Mixing Guide: Ein Leitfaden zum Abmischen von Musik

Das Mischen ist der wichtigste Schritt in der Musikproduktion, da im Mix die wesentlichen Anpassungen eines Liedes vollbracht werden. Im Mixing werden aufgenommene Tonspuren eines Liedes zusammengemischt. Das Ziel ist es, in einer mehrspurigen Aufnahme die Lautstärken anzugleichen, das Stereobild zu gestalten und den Klang zu formen. Für jeden Produzenten ist es also unabdinglich, das Abmischen zu beherrschen und seine künstlerische Kreativität zu entfesseln.

Bildquelle: Foto von ProdbyDaan via pixabay.

Das Mixing beginnt mit einer Vorbereitungsphase, in der Spuren benannt, gefärbt und in Gruppen unterteilt werden. Das erleichtert die Übersicht und damit die Effizienz. Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Spuren beispielsweise in folgende Gruppen einzuteilen:

1. Drums
2. Bass
3. Mids
4. Vocals

Nach der Vorbereitungsphase fängt dann endlich das Mischen an. Die Möglichkeiten, um Spuren zu bearbeiten, sind dabei nahezu unendlich groß. Dabei gibt es ein paar essentielle Grundlagen, die jeder Produzent kennen muss.

1. Leveling

Im Leveling werden die Lautstärken der einzelnen Spuren aufeinander abgestimmt. Das ist beim Mischen einer der wichtigsten Schritte. Bevor die Spuren mit Effekten geformt werden, sollten die Pegel in einer guten Ausgangssituation stehen. Dabei ist vor allem darauf zu achten, dass genug Headroom vorhanden ist. Das heißt, dass die lauteste Spur nicht lauter als -6dB laut sein darf, da wir im Mastering noch grundlegend die Lautstärke anheben werden. In der modernen Musik ist die Kick das lauteste Element in Songs, gefolgt von der Snare.

2. Panning

Nach dem Leveling folgt das Panning. Beim Panning schwenkt man die Spuren nach links oder rechts, um so ein ausgewogenes Stereopanorama zu erzeugen und die Breite des Mixes zu kontrollieren. Es wird also eine Spur verstärkt oder gar nur in eine Richtung vom Zentrum aus positioniert. Man schwenkt im Prinzip einzelne Spuren mit einem gewissen Prozentsatz nach links oder nach rechts im Stereobild.

Bei den Drums hält man sich systematisch an den Aufbau eines Schlagzeuges. Das heißt: Sowohl die Kick als auch die Snare sollten überhaupt nicht gepannt werden, die Hi-Hat leicht nach links und die Crash/Ride leicht nach rechts. Bei den einzelnen Sounds der Instrumente ist künstlerische Freiheit angesagt, jedoch sollte man nicht übertreiben, um den Hörer nicht zu verwirren. Denn wenn alles zentral platziert ist, klingt der Mix sehr überfüllt.

3. EQ-ing

Jeder Sound setzt sich aus Frequenzen zusammen. Der Equalizer ist dafür da, bestimmte Frequenzbereiche einer Spur um eine gewisse Anzahl an Hertz (Hz) zu verstärken, zu schwächen oder gar zu entfernen. Es ist nach dem Leveling der wichtigste Schritt, um dem Klang zu formen.

Mit dem EQ ist es möglich, einzelnen Instrumenten und Sounds mehr Raum zu verschaffen, da alle Sounds Informationen in allen Frequenzen enthalten, auch wenn diese kaum oder gar nicht zu hören sind. Generell ist es sinnvoll, Bereiche komplett zu schneiden, in denen Instrumente keine oder nur störende Töne erzeugen. Indem man danach einzelne Frequenzbereiche anhebt oder absenkt, kann man den Sound weiter formen oder korrigieren. Ziel sollte hier sein, dass die Spuren besser ineinandergreifen und zusammenklingen. Auf Grund dieser zwei Funktionen des Equalizers ist es ratsam, diese Schritte klar voneinander zu trennen und stets mit dem, im Fachjargon so bezeichneten, chirurgischen EQ anzufangen, ehe man dann denn formgebenden EQ anwendet.

4. Kompression

Ein Kompressor wird dazu verwendet, den Dynamikumfang – also die Spanne zwischen dem lautesten und leisesten Ton einer Spur – zu verringern. Im Prinzip verstärkt der Kompressor die leiseren und dämpft die lauteren Elemente, um den Sound auszubalancieren. Das Ganze funktioniert mittels eines bestimmten Limits, über welchen keine Frequenzen des Sound mehr zugelassen werden und einer Ratio, die im Prinzip die Stärke der Kompression widerspiegelt.

5. Reverb

Reverb ist ein Effekt der einen Hall erzeugt, um einen Sound mit Raum, Breite und Tiefe zu füllen. Es ist sinnvoll, sich einen Bus einzurichten, in welchen die Spuren eingespeist werden, die einen Hall Effekt erzeugen sollen. Zusätzlich sollte man auch einen EQ in den Bus legen, um die Höhen und Tiefen zu entfernen, um den Reverb nicht zu weit in den Vordergrund zu stellen.

6. Freie Gestaltung

Musik ist Kunst. Und wie auch bei Bildern, Texten & Co., kommt es bei Musik auf die künstlerische Freiheit an. Grenzen setzt da nur unser Kopf. Produzieren und Mischen ist stets ein kreativer Prozess, in dem die Künstler auf ihren Instinkt und ihr musikalisches Gefühl vertrauen und Risiken eingehen sollten. Sie sollten selbstständig nach neuen Lösungen suchen und neue Prozesse ausprobieren.

Quelle: Foto von Free-Photos via Pixabay.

Das Mischen ist ein langwieriger Prozess, da die gemischten Versionen oftmals noch überarbeitet werden müssen. Das Mischen sollte man daher in mehrere Sessions aufteilen, um stets mit einem frischen Verstand Elemente anpassen zu können. Dabei kann es auch helfen, sich den Mix auch auf verschiedenen Lautstärken genauer anzuhören.

Indem man ein Lied extrem leise abspielt, kann man besser heraushören, welche Teile des Liedes zu laut sind und daher herausstechen und welche Elemente zu leise sind und quasi wegfallen. Mit einer sehr hohen Lautstärke zeigt sich dann noch einmal genau, welche Bestandteile zu laut sind und dadurch anfangen zu rauschen und Störsignale erzeugen.

Mit diesen Grundlagen sollte der Mix optimal auf das Mastering vorbereitet sein. Bei Anfängern kann es eine Weile dauern, bis die Mixe kontinuierliche Qualität aufweisen. Daher ist es unabdinglich, für Produzenten das Mischen stets zu Wiederholen, weiter auszuprobieren und die klangliche Wahrnehmung zu trainieren. Dabei sollte das große Ganze im Blick behalten und eine Vorstellung entwickelt werden, wie der Sound klingen könnte und sollte.