6 erstaunliche Fakten über deine Haare

Anfangs noch evolutionär bedingt, schützte es den Körper der ersten Menschen vor UV- und Wärmestrahlungen wie Infrarotlicht und trug unter anderem zur Wärmedämmung bei, um ein zu schnelles Unterkühlen des Körpers zu vermeiden: Das Fell. Durch Anpassung an Jagd und Klima bildete sich dies jedoch über Jahrmillionen hinweg weitestgehend zurück. So sorgten Funde des Frühmenschen „Homo ergaster“, der vor ungefähr 1,6 Millionen Jahren auf dem heutigen Kontinent Afrika lebte, für Spekulationen darüber, dass vor allem die Jagd einer der Gründe für den Rückgang seines Fells sei. Der Grund? Da eine trockene und heiße Savannengraslandschaft den Großteil seiner Umwelt ausmachte, wäre ein vollständiges Haarkleid nachteilig gewesen und würde bei ausdauernden Läufen zur Überhitzung des Körpers führen. Seinen Knochen zufolge ist diese Art von Frühmensch seiner Beute nämlich über längere Strecken hinweg hinterhergerannt. Aber auch bei der Paarung spielte die Behaarung eine wichtige Rolle: Partner mit weniger Fell wurden bevorzugt, was dazu führte, dass Nachkommen immer weniger von dieser Körperbehaarung besaßen.

Dass, was heutzutage davon größtenteils noch übrig geblieben ist, ist dein Kopfhaarwuchs. Natürlich finden Frisuren immer mehr als Schmuck in Modetrends ihren Platz. Die ersten Indizien dafür reichen bis ins alte Ägypten zurück bist circa 3.000 v. Chr. Was dein Haar außerdem noch an interessanten Fakten mit sich bringt, wird dir im nachfolgenden Beitrag erklärt.

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1. Haare wachsen bei Männern schneller als bei Frauen

Das Haarwachstum verläuft bei einem Mann etwas schneller und dichter als bei Frauen. Das Geschlecht kann man jedoch aber nicht anhand der Struktur eines einzelnen Haares ausmachen, da sie bei jedem Menschen identisch ist. 

Haare wachsen oftmals zwischen zwei bis sechs Jahren, bevor sie dann ausfallen. Das macht am Tag ungefähr 0,3 – 0,5 Millimeter, was durchschnittlich etwa 15 Zentimetern pro Jahr entspricht. Maximal erreicht ein Haar also eine Länge von ca. 72 Zentimetern. Es gibt aber auch Ausnahmen bei Menschen, dessen Haare weitaus länger wachsen. Ein Beispiel hierfür ist die mittlerweile 54 Jahre alte Xie Qiuping aus China: 2008 erhielt sie den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde für die längsten weiblichen Kopfhaare der Welt mit einer Haarpracht. Insgesamt 5,63 m Meter vermessen messen ihre Haare.

2. Deine Haare könnten einen Anker tragen

Maximal besitzt ein Mensch rund 150.000 Haare nur auf seinem Kopf. Bei einer Tragfähigkeit von 100 Gramm pro einzelnem Haar wäre es ihm damit sogar theoretisch möglich, den Anker eines Kreuzfahrtschiffes zu tragen, jedoch würde die Kopfhaut dieses Gewicht nicht aushalten. Im Vergleich: Obwohl das Haar eines ausgewachsenen Elefanten etwa viermal so dick ist, wie das des Menschen, würde es schon bei geringerer Belastung reißen.

3. Deine Haarmenge variiert je nach Haarfarbe

Die meisten Haare von der Menge her haben dunkelhaarige Menschen. Zwischen 120.000 bis 110.000 Haare finden sich auf dem Kopf von Brünetten, während Blondinen rund 100.000 Haare auf ihrem Kopf haben. Bei Rothaarigen sind es sogar nur rund 90.000. Oftmals wirkt es vor allem bei blonden Personen so, als hätten sie weniger Haare als der Rest der Menschen. Das liegt an der Dicke der Kopfbedeckung: Blondes Haar ist viel feiner als dunkles, was zu der optischen Verwirrung führt. Insgesamt ist nur etwa zwei Prozent der Weltbevölkerung blond, knapp ein Prozent rothaarig. Die übrigen 97 Prozent werden von braunem, und schwarzem Haar dominiert.

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4. Jeder Kulturkreis hat seine eigene Frisur

In der heutigen Zeit ist das Tragen verschiedener Frisuren gang und gäbe. So kennst du zum Beispiel mit Sicherheit die überall mal mehr mal weniger beliebte „Dauerwelle“, die vom deutschen Friseur Karl Ludwig Nessler kreiert und 1906 erstmals in London vorgestellt wurde. Wie bereits erwähnt, gibt es Befunde aus vergangenen Kulturen, die darauf hindeuten, dass schon in frühen Jahren – weit vor dem „Jahr Null“ – Frisuren insbesondere zu bestimmten Anlässen getragen wurden.

Beispiel I: Altes Ägypten, ca. 3.150 bis 330 v. Chr.

Gräberfunde bestätigen, dass bereits in der Zeit des alten Ägyptens ästhetische Perücken für wichtige Anlässe angefertigt wurden. Genau wie das echte Haar wurden diese häufig gefärbt; von rotblond, blau oder grün waren hier zahlreiche Variationen dabei. Auch Goldstaub wurde zur Verfärbung verwendet, da blond zu dieser Zeit die beliebteste Haarfarbe war. Für die Frisuren wurden die Haare dann meist geflochten und mit aufwendigem Kopfschmuck verziert. 

Beispiel II: Antikes Griechenland, ca. 1.500 bis 150 v. Chr.

Im damaligen Athen war ein gutes und gepflegtes Äußeres so wichtig, dass Frauen eine Geldstrafe zahlen mussten, wenn sie sich mit einer unordentlichen Frisur in der Öffentlichkeit blicken ließen. Die meist langen, welligen Haare bestanden vollständig aus Perücken. Leute aus ärmeren Verhältnissen fertigten diese aus Schafswolle an. Zwischen 300 bis 150 v. Chr. bevorzugten Frauen überwiegend Frisuren mit kunstvollen Knoten und Schleifen. Auch hier war das Blond bei den von Natur aus dunkelhaarigen Griechinnen beliebt, denn blond galt als die Haarfarbe der Götter. Der Versuch, das Haar – welches mit natürlichen Elementen wie Blüten und Blättern; aber auch Juwelen dekoriert wurde – mit Safran aufzuhellen war zu dieser Zeit deshalb keine Seltenheit. Auch Männer hatten Teil an der Mode: So wurden anfangs noch lange Haare und Bärte getragen. Erst später hat sich das Tragen von kurzen, lockigen Haaren in die Zeiterscheinung etabliert.

Beispiel III: Romanik, ca. 1.000 bis 1.200

Im so genannten Hochmittelalter (Romanik) waren Locken beim Adel unabhängig vom Geschlecht gern gesehen. Bei den adligen Frauen verdeckte eine flache Haube das Haupthaar, wodurch nur die in Goldfäden eingeflochtenen Zöpfe zu sehen waren.

Beispiel IV: Gotik, ca. 1.140 bis 1.500

Zur Zeit der Gotik war es verheirateten Frauen aufgrund eines Verbotes der Kirche nicht gestattet, ihr Haar der Öffentlichkeit zu zeigen. So waren sie gezwungen, sich ihre Frisuren mit Hauben und Schleiern zu verdecken. So kommt es auch, dass in dieser Epoche eine hohe Stirn als besonders attraktiv galt, wodurch viele Frauen ihren Stirnansatz durch Entfernen der Stirnhaare erhöhten.

Beispiel V: Renaissance, ca. 1.400 bis 1.700

Erst in der Renaissance war es Frauen wieder erlaubt, Haare und Körper zu zeigen. Hauptsächlich wurden in diesen Jahrhunderten die Frisuren der Griechen und Römer weitestgehend übernommen und man begann wieder damit, sich die Haare aufzuhellen beziehungsweise zu blondieren – diesmal mit natürlichen Färbemitteln. Männliche Frisuren wurden schlichter gehalten, und vor allem: großartige Unterschiede bei den Frisuren zwischen den Adligen und dem ärmeren Volk gab es nun nicht mehr.

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5. Rothaarige benötigen eine höhere Narkosemittel-Dosis

Der am wenigsten verbreitete Farbton menschlicher Haare ist Rot. Das, was diese einzigartige Färbung der Haare möglich macht, ist eine bestimmte Variation auf dem Chromosom 16. Dieses sorgt dafür, dass statt dem Eumelanin – die Art von Melanin, die man in dunklem Haar vorfindet – das Phäomelanin dominiert. Genau so wie bei Blondinen haben Rothaarige im Vergleich zu Brünetten etwas weniger Haare – rund 90.000. Jedoch sind diese meist dicker, wodurch es oftmals sogar so wirkt, als hätten sie mehr Haare auf dem Kopf. Im Folgenden werden dir drei Fakten über diesen besonderen Haarton vorgestellt.

a. Begehrt im Sklavenhandel

Im alten römischen Reich war der Handel mit Sklaven keine Seltenheit. Da man Leuten mit roten Haaren zu dieser Zeit nachsagte, dass sie äußerst stark und entschlossen seien, wurden diese bei einem Handel oft bevorzugt. Viele der Sklaventreiber waren bereit, hohe Preise für sie zu zahlen, weshalb man teilweise so weit ging, dass man den Leuten nicht selten die Haare rot färbte oder ihnen sogar Perücken aufsetzte.

b. Erhöhte Resistenz gegen Narkosemittel

Forscher der University of Louisville fanden heraus, dass Rothaarige bei Operationen rund 20 Prozent mehr Narkosemittel als Menschen mit anderen Haarfarben benötigen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Hierfür verantwortlich ist das MC1R-Gen, das bei 92 Prozent der Leute mutiert und deshalb den Anschein nach den Wirkstoff von Narkotika hemmt.

c. Feiertag in den Niederlanden

Jedes Jahr wird den Rothaarigen eine Veranstaltung namens „Roodharigendag“ am Wochenende der letzten August-, bzw. der ersten Septemberwoche gewidmet. Bis 2018 fand dieser Tag in der niederländischen Stadt Breda statt, seit 2019 kann man in der Stadt Tilburg an den „Red Head Days“ teilnehmen. Traditionell wird bei jeder Veranstaltung ein Gruppenfoto geschossen, bei dem Thema und Farbe der Kleidung vorher abgesprochen werden.

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6. Die Haarklassifizierung gibt es erst seit den 90er Jahren

Einer der talentiertesten Friseure der 90er Jahre war der Star-Stylist Andre Walker, der sogar einige Zeit als Oprah Winfreys persönlicher Hairstylist arbeiten durfte. Er war es, der auf die Idee kam, ein Haartypen-Klassifizierungssystem zu entwerfen, das anfangs eigentlich für seine Haarpflegelinie gedacht war. Dieses Haartypisierungssystem soll demonstrieren, wie lockig oder wellig dein Haar ist und hat sehr schnell an Bekanntheit gewonnen. Bei dieser Veranschaulichung klassifiziert er vier unterschiedliche Haartypen, die jeweils in vier verschiedenen Unterkategorien eingeteilt werden:

1. Typ 1 – glatt

A:
Typ 1A ist von Natur aus extrem weich und fein. Aufgrund dessen wirkt es meist sehr glänzend, wird jedoch schnell fettig.

B:
Die Mittelstufe dieses Typs sieht durch volles Volumen am Haaransatz dicker aus als Typ 1A.

C:
Dieser Typ ist bei asiatischen Frauen weit verbreitet und ist weitaus dicker als Typ 1B mit noch vollerem Volumen.

2. Typ 2 – wellig

A:
Dies ist das Mittelmaß zwischen lockig und glatt. Es neigt ohne Styling zu Strähnen in S-Form und lockt sich an den Spitzen. Außerdem eignet es sich perfekt zum Styling, da es leicht zu glätten beziehungsweise für weitere strukturierte Wellen ist.

B:
Bei dieser Kategorisierung sind die Wellen deutlich sichtbarer und ebenfalls s-förmig. Dieser Haartyp wird jedoch öfter mal kraus.

C:
Diese Kombination aus welligem und lockiges Haar kräuselt sich schnell bei hoher Luftfeuchtigkeit und zeichnet ein größeres Volumen sowie dickere Wellen aus.

3. Typ 3 – lockig

A:
Haar der Kategorie 3A ist sehr glänzend und in der Lage beim Stylen jede dir beliebige Form anzunehmen. Erkennen kannst du es an seiner definierten S-Form.

B:
Bei diesem Typ beginnen die Locken, feiner zu werden. Hauptmerkmal dieses Typen sind die engen spiral- bis korkenzieherförmigen Locken.

C:
Dieses Haar ist dünner als 3A und 3B. Dadurch, dass die Locken aber kleiner und dichter sind, wirken sie oft dicker.

4. Typ 4 – spiralig

A:
Dieses Haar hat beim Langziehen ein S-Form-Muster, besteht aber eigentlich aus einfachen, engen Spiralen. Dieses Haar neigt dazu, dünn, spröde und zerbrechlich zu sein.

B:
Haare des Typen 4B sind ebenfalls ziemlich zerbrechlich. Der Unterschied zu 4A besteht darin, dass diese Locken eher z-förmig, bzw. „zick-zack-förmig“ wirken.

C:
Zu guter Letzt kommen wir zu dem am schwierigsten zu behandelnden Typ. Hierbei gibt es kein definiertes Lockenmuster, wodurch viele Menschen der Meinung sind, es habe die tollste Windung. Allerdings sind diese Haare am schwierigsten zu kämmen oder zu pflegen.



Ob Kult in der Mode oder Schutz in der Wildnis zu Beginn der Evolution. Unsere Haare begleiteten uns schon immer als wichtiger Bestandteil des Körpers durch das Leben. Einigen war es möglich, ihre Frisuren stolz der Öffentlichkeit zu präsentieren, andere hingegen hatten mit Problemen zu kämpfen, die ihre Haare mit sich brachten. Diese aus Keratin bestehen Hornfäden waren immer wieder Thema vieler geschichtlicher Ereignisse, die die Menschheit prägten. Heutzutage werden sie eher als Trends getragen und so haben sie als Statussymbol keinerlei Bedeutung mehr. Dennoch behandeln sie nach wie vor ein äußerst spannendes Themengebiet, was sich immer wieder lohnt, erzählt zu werden!