6/8 und 3/4 Takt: Rechnerisch gleich – doch was ist der musikalische Unterschied?

Wir kennen es aus dem Musikunterricht und wenn es um das Bruchrechnen ging. 6/8 (gesprochen: Sechs-Achtel) lassen sich runterkürzen auf 3/4 (Drei-Viertel). Wieso also unterscheidet man in der Musik zwischen diesen beiden Taktarten, wenn sie doch eigentlich das gleiche meinen? Wir wollen einen Blick in die Welt der Takte werfen und die Unterschiede herausstellen. Und vielleicht erkennst du bei der nächsten Autofahrt dann die Taktart des Liedes, welches im Radio läuft.

Von Vierteln und Achteln

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Die Torte ist das wohl am häufigsten verwendete Beispiel wenn es im Matheunterricht mal wieder um Bruchrechnen geht. So veranschaulichen die schmackhaften Stücke wie es aussieht, wenn man ein Ganzes teilt. In der Musik würde die Torte für einen Takt stehen und je nachdem, in wie viele Stücke man sie schneidet, zählt man diesen Takt. Der wohl bekannteste Takt ist der 4/4 Takt. Hierbei ergeben vier Schläge einen Takt. Besonders in der House Musik und EDM ist er verbreitet, da seine geringe Komplexität schnell zum Tanzen einlädt. Anders ist es beim 3/4 Takt – hier bilden schon drei Schläge den Takt. Dementsprechend anders gestaltet sich das Taktgefühl. Und genau darum geht es.

Um-Ta-Ta: Der klassische Walzer

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Einigen ist vielleicht bekannt, dass der 3/4 Takt vor allem im Walzer benutzt wird. Dazugehörige Tänze spiegeln das Taktgefühl am besten wieder. In der Musik ist der Takt dadurch charakterisiert, dass auf einen tiefen, längeren Schlag zwei höhere, prägnante folgen. Beispielhaft werfen wir einen Blick auf den wohl bekanntesten Walzer:

Begleitet wird dies meist beim Tanzen durch einen großen Tanzschritt auf dem ersten Schlag. Diese Artikulation der Viertel beziehungsweise Schläge ist es, was die Takte von einander unterscheidet. Denn wir werden feststellen, dass der 6/8 Takt ein anderes Taktgefühl mit sich bringt.

Das Taktgefühl des 6/8 Taktes

Während sich der 3/4 Takt an Viertelnoten orientiert, spricht man beim 6/8 Takt schon von Achtelnoten. Dieses Merkmal macht zum einen auf eine andersartige Taktstruktur aufmerksam, zum anderen ist es die Grundlage für ein grundverschiedenes Taktgefühl. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl der erste als auch der vierte Schlag betont werden.

Dabei ist zu beachten, dass jeder Schlag einer Achtelnote entspricht – wovon dieser Takt eben sechs hat. Im Grunde ist das Taktgefühl also schon ein anderes, weil es mehr Schläge als im 3/4 Takt gibt. Dazu ist zu sagen, dass es nur zwei Betonungen im 6/8 Takt gibt (auf der ersten und vierten Achtel). Beide sind unterschiedlicher Natur, denn während die erste eher dumpf ist, wird die zweite prägnanter gedacht. Um Abwechslung reinzubringen, wird manchmal auch die zweite Achtel dumpf betont. Gut zu hören ist dies im folgenden Stück:

Halten wir fest

Im 3/4 Takt wird jede viertel betont, egal ob eher dumpf oder prägnant. Dadurch entsteht ein sehr strukturiertes Taktgefühl, wozu sich gut Walzer tanzen lässt. Wohingegen im 6/8 Takt zwei von sechs Schlägen betont werden und die unbetonten Achteln eine Orientierung zwischen diesen bieten. Das Taktgefühl ist von Leichtigkeit geprägt, da man quasi zwischen den Betonungen hin und her schaukeln kann. Der 6/8 Takt ist im Vergleich zum 3/4 Takt relativ gebräuchlich in der populären Musik. So wird er vor allem gerne für Balladen verwendet. Vielleicht gelingt es dir das nächste mal, den Unterschied zu erkennen!