Le Mélange: Ein Interview über Hair-Care und Social Media mit Filiz Cercis

Ein Leben zeitgleich als Unternehmerin, Influencerin und Mutter in jungen Jahren zu meistern, muss doch zeitintensiv und aufwendig sein. Ist das ganze überhaupt langfristig zu stemmen? Wie wird man mit dem ganzen Stress fertig, der dadurch entsteht?

Wir luden die junge Unternehmerin Filiz Cercis, Gründerin der Haarpflegemarke Le Mélange, zu einem telefonischen Interview ein. Sie erklärte sich dazu bereit, uns einen Einblick in die Welt als erfolgreiche Unternehmerin und Influencerin zu verschaffen.

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Filiz, mit deinem Unternehmen „Le Mélange“ hast du dich auf hochwertige Pflegeprodukte rund um die Haare spezialisiert und damit bist du nicht nur erfolgreiche Unternehmerin, sondern auch Influencerin und Mutter. Was begeistert dich am meisten an deinen Aufgaben?

Also was mich von Allem am meisten begeistert, ist eigentlich die Herausforderung. Mir war sehr früh schon bewusst, dass ich nicht einfach nur einen (ich sag‘ mal) „klassischen Bürojob“ oder eine Art langweiligen Job machen möchte. Ich habe schon immer diesen Reiz oder Stress gebraucht, den die Herausforderung mit sich bringt – zusammen mit dem Wissen, diese am Ende dann erfolgreich bewältigt zu haben. Und darauf stolz sein zu können, ist das, was mich an der ganzen Sache motiviert.

Welche Vision verfolgst du mit Le Mélange genau?

Die Vision ist eigentlich: international gehen und dadurch eine weltweit bekannte Marke zu werden. Wir haben aktuell zwar schon sehr viel Kundschaft aus dem Ausland, aber natürlich ist dabei noch reichlich Potential nach oben.

In welchen Ländern konntet ihr euch schon etablieren oder habt ihr bereits Länder als Expansion auf dem Schirm?

Auf jeden Fall liegt im arabischen Raum sehr großes Potential. Vor allem die Frauen dort haben sehr mächtiges Haar und legen viel Wert darauf. Genauso ist es auch bei den russischen Frauen der Fall. Dort sollten 2020 auch eigentlich Projekte umgesetzt werden, doch das Ganze wurde dann aufgrund der Corona-Geschichte auf das nächste Jahr verschoben.

Was hebt dich und deine Produkte von der Konkurrenz ab?

An erster Stelle habe ich die Produkte selbst entwickelt, denn ich bin selbst gelernte Chemikantin und habe eben nach meiner Ausbildung – neben dem Meister, angefangen, meine Produkte zu entwickeln und habe später dann das Rezept des ersten Produktes, das Haaröl, zu 100 Prozent selbst entworfen und auch produziert. Die ersten Bestellungen habe ich damals in der Küche meiner Mama zusammengestellt. Zum anderen stellen wir unsere Produkte zu 100 Prozent auf natürlicher Basis her.

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Wann hast du für dich die Entscheidung getroffen, dass es der richtige Zeitpunkt ist, dein Unternehmen zu gründen? Und was hat deine Entscheidung bestätigt?

Ich wollte schon immer selbstständig sein, und das habe ich schon in jungen Jahren im Kopf gehabt. Ich war einfach nie der Mensch, der damit umgehen konnte, wenn man mir gesagt hat, was ich tun soll und deshalb war es für mich relativ früh klar, dass ich mein eigener Chef sein möchte. Die Sache mit Le Mélange war anfangs jedoch eine große Überraschung für uns. Im Endeffekt hat das ganze nämlich durch Instagram angefangen, was ich neben meinem Hauptberuf als Chemikantin zunächst hobbymäßig gemacht habe. Als ich dann ein wenig bekannter wurde und mehrere Anfragen von Hair-Care-Unternehmen bekommen habe, meinte mein Mann Tarik zu mir: „Wieso willst du für andere Firmen werben, wenn du doch auch dein eigenes Produkt vermarkten kannst?“ So kam dann eins nach dem anderen.

Welche Erfahrungen haben dich im Gründungsprozess am meisten gelehrt? Woraus hast du am meisten mitgenommen oder wie hast du dich hierbei am meisten weiterentwickelt?

Man sollte sich zum einen auf jeden Fall erst einmal gut darüber informieren, was für eine Gewerbeform man genau gründen möchte und was für ein Eigenkapital dafür gebraucht wird. Um ehrlich zu sein, ist bei uns alles eben schlagartig passiert und wir hätten nie damit gerechnet, dass unsere Produkte so schnell und gut verkauft werden. Dementsprechend war ich eher unvorbereitet und kannte mich nicht mit den Patentrechten und dergleichen aus. Also wir haben wirklich von Null angefangen, und es ist ganz klar für uns eine gute Erfahrung gewesen, weil wir uns so alles selbst beibringen konnten. Für andere, die vorhaben sich selbstständig zu machen, ist es auf jeden Fall nicht verkehrt, sich mit einem Anwalt oder mit jemanden aus der Branche, der dazu Beratungstätigkeiten durchführt, zusammenzusetzen. Einfach um vorbereitet zu sein und einen Plan davon zu bekommen, was man macht.

Ihr habt sowohl ein Online-Geschäft als auch einen Laden in Düsseldorf an der Kö. Wo denkst du – gerade auch jetzt nach 2020 – geht der Weg eher hin? Habt ihr weitere Ambitionen, auch den stationären Handel auszubauen, oder seht ihr die Zukunft eher in der Technik? Was habt ihr da so für Ziele für die nächste Zeit?

Unser Fokus liegt ganz klar auf dem Online-Handel. Mit dem stationären Handel wie jetzt beispielsweise in Düsseldorf war unser Ziel eigentlich, uns zum einen imagetechnisch abzusichern. Zum anderen besteht unsere Zielgruppe in Düsseldorf, die wir über Social Media nicht so gut erreichen können, zu 80 Prozent aus Frauen über 40. Diese kennen uns ausschließlich durch unseren Store in Düsseldorf und das ist quasi unsere Absicht mit den Läden vor Ort.

Das beliebte Hairol von LeMelange, von Filiz Cercis entwickelt

Welche großen Meilensteine möchtest du mit Le Mélange noch erreichen? Und ist es schon abzusehen, wann diese erreicht werden können?

Die nächsten Projekte werden zum einen im arabischen Raum oder in Amerika, sowie in der Türkei oder in Russland stattfinden. Damit sind Stores, Kooperationen und die Erweiterung des Handels und der Vermarktung unserer Produkte gemeint, um weitere Kunden zu binden. Eigentlich sollte es wie gesagt dieses Jahr umgesetzt werden, wir müssen aber leider erst einmal warten, bis diese ganze Corona-Geschichte vorbei ist und hoffen, das Ganze dann 2021 umsetzen zu können.

Nach den positiven und erfolgreichen Phasen bringt gerade Corona und das Jahr 2020 generell viele Herausforderungen mit sich. Wie gehst du sowohl geschäftlich als auch privat mit Herausforderungen um und wie bekommst du persönlich den Kopf frei?

Es ist nicht ganz so einfach, in der Öffentlichkeit zu stehen – das muss man an dieser Stelle klipp und klar sagen. Sei es als Firma, als Influencerin oder als Privatperson. Man hat einfach immer diese psychische Belastung, weil man weiß, dass die Menschen da draußen immer eine gewisse Leistung von einem selbst erwarten. Erbringt man diese mal nicht, bekommt man dies auf jeden Fall sofort zu spüren, da man meistens leider genauso viele Hater hat, wie Fans. 

Die Coronazeit hat uns und unsere Firma aktuell zum Glück jetzt nicht wirklich geschadet, da wir hauptsächlich den Online-Handel betreiben und über das Internet ohne Probleme weiterhin vertreiben konnten. 

Wie ich den Kopf davon frei bekomme, ist ganz klar mit Familie und Freunden. Also quasi mit Leuten, die rein gar nichts mit der Welt auf Instagram zu tun haben und uns kennen und auch wissen, wie wir sind. Sie motivieren mich dann und vor allem meine Familie lobt mich oft für das, was ich geschafft habe und das gibt mir die Kraft, weiterzumachen.

Welche drei Aspekte im Leben sind für dich von größter Bedeutung?

  1. An erster Stelle auf jeden Fall die Familie, sie ist das wichtigste für mich. 
  2. Zweitens auf jeden Fall die Gesundheit von uns allen. 
  3. Zum dritten Aspekt würde ich sagen, dass man einfach glücklich sein muss, mit dem was man tut. Für viele Menschen wird das an dieser Stelle wahrscheinlich der Erfolg sein, weil es für viele von außen betrachtet wahrscheinlich auch so aussehen mag, dass man alles nur für den Erfolg und Geld tut. So ist es aber nicht, auf keinen Fall. Denn nur wenn man die Familie hinter sich hat, gesund ist und auch glücklich, mit dem was man tut, kann man erfolgreich sein.

Der Beruf der Influencerin/des Influencers hat sich in den letzten Jahren stetig etabliert. Was sind für dich die Highlights und Vorzüge deines Influencer-Lebens und was gefällt dir dabei am meisten?

Das coole an Social Media ist, dass es wie eine Art Globalisierung ist und man mit Menschen aus aller Welt zu tun haben kann. Zudem kann man sich als Influencerin von anderen in Sachen Content inspirieren lassen oder hat die Chance, an Produkte zu kommen, die aktuell in Deutschland noch gar nicht erhältlich sind, um sie dann zu testen. Ein anderer Vorteil ist, dass ich auf Social-Media-Plattformen für meine eigene Marke werben kann. Bis heute haben wir hauptsächlich nur über meinen eigenen Kanal Werbung für Le Mélange gemacht – und bis heute lief das alles auch so. Das ist natürlich ein sehr großer Vorteil, wenn man immer das Ziel hatte, sich selbstständig zu machen.

Was sind für dich die größten Nachteile dabei? Neben den Hatern oder dem Stress, was muss man beachten, wenn man Influencer werden will?

Ich würde sagen, dass es wirklich die psychische Belastung ist und das unterschätzen viele. Es gibt nämlich viele junge Leute, die hauptberuflich Blogger oder Influencer werden wollen, ohne wirklich zu wissen, was für ein Stress sie dabei erwartet. Sehr häufig glaubt man, dass Blogger oder dergleichen einfach so etwas umsonst bekommen, davon ein Foto posten und dafür dann Geld bekommen. So einfach ist das aber nicht. Klar ist es jetzt nicht allzu viel Aufwand, ein Foto mit irgendeinem Produkt in der Hand zu posten. Natürlich muss man sich dabei auch Mühe geben und die Richtlinien einhalten, die man zum Werben des Produktes von der Firma bekommt. Die größte Belastung bei dem Beruf ist es aber, mit dem Stress umzugehen, den die Hater mitbringen. Bei mir sind es mittlerweile 530.000 Follower, wovon von den Leuten nicht nur Fans, sondern auch Hater dabei sind, welche sich dann leider auch am meisten blicken lassen. 

Filiz Cercis, @filiz auf Instagram

Mit welchen Herausforderungen siehst du dich als Influencerin gegenüber deiner Community konfrontiert? Welche Message oder Werte möchtest du den Leuten mitgeben?

Leute, die, statt konstruktiver Kritik zu geben, nur haten, nehme ich gar nicht mehr ernst. Wenn es so weit geht, dass sie anfangen zu beleidigen, blockiere ich sie. Ich bin der Meinung, dass man mir entfolgen sollte, wenn man mich nicht mag. 

Sehr viele junge Leute bekommen viele falsche Eindrücke von Social Media und tun alles dafür, um mit der Masse mitzuschwimmen. Ich erwähne auf meinem Kanal immer wieder, dass man zuerst die Schule abschließen und erst einmal etwas Vernünftiges lernen sollte. Social Media sollte dabei am Anfang nur ein Hobby bleiben. 

Welchen Rat hättest du gerne vor deiner Unternehmensgründung bekommen und welchen Rat oder Tipp kannst du zukünftigen Gründern mitgeben?

Bevor man sich selbstständig machen sollte, würde ich den Leuten da draußen raten, sich vorher wie gesagt wirklich genau informieren und einen genauen Businessplan aufzustellen, der Dinge wie die Höhe der Investitionssumme oder die geeignete Gewerbeform beinhaltet. Und man sollte sich auf alle Fälle steuerlich aufklären lassen. Uns haben diese Dinge am Anfang gefehlt und deshalb überfordert. Dadurch haben wir viele Fehler gemacht und uns oft verkalkuliert. Wir haben jetzt daraus gelernt, würden es aber nicht noch einmal so machen.


Das Leben als Influencer muss also nicht zwingend immer so einfach und entspannt sein, wie sich viele der jungen Leute, die auf den sozialen Netzwerken angemeldet sind, zunächst vorstellen mögen. Auch wenn dieser Weg eine zukünftige berufliche Sicherheit versprechen kann, sollte man dennoch laut Aussagen von Filiz nicht alles auf diese Karte setzen und den Fokus vorwiegend auf das erfolgreiche Absolvieren der Schule legen. 

Vielen Dank für das Interview und den Einblick in die Social-Media-Welt und das Leben als Selbstständige!