Malta: Europas Mittelmeer-Melting Pot

Schon von oben betrachtet sieht Maltas Hauptstadt Valletta aus, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Aus Sandstein erbaut, ragt Architektur aus der Insel heraus, die vermuten ließe man wäre irgendwo im Nahen Osten. Kirchen erinnern an spät-römische Epochen. Die Städte auf tragen häufig arabisch-artige Namen, sind aber nicht in arabischer Schrift geschrieben. Manchmal, vor allem wenn es um die Bezeichnung von Buchten geht, scheinen sich englische Bezeichnungen dazwischen zu mogeln.

Eine hart umkämpfte Insel

Malta ist vielseitig. Und wenn man einen kurzen Blick in die Geschichte des Inselstaates wirft, wird klar, wieso.

Bild: Foto von Kristina Paukshtite via Pexels.

Wie die Kanonen bereits vermuten lassen, war Malta hart umkämpft. Ihre fast schon zentrale Mittelmeer-Lage machte die Insel(n) zu einem heiß begehrten Standort. Neben der Hauptinsel laden auch Gozo und Camino zur Erkundung ein. Und wo man auch hingeht, die kulturellen Einflüsse verschiedenster Akteure sind deutlich zu sehen. Kirchen, Buchten und Parks tragen nicht selten ein „St.“ (also Saint) im Namen und auch Gozos Dreh und Angelpunkt „Victoria“ erinnert an die Britische Herrschaftszeit. Doch die Briten waren nicht die ersten, die Potenzial in dem Mittlerweile fast 500.000 Seelen Staat sahen.

Ein Sprungbrett zur Mittelmeer-Vormacht?

Wenn man sich die Geschichte Maltas ansieht, wird deutlich, wie viele Kulturen hier ihre Spuren hinterlassen haben. Phönizier, Karthager, Römer, Byzantiner – alle großen Mittelmeer-Mächte hat es nach Malta gezogen. Mit der Ankunft des Heiligen Paulus im Jahre 60 nach Christus gelang das Christentum auf die Insel. 870 nahmen die Araber die Insel ein und prägten die Maltesische Sprache zum größten Teil.

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Bis 1530 waren die Sizilianer vorherrschend. Die Italienische Sprache und Kultur hat bis heute ein Vermächtnis auf der Insel hinterlassen. Nicht wenige Malteser (66 Prozent) sprechen, vielleicht auch der Nähe zu Sizilien geschuldet, heute noch Italienisch.

Unter dem heiligen John leitete der Maltesische Ritterorden ein goldenes Zeitalter ein und machte Malta zu einem bedeutenden kulturellen Schaffer im 17. und 18. Jahrhundert. 1798, auf seinem Weg nach Ägypten, machte Napoleon Bonaparte Malta dem Ritterorden streitig. Daraufhin fragten Malteser die Briten an, die Französische Herrschaft zu brechen. Dies führte zur britischen Übernahme, welche bis 1964 andauerte.

Ein multikulturelles Erbe

Die letztere Vorherrschaft der Briten erklärt, wieso Englisch noch immer zweite Amtssprache ist. Maltesisch hingegen repräsentiert die historische Diversität, indem es arabische, Italienische und Teile anderer romanischer Sprachen miteinander verbindet. Erstaunlicherweise ist Malti – wie es unter Maltesern genannt wird – die einzige semitische Sprache, die fast ausschließlich mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird.

Diese Vielseitigkeit der Historie macht Malta sehenswert. Es ist als könnte man auf den 316 Quadratkilometerlangen ein Museum betreten, welches von herausragenden Mächten Europas erzählt. Eine kulturelle Konvergenz auf drei Inseln, die viele Herrscher aus verschiedensten Ecken Europas beheimateten, erstreckt sich hier. Jeder findet hier irgendetwas interessantes, ist es das Vermächtnis der römischen Baukunst, der englischen Krone oder die Sprache. Ein Besuch öffnet Türen in viele andere Kulturen, welche Malta seit Jahrhunderten geprägt haben.