Esperanto: eine völkerverbindende Sprache

Die Vorstellung, eine Sprache zu entwickeln, die – unabhängig von der Nationalität – für jeden Menschen möglichst einfach zu erlernen und zu verstehen ist, wurde im 19. Jahrhundert erstmals in die Tat umgesetzt. Die erste einer solchen Sprache, “Solresol”, wurde ab 1817 vom französischen Musiklehrer Jean François Sudre entworfen. Seine Idee war es, eine Sprache auf musikalischer Grundlage zu schaffen. Ihr Wortschatz beruht dabei auf den Tonsilben do, re, mi, fa, sol, la und si. Das besondere dabei ist, dass man damit auch singend oder mit Instrumenten spielend kommunizieren kann.

Plansprachen (so werden sie genannt) haben den Hintergrund, die internationale Kommunikation untereinander zu erleichtern. Die Plansprache, um die es in diesem Artikel geht, nennt sich “Esperanto”. Sie wurde 1887 von dem Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof in Warschau veröffentlicht.

Esperanto wird auch heute noch in über 120 verschiedenen Ländern gesprochen – trotz dessen, dass es sich hierbei um eine Sprache handelt, die in keinem Land eine Amtssprache ist. Ihre Grammatik basiert dabei auf nur 16 Grundregeln, die aktuell noch immer gültig sind. Hinzu kommt, dass es keine unregelmäßigen Verben oder sonstige Erschwernisse zum Erlernen der Sprache gibt. Dadurch ist theoretisch jeder dazu in der Lage, sich die Grundzüge in nur drei Wochenendkursen anzueignen.

Noch immer lebendig

Wie bereits erwähnt, ist Esperanto auch heutzutage noch gängig. Etwa 100 Bücher erscheinen jährlich auf Esperanto und es gibt sogar Radiosender wie “Muzaiko”, die ein laufendes Programm mit Berichten, Interviews und Musik in dieser Sprache bieten. Insgesamt gibt es zwischen einer halben Million und zwei Millionen Sprechern, wovon etwa 1.000 von ihnen Muttersprachler sind.

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Sogar das chinesische Radio strahlt jeden Tag ein etwa einstündiges Unterhaltungsprogramm auf Esperanto ins Ausland aus. Für beide Seiten ein Vorteil: Die Broadcasts verschaffen dem Ausland einen Einblick in die Weltanschauung Chinas, und zum anderen hilft es China selbst beim Erlernen der Anwendung von Esperanto.

Grammatik und Aufbau

In der Regel gibt es für die verschiedenen Esperanto-Wortarten bei ihrer Bildung keinerlei Ausnahmen. Genau so besitzt jeder Buchstabe aus dem Alphabet nur eine Schreibweise sowie auch nur eine Aussprache. Es besteht aus insgesamt 28 Buchstaben und beinhaltet dabei nicht die Buchstaben Q, W, X, oder Y. Dafür kommen jedoch Variationen von den Buchstaben C, G, H, J, S und U hinzu, die mit zusätzlichen Akzenten geschrieben werden, wie man sie vom französischen “l’accent circonflexe” (zum Beispiel â oder û) kennt. Dies wirkt sich verständlicherweise auf die Aussprache des jeweiligen Buchstaben aus. So wird das G ohne Akzent “Go” ausgesprochen, wie beispielsweise bei dem Wort “Gans”. Mit dem Akzent wird es dann “Dscho” gesprochen, wie es bei “Dschungel” oder englisch auch “Jungle” betont wird.

Substantive

Die Substantive enden ausnahmslos auf -o. Da Esperanto eine neutrale Sprache ist, bei der alle Bezeichnungen geschlechtsunabhängig sind, erleichtert es das Erlernen der Grundlagen für die Satzbildung erheblich. Beispiele hierfür sind “seĝo” (der Stuhl) oder “mapo” (die Karte). Der einzige Artikel für die Substantive ist “la”. Bildet man die Mehrzahl, wird am Ende des Wortes ein “-j” hinzugefügt, etwa “seĝoj” (Stühle) oder “mapoj” (Karten).

Verben

Im Infinitiv werden die Verben immer mit der Endung -i gesprochen und geschrieben. In der Gegenwart enden sie auf -as, in der Vergangenheit auf -is und in der Zukunft auf -os. So könnte eine Konjugation des Wortes “lerni” (lernen) aussehen:

  • Infinitiv: lerni (lernen)
  • Gegenwart: mi lernas (ich lerne)
  • Vergangenheit: mi lernis (ich lernte)
  • Zukunft: mi lernos (ich werde lernen)
Adjektive

Jedes Adjektiv endet ausschließlich auf -a. Man würde auf Esperanto also zum Beispiel “bona” sagen, wenn man das Wort “gut” nennen möchte. Will man dann das Gegenteil eines Adjektivs ausdrücken, setzt man vor dem jeweiligen Eigenschaftswort die Buchstaben -mal. Mit “malbona” meint man somit ganz einfach “schlecht”. 

Geschichte und Entwicklung

Hintergrund

Esperanto wurde mit der Intention erfunden, die Toleranz und den Respekt zwischen verschiedenen Kulturen und Völkern zu fördern. Dies soll geschehen, indem die internationale Verständigung durch die Plansprache möglich gemacht wird. Dabei wurde mit der Vereinfachung der Struktur und dem Aufbau der Sprache darauf geachtet, dass jeder Mensch die gleichen Chancen hat, ein hohes Sprachniveau zu erreichen und sich auf diesem austauschen zu können. Dabei spielt der persönliche sprachliche Hintergrund keine Rolle, denn keine andere Muttersprache hätte im Bezug aufs Erlernen den anderen Sprachen gegenüber einen Vorteil.

Werdegang seit der Veröffentlichung
  • 1887: L. L. Zamenhof veröffentlicht das Buch “Unua Libro”, wodurch es das Geburtsjahr des modernen Esperantos wird
  • 1908: Der Esperanto-Weltbund “Universala Esperanto-Asocio” (kurz UEA) wird gegründet, mit dem Ziel, die Sprache international zu verbreiten und mehr Gerechtigkeit im Bereich der Sprachen zu unterstützen.
  • 1954: die UNESCO setzt sich mit den Esperanto-Weltbund in Verbindung. Bei der Resolution wird festgestellt, dass einige Mitgliederstaaten der UN sich dazu bereit erklären, Esperanto-Unterricht an Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen einzuführen. Es wird anerkannt, dass Esperanto den Zielen und Idealen der UNESCO entspricht, die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für die Förderung von Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.
  • 1985: die UNESCO ermutigt UN-Mitgliedsländer dazu, Esperanto in ihren Lehrplan aufzunehmen.
  • 1987: 6.000 Esperanto-Sprecher feiern den 100. Jahrestag in Warschau beim 72. Esperanto-Weltkongress.

Auch in Deutschland werden Kurse für Menschen, die sich die Sprache gerne aneignen möchten, angeboten. Dabei werden zwischen Kursen für Anfänger sowie für fortgeschrittene Sprecher unterschieden. Bei vielen dieser Kurse handelt es sich um Wochenend-Intensivkursen aus kleineren Gruppen. Hierfür gibt es beispielsweise in Duisburg eine Einrichtung vom Deutschen Esperanto-Bund (DEB). Infos zu weiteren Kursen in Deutschland erhält man unter anderem von der Deutschen Esperanto-Jugend (DEJ), die diese für jeden Interessenten persönlich organisieren.

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Die Idee von dem Augenarzt Zamenhof, eine Sprache zu entwickeln und vor allem auch einzuführen, die praktisch für jeden Menschen erlernbar ist und somit Verbundenheit zwischen den Nationen zeugt, ging problemlos auf. Die Ideale dieser Plansprache sind so überzeugend gewesen, dass sie auch heute noch immer mehr Anhänger findet. Sogar der Translator von Google hat die Sprache 2012 als 64. Sprache in die Auswahl mit aufgenommen. Vielleicht ist es irgendwann tatsächlich möglich, sich auf verbaler Ebene mit Menschen aus den verschiedensten Ländern auf einem gewissen Niveau unterhalten zu können.