Wenn der Index dieser Dimension besonders gering ist, zeichnet sich eine Kultur darin aus, offen für Veränderung und Innovationen zu sein.

Lang- und Kurzzeitorientierung

Hierbei geht es ein Stück weit um Tradition versus Moderne. Denn eine Kultur, welche eher Langzeitorientiert ist, orientiert sich besonders Wert an Traditionen und Vergangene Erfahrungen. Auch wenn dies vielleicht auch veraltete Ansichten sind, halten Kulturen fest daran und erhoffen sich durch den Erhalt des Alten zukünftige Perspektive. Wohingegen kurzzeitorientierte Kulturen eher auf Innovation und Wandel setzten um kommende Herausforderungen zu meistern.

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Fazit

Abschließend muss gesagt werden, dass die Abbildung von Kultur in vorm von Dimensionen der Komplexität nicht völlig gerecht wird. Die Absicht Hofstedes war es aber eher, kulturelle Unterschiede greifbar zu machen. Viele Wissenschaftliche Studien nutzen heute noch die kulturellen Dimensionen nach Hofstede um „Kultur“ zu messen. Um Einsichten zu gelangen, sind die Dimensionen ein bewährtes Mittel zum Zweck. Du fragst dich, wie verschiedene Kulturen in den Dimensionen „abschneiden“? Dann empfehlen wir die diese Website, auf der du die Rankings nachschlagen und vergleichen kannst.