5 Fakten über das Mittelalter

Das Mittelalter. Es gilt als rückständig, grausam und wird nicht selten als dunkle Periode in der Geschichte der Menschheit bezeichnet. Doch der Abschnitt zwischen 600 und 1.500 nach Christus (n. Chr.) unterschied sich nicht nur grundsätzlich von der heutigen „Neuzeit“ durch damalige Sitten oder Ähnliches. Vielmehr gibt es auch einige bedeutsame Erfindungen wie zum Beispiel den Kompass, die uns bis heute begleiten. Es folgen fünf Fakten über das Mittelalter.

1. Das finstere Zeitalter

Dass das Mittelalter immer wieder als düstere und finstere Epoche bezeichnet wird, ist weitestgehend auf die Renaissance zurückzuführen. Die Menschen bezeichneten diesen Abschnitt zu dieser Zeit als finster, da sie die vorherige Ära der vermeintlich “klügeren” Philosophen und “begabteren” Handwerker – die Antike – als weitaus weniger leidvoll empfanden beziehungsweise diese so wahrnahmen.

Während die Qualen in Zeiten der Ritter und Königreiche durch Kriege und Seuchen immer mehr in den Vordergrund rückte, blieb die Antike durch geschichtlich bedeutsame Ereignisse wie das Erbauen riesiger Konstrukte (wie zum Beispiel das römische Colosseum) oder berühmte Philosophen wie Aristoteles in den Köpfen der Menschheit. Dadurch hatte man das Gefühl, dass die Bildung und die Gesellschaft an sich in dieser Zeit niedergegangen ist.

2. Erfindung des modernen Buchdrucks

Bildquelle: Foto von Suzy Hazelwood via pexels.

Im Mittelalter gelang es den Menschen erstmals, Schriften zu kopieren und diese als Bücher, wie wir sie heutzutage kennen, zu verbreiten. Diese revolutionäre Erfindung prägt unsere Gesellschaft bis heute. 

Johannes Gutenberg, ein Goldschmied aus Mainz, führte den Buchdruck um 1450 ein, indem er jegliche Arten von Schriften mittels einer Druckpresse mit aus beweglichen, metallenen Lettern kopierte und als Buch presste. Pro Druckvorgang konnten jetzt rund 200 bis 300 Exemplare gefertigt werden.

3. Leben und Arbeiten im selben Haus

Das Leben in den eigenen vier Wänden war im “finsteren Zeitalter” weitaus schwieriger und anstrengender als heute. So waren die Häuser und Bauten, in denen die meist wohlhabenderen Menschen lebten, beispielsweise wie folgt strukturiert:

Das Erdgeschoss

In einem Haus, welches meist in drei Stockwerke unterteilt war, befand sich im Erdgeschoss für gewöhnlich die Werkstatt zusammen mit einem Laden. Nebenan traf man auf die Küche und das Vorratszimmer, gefolgt von der sogenannten Stube. Sie war damals eine Art Aufenthaltsraum, die aufgrund der Wände, die durch ihre Täfelung wärmestauend waren, eine angenehme Zimmertemperatur zum Entspannen hatte.

Eine Toilette unter dem eigenen Dach zu besitzen, war für die meisten Menschen nicht selbstverständlich. Außerdem bot das Erdgeschoss Platz für den Stall samt Nutzvieh, der für die Schlafzimmer im ersten Stock als natürliche Fußbodenheizung diente.

Der erste Stock

Hier wohnten die Kinder, Eltern und Großeltern und zogen sich in ihre Schlafgemächer zurück, wenn es Zeit war, sich auszuruhen.

Der zweite Stock

In der Etage direkt unter dem Dach lebten dann die Gesellen. Dadurch, dass die Häuser zu schmal und zu eng gebaut wurden, gab es keinen Platz für Treppen und man erreichte die verschiedenen Stockwerke ausschließlich über Leitern. Deshalb waren schwerwiegende Unfälle keine Seltenheit, da die meisten Häuser damals keine Fenster hatten und somit nur sehr schwach beleuchtet waren.

Behausungen der Bauern waren weitaus einfacher gebaut. Meist bestanden sie aus einem großen Raum, unterteilt in kleinere offene Zimmern wie Küche, Schlafzimmer und Wohnbereich. Das durchschnittliche Bauernhaus hatte zwei Eingänge, die beide zur Küche führten, welche das Herz des Hauses war. Vor allem zu kälteren Jahreszeiten brannte das Feuer dort auf der Herdstelle kontinuierlich, um das Zuhause ausreichend mit Wärme zu versorgen. Das Dach wurde sehr steil und zeltförmig konstruiert, damit der Schnee im Winter darauf nicht liegen blieb. Da es aus Stroh bestand, würde es aufgrund des Schnees nämlich schnell zu faulen beginnen.

4. Beleidigungen standen an der Tagesordnung

Der Umgangston im mittelalterlichen Alltag war damals sehr rau und grob. Schon bei den kleinsten Missgeschicken (wie beispielsweise das versehentliche Anrempeln einer Person) folgten Beschimpfungen der übelsten Art. Erst mit der Einführung der Höflichkeit, die tatsächlich vom königlichen Hof entstammt, legte sich diese unangenehme Umgangsweise nach und nach wieder. Die Höflichkeit des Adels machte damals die obere Schichtzugehörigkeit deutlich und beruhte sich dabei lediglich auf die Verhaltensweisen bei Mahlzeiten oder wichtigen Zusammentreffen.

Ab dem 15. Jahrhundert erfuhr der Begriff „Höflichkeit“ eine Wandlung. Er erreichte die ärmeren Schichten und beruhte sich dann auf den antiken Humanismus, wodurch die bürgerlichen Werte der Bildung, Erziehung, Höflichkeit wie sie heutzutage bekannt ist und Zivilisation in den Fokus gestellt wurden.

5. Städtebau und Warenhandel

Bildquelle: Foto von Min An via pexels

Am Anfang des 12. Jahrhunderts existierten dort, wo heute Deutschland auf der Weltkarte zu sehen ist, lediglich 50 Städte – sogenannte Mutterstädte. Zunächst werden eher kleinere Marktsiedlungen wie zum Beispiel das damalige Hamburg, Bremen oder Paderborn, zusammen mit verschiedenen Bischofssitzen errichtet.

In den Städten entwickelte sich durch das Festlegen von Regelungen für das Zusammenleben innerhalb einer gemeinsamen Stadtmauer die Zugehörigkeit einer richtigen Gesellschaft. Diese wurden von Stadträten, die sich aus den Vertretern der reichen Familien bildeten, an die Öffentlichkeit gebracht.

Doch als vielen klar wurde, dass das Leben innerhalb einer Stadt weitaus weniger hierarchisch war und nicht selten einem bestimmten Herrn – wie man es beispielsweise vom Verhältnis zwischen Grundherrn und Bauern kennt – geschuldete Arbeit geleistet werden musste, wurden nach und nach immer mehr Städte errichtet, um die Existenz aller Bürger weitgehend sicherzustellen. Knapp 3.000 werden es bis zum 14. Jahrhundert.

Das wichtigste Zentrum der Stadt, der Marktplatz, war dabei essenziell. Dort konnten Handwerker und Händler ihre Ware vor der breiten Masse vorstellen und das ganze Jahr über verkaufen.

Als eigener Warenproduzent hatte man jedoch nicht die Freiheit darüber, die Preise und Qualität seiner Produkte selbst zu bestimmen. Personen aus der selben Branche bildeten Zünfte, die die Preise, Löhne und Qualität der Güter festlegten. Zum Beispiel mussten Brote bestimmte Mindestmaße erreichen, bevor sie verkauft werden durften. Waren sie zu klein, wurde man dafür unter anderem in Form von Demütigung bestraft. Außerdem sorgte eine Zunft für die Sicherheit der betroffenen Händler, dass sie vor äußerlichen Einflüssen, die sich negativ auf die Produktion auswirkten, geschützt sind.


Das Mittelalter wird nach wie vor als dunkel und finster betitelt. Dennoch kann man nicht abstreiten, dass es einen großen Teil zur Entwicklung der menschlichen Fertigkeiten und Kenntnisse beigetragen hat. Allein der Städtebau hat es möglich gemacht, Gesellschaften bilden zu können und in diesen unter Einhaltung von Regelungen angemessen leben zu dürfen. Deshalb kann man darauf schließen, dass wir den Menschen der Vergangenheit einen Teil unserer heutigen Lebensstandards zu verdanken haben.