Neurogaming: Wenn Gedanken das Spiel steuern

Du würdest gerne mehr zum Thema Neurogaming erfahren? Was es damit auf sich hat? Wie weit die Entwicklungen sind? Und welche Bedeutung Neurogaming für die Gaming-Industrie hat? Dann haben wir hier einen interessanten Beitrag für dich!

Was ist Neurogaming?

Neurogaming bezeichnet allgemein das Gaming beziehungsweise das Spielen von Games mit einer Gehirn-Computerschnittstelle anstatt mit Hilfe von Tastatur, Maus oder Controller.

Um jedoch mit den Gedanken spielen zu können, werden entsprechende Hilfsmittel benötigt. Dazu gehört beispielsweise die entsprechende Software auf dem Computer und ein entsprechendes Gerät, das die Hirnströme lesen kann. Welche das sein kann, wird im Verlauf des Artikels erläutert.

Software

Im Projekt OpenBCI (Open Source Brain-Computer Interfaces) versammeln sich viele Tech-Begeisterte, um eine Open Source Software zu entwickeln. Sie bieten auf ihrer Seite entsprechende Auswertungssoftware zum freien Download an. Anstatt auf die großen Entwickler warten zu müssen, kann sich hier also jeder selbst an der Technik probieren und sich direkt erste Eindrücke an der Basis verschaffen. Denn: Eine komplett entwickelte Software, um direkt mit seinen liebsten Spielen loszulegen, gibt es bislang noch nicht.

Auslesegeräte

Ursprünglich wurden weiße Hauben voller Knöpfe und Kabel zum Auslesen der Hirnströme verwendet. Diese wurden zusätzlich noch mit einem Gel an den Kontaktstellen eingerieben, um den Kopf zu schützen. So erhielten die Beteiligten jedoch immer nur eine mittelmäßige Signalqualität.

Um das Neurogaming nicht nur technisch, sondern auch optisch so attraktiv wie möglich zu gestalten, arbeiten viele Firmen derzeit daran, die Kontaktstellen mit dem Kopf so klein und schick wie möglich zu halten.

So hat beispielsweise die Firma Nextmind aus Paris die ganze Elektronik im Bereich des Neurogamings auf einen einzigen kleinen Knopf reduziert. Dieser würde dann an deinem Virtual Reality Headset befestigt werden und wäre an deinem Hinterkopf platziert. Bisher ist dieser jedoch nur für Spieleentwickler zu einem Preis von 400,00 Dollar vorbehalten – frei verkäuflich ist er nicht.

US-amerikanische Firmen wie Emotiv oder Brainco bieten ihre Konkurrenzprodukte bereits direkt ab 250,00 bis 300,00 Dollar und für den freien Markt verfügbar an. Ein Gel, damit der Kontakt zur Kopfhaut besser funktioniert, wird auch nicht mehr benötigt.

Bisher kann man diese Produkte jedoch nur für einfache Apps benutzen, die beim Entspannen und Konzentrieren helfen sollen.

Bildquelle: Foto von Jesse Martini via Unsplash

Intuitiveres Spielerlebnis

Faszinierend ist die Technik des Neurogamings vor allem auch, weil die Art der Spielsteuerung deutlich intuitiver stattfindet. Mit Controllern und den vielen Knöpfen zu spielen funktioniert zwar, ist aber auch immer ein Umweg und wirkt für den Betrachter meist unnatürlich.

Ob es jedoch wirklich eines Tages reibungslos funktionieren wird, Spiele via Gedanken zu steuern, ist allerdings noch nicht bestätigt. Die Forschungen laufen. Unsere Meinung: Vor allem im Bereich der Signalqualität ist es fraglich, wie gut die Übermittlung und Erfassung dieser Geräte tatsächlich funktioniert.

Um die schlechte Signalqualität der Buttons auszugleichen, wollen die Entwickler auf künstliche Intelligenz zurückgreifen. Diese soll dann in bestimmten Gedankengängen Unterbrechungen überbrücken, indem die KI den Gedankengang künstlich weiterführt. Doch auch dieses Projekt ist noch nicht ausgereift.

Elektroden Implantat

Nathan Copeland zeigt beispielsweise, dass Neurogaming, wenn eine gute Signalqualität vorliegt, tatsächlich funktionieren kann. Nathan ist Mitte 30 und hatte vor 15 Jahren einen schweren Unfall. Seit diesem Unfall ist er gelähmt.

Damit Nathan einen Roboterarm steuern kann, wurden dem jungen Mann Elektroden direkt in das Gehirn implantiert, um so die beste Signalqualität zu erzeugen. Der Grund: Die Signale außen am Kopf zu erfassen, ist deutlich schwieriger.

Der Roboter-Arm ist aufgebaut wie ein normaler Menschlicher Arm mit 5 Fingern. Nathan kann diesen mit einer so guten Signalqualität bewegen, sodass der Arm das tut, was auch ein „normaler“ Arm tut. So steuert auch Nathan ihn einzig und allein mit seinen Gedanken.

Neurogaming ist hier also ein positiver Nebeneffekt der Studie und für Nathan eine Chance, uneingeschränkt spielen zu können. Nathan war nämlich bereits vor dem Unfall ein leidenschaftlicher, aber kein professioneller Gamer.

Im Netz lädt Nathan sogar Videos von sich hoch, wie er in einem Forschungslabor per Gedankenübertragung Final Fantasy spielt. Jedoch ist es natürlich vorerst nicht möglich, jedem Gamer direkt solche Elektroden ins Hirn einzusetzen.

Bildquelle: Foto von Uriel SC via Unsplash

Fazit

Das Thema Neurogaming (und dazu Gehirn-Computer-Schnittstellen) bekommt von immer mehr Firmen große Aufmerksamkeit. Beispielsweise hat Elon Musk bereits die Firma Neuralink gegründet, die eine Gehirn-Schnittstelle entwickelt.

Die Forschungen laufen an allen Ecken und Enden – allerdings könnte Neurogaming in der Zukunft auch Probleme und Konflikte mit sich bringen. Auch wenn das Gedankenlesen noch weit entfernt ist lautet eine Vermutung, dass dies irgendwann ein ethisches Problem aufwerken könnte.

Denn: Gedankenlesen ist ein heikles Thema. Noch wäre es zwar beispielsweise ein Button, den man auch wieder abnehmen kann. Mit fest verankerten Elektroden im Gehirn wäre dann möglicherweise doch die Angst vorherrschend, rund um die Uhr ausspioniert zu werden.

Auch allgemein die Themen „In das Gehirn eindringen“ und „Gedankenkontrolle“ sind mit Vorsicht zu betrachten. Es sind frische Studien und Untersuchungen – die genauen Auswirkungen, vor allem Langzeit, kann niemand recht beurteilen.

Dennoch sind wir gespannt, was die Zukunft bringen wird – und wir hoffe, ihr auch!