Ich sehe was, was du nicht siehst – Synästhesie in der Musik

Für die meisten geht es in Musik um das Hören. Typischerweise nehmen wir Klänge und Stimmen über die Ohren wahr. Doch es gibt eine kleine Anzahl von Menschen, die Musik auf verschiedene Arten wahrnehmen.

Synästhetik setzt sich zusammen aus den Worten „syn“ (Altgriechisch „zusammen“) und „aisthesis“ (Altgriechisch „Empfinden“). Der Begriff beschreibt den Fall, in dem spezielle neuronale Vernetzungen dafür sorgen, dass mehrere Sinne gleichzeitig aktiviert werden, beziehungsweise auf Reize reagieren. Beispielsweise gibt es Fälle, in denen Menschen Musik sehen können.

Wie sehen Synästhetiker Musik?

Riechen, Sehen, Tasten, Hören, Schmecken – Für sich genommen ist ganz klar, welcher Reiz von welchem Sinnesorgan wahrgenommen wird. Eine schwingende Frequenz geht über das Ohr und wird als Ton wahrgenommen. Das wars doch, oder? Doch es gibt Fälle, in denen dieser Reiz noch andere Wahrnehmungen hervorruft.

Beispielsweise werden Reize nicht nur als Klang wahrgenommen, sondern auch als Farbe oder Form. Hierbei hat jeder Ton eine unterschiedliche Farbe und Form – ganz so wie auch jede Frequenz einen anderen Ton im Gehirn erweckt.

Bildquelle: Foto von Sharon McCutcheon von Pexels.

Diese Bewusstseins-Ebene beziehungsweise Art der Wahrnehmung wird einem aus 25 Menschen zugeschrieben. Nicht immer gibt es eine Verknüpfung zwischen dem Hören und dem Sehen. Mal kann es auch sein, dass andere Sinnesorgane neuronal vernetzt sind. Wissenschaftler forschen immer noch aktiv an dem Phänomen. Da es bereits im Kindesalter und auch als Familienphänomen auftritt, gehen Forschende bereits davon aus, dass gewisse Gene eine Rolle spielen. Es bleibt aber die Frage, welche genau.

Prominente Synästhetiker

MusikerInnen können natürlich sehr davon profitieren, eine erweiterte Sinneswahrnehmung zu haben. Einige davon haben wir für dich hier aufgelistet.

  • Greg Jarvis
  • Pharrell Williams
  • Alessia Cara
  • Billy Joel
  • Lorde
  • Hans Zimmer

Wie genau sich die Synästhesie auf den Alltag auswirkt, ist wahrscheinlich schwer nachvollziehbar, wenn sowohl der Output des Gehirns als auch der Input von Außen vervielfacht wird. Denn die neuronalen Verbindungen sind keinesfalls einseitig. Teilweise lösen Farben auch die Wahrnehmung eines Tons aus.

Dieses spannende Thema wird weiterhin wissenschaftlich untersucht und eine genaue Erklärung blieb bisher aus. Die Facetten menschlicher Kreativität werden wohl nicht ausschließlich vom Umfeld bestimmt. Auch Gene scheinen eine Rolle zu spielen. Zumindest ermöglichen sie in diesem Fall enorme Bewusstseinserweiterung und verhelfen womöglich zu kreativem künstlerischen Output.